Chocosuisse ist kritisch gegenüber Bisphenol A-Verbot
Die EU verbietet das gesundheitsgefährdende Bisphenol A. Das stellt die Schweizer Schoggifirmen vor Probleme, wie Roger Wehrli, Direktor von Chocosuisse, gegenüber dem Blick sagt.
Die EU will die Chemikalie Bisphenol A (BPA) im Kontakt mit Lebensmitteln verbieten. Doch um Schoggi zu giessen, werden überwiegend Formen aus Polycarbonat eingesetzt – «ein Material, das Bisphenol A enthalten kann», sagt Roger Wehrli (46), Direktor des Branchenverbands Chocosuisse, gegenüber dem Blick. Die Schweiz will die EU-Regel übernehmen, da viele Produkte in die EU exportiert werden und somit deren Vorgaben erfüllen müssen, wie der Bundesrat auf einen Vorstoss von FDP-Nationalrätin Jacqueline de Quattro (65, VD) antwortete. Ab Mitte Januar 2028 sollen sie nicht mehr verkauft werden dürfen und ein Jahr später aus dem Verkehr gezogen werden.
Die heutigen Formen würden sich durch Präzision, Langlebigkeit und Lebensmitteltauglichkeit auszeichnen, so Wehrli weiter. Doch Bisphenol A stelle ein Gesundheitsrisiko für die Verbraucher dar, schreibt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit. Die chemischen Stoffe könnten sich aus dem Material lösen und in die Lebensmittel übergehen. Ob es aber gleichwertige Alternativen gibt, die hygienisch, technisch und wirtschaftlich mithalten könnten, bezweifelt Wehrli. Es gebe derzeit keinen gleichwertigen Ersatz für BPA-haltige Formen mit vergleichbarer Funktionalität und Lebensmittelsicherheit.
Die Umstellung geht für die Firmen ins Geld, da Formen meistens Spezialanfertigungen sind. Bei der Schokolade bestehe keine Gefahr einer BPA-Kontaminierung, so Wehrli. Ein relevanter Übergang aus den Formen in die Schokolade hätte in der Praxis bislang nicht nachgewiesen werden können. Denn die Schokolade habe nur sehr kurzen Kontakt mit den Formen und das bei tiefen Temperaturen.
Jane Muncke bezweifelt im Blick, dass in der Schokolade kein BPA vorkommt. Sie ist Umwelttoxikologin und Leiterin des Food Packaging Forums. Für sie sind schon kleinste Mengen gesundheitsgefährdend. Die Chemikalien würden in das Hormonsystem eingreifen, was zu Diabetes, Unfruchtbarkeit, Allergien oder Krebs führen könne. Das Verbot komme zu spät. Man sehe in den Gesundheitsstatistiken, dass beispielsweise mehr junge Männer unfruchtbar sind als früher, was eine Folge von BPA sein könne. Die EU hat für Juli 2026 eine Neubewertung vorgeschlagen, abhängig davon, ob alternative Formen verfügbar sind. Sollte die EU die Übergangsfristen für das Verbot für Schokoladenformen verlängern oder eine entsprechende Ausnahmeanwendung vorsehen, sei es sehr wahrscheinlich, dass die Schweiz diesem Beispiel folge, schreibt der Bundesrat.