Der Verarbeitungsgrad allein sage «nichts über die gesundheitliche Bewertung eines Produkts aus», schreibt die Fial.
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Die letzte Woche veröffentlichte Serien im Fachjournal «The Lancet» geht mit hochverarbeitete Lebensmitteln, auf englisch Ultra-processed food (UPF), hart ins Gericht. UPFs machten die Menschen dick und krank. Deshalb brauche es Massnahmen zur Reduzierung der Produktion, Vermarktung und des Konsums von hochverarbeiteten Lebensmitteln, etwa die Besteuerung ungesunder Waren oder Werbeverbote (
foodaktuell berichtete).
Die Förderation der Schweizer Nahrungsmittel-Industrien (Fial) sieht die Studien sehr kritisch, wie Karola Krell Zbinden, Leiterin der Fial-Kommission Ernährung, auf Anfrage von foodaktuell schreibt.
Das grundlegende Problem, so Karola Krell Zbinden, sei, dass die verwendete Klassifikation sehr unterschiedliche Produkte in eine einzige Kategorie werfe. «Darunter fallen plötzlich Lebensmittel, die in der Schweiz als Teil einer ausgewogenen Ernährung gelten: von Vollkornprodukten über nährstoffoptimierte Produkte bis hin zu Säuglingsnahrung.» Eine solche Einordnung blende aus, welchen Beitrag moderne Verarbeitung für Sicherheit, Haltbarkeit, Qualität und Verfügbarkeit leiste.
Der Verarbeitungsgrad allein sage «nichts über die gesundheitliche Bewertung eines Produkts aus», so Krell Zbinden weiter. «Die wissenschaftliche Evidenz ist deutlich weniger eindeutig, als es die Lancet-Artikel suggerieren.» Auch die Nova-Klassifikation, die Lebensmittel je nach Verarbeitungsgrad kategorisiert, werde international seit Jahren kontrovers diskutiert. «So berücksichtigt sie zum Beispiel Energiedichte, Nährwertzusammensetzung, Portionsgrössen oder auch die Textur eines Lebensmittels nicht», schreibt Karola Krell Zbinden.
«Es braucht Dialog»
Sie betont zudem, dass die Lebensmittelwirtschaft seit Jahren daran arbeite, Produkte schrittweise an die sich ändernden Wünsche der Konsumentinnen und Konsumenten anzupassen – sei es durch Salz- und/oder Zuckerreduktion, durch Optimierung der Mikronährstoffzusammensetzung oder durch sensorische Innovationen. Es brauche Ernährungsbildung, wissenschaftlich fundierte Bewertungen und einen Dialog zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft.