V.l.: David Santschi, Geschäftsleiter von Egger Bier, Locher-Geschäftsleiter Aurèle Meyer, Karl Locher, Inhaber der Brauerei Locher, Boxer-Verkaufsleiter Christophe Gerber und Chopfab-Gründer Philip Bucher.
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Jetzt ist klar, wie es mit der Winterthurer Brauerei Chopfab weitergeht, die seit Frühling 2024 mehrheitlich der Appenzeller Brauerei Locher gehört. Letzte Woche kursierten Gerüchte über eine mögliche Schliessung des Standorts Winterthur. An einer Medienkonferenz von heute Donnerstag stellte die Brauerei Locher nun klar: Es wird weiterhin Bier gebraut in Winterthur.
Allerdings wird die Produktion der Chopfab-Leaderprodukte nach Appenzell gezügelt. Am Standort Winterthur werden künftig nur noch Spezialitäten und alkoholfreie Biere gebraut. Abgefüllt werden allerdings auch sie in Appenzell. Die Füllerei in Winterthur wird auf Anfang 2026 geschlossen. «Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Herausforderungen» wird die Brauerei in Winterthur ausserdem verkleinert, wie die Brauerei Locher in einer Mitteilung schreibt. Wie Aurèle Meyer, Geschäftsführer der Brauerei Locher gegenüber foodaktuell sagte, geht etwas mehr als die Hälfte der Produktionsfläche verloren, sechs von 26 Stellen werden abgebaut.
Kompetenzzentrum für alkoholfreie Getränke
Bei Chopfab in Winterthur steht eine Umkehrosmose-Anlage, mit der Getränke entalkoholisiert werden können. Laut Meyer ein sehr schonendes Verfahren, das in der Schweiz noch nicht sehr verbreitet ist. Die Brauerei Locher will den Standort Winterthur deshalb zu einem Kompetenzzentrum für die Entalkoholisierung ausbauen. Geplant ist, dass künftig auch andere Brauereien oder Cider-Produzenten ihre Getränke bei Chopfab entalkoholisieren lassen können. Auch die Produktion von Fleischersatz aus Biertreber bleibt in Winterthur erhalten.
Zentrale Logistik, Ausbau in der Romandie
Bei der Logistik setzt Locher künftig auf eine zentrale Lösung. Ab Dezember 2025 werden alle Marken der Locher-Familie - also Locher, Chopfab, Boxer und Egger - für die Deutschschweiz und das Tessin über ein zentrales Lager in Appenzell abgewickelt.
Während die Brauerei Locher in Winterthur die Produktion verkleinert, investiert sie bei der Brauerei Boxer in Yverdon-les-Bains in eine Erweiterung der Produktionskapazitäten. Konkret sollen neue Tanks und ein neuer Filter installiert werden. Das Wachstum der letzten Jahre mache diese Investitionen nötig, heisst es in der Mitteilung. Die Brauerei Boxer übernimmt gemäss Aurèle Meyer einen Teil der grossen Lagertanks von Chopfab. Die Brauerei Chopfab hatte diese Tanks vor einigen Jahren im Zuge ihrer Expansionpläne angeschafft. «Viele dieser Tanks haben aber leider noch nie Bier gesehen», so Meyer.
Neue Brauerei für Egger Bier
Weitere Teile der Anlage sowie Tanks aus Winterthur gehen an die Berner Brauerei Egger Bier, die in Worb eine neue Produktionsstätte bekommt (
foodaktuell berichtete). Bis zu deren Eröffnung im Herbst 2026 wird das Egger-Bier in Appenzell gebraucht. Das «Braui-Lädeli» in Worb bleibe erhalten, auch das Freitags-Zwickeln findet weiterhin statt, wie Locher mitteilt. Die Brauerei Locher ist seit 2020 Mehrheitsaktionärin von Egger Bier.
Insgesamt investiert Locher gemäss Aurèle Meyer rund sechs Millionen Franken in seine vier Standorte.
Die Umstrukturierung sei eine Weichenstellung für die Zukunft, erklärte Aurèle Meyer gegenüber foodaktuell. «Es geht darum, unsere Standorte so zu dimensionieren, dass wir auch in einem rückläufigen Biermarkt gut aufgestellt sind.» Der Bierkonsum sinkt in der Schweiz jährlich um rund drei Prozent. Aufwind hat hingegen alkoholfreies Bier.
Die Biermarken Locher, Chopfab, Boxer und Egger machen nach Angaben der Brauerei Locher derzeit 13 Prozent des Schweizer Biermarktes aus. Von den in der Schweiz produzierten Biere beträgt der Marktanteil 16 Prozent.