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Diversifikation oder Spezialisierung?

Die Landwirtschaft wird insgesamt vielfältiger in ihren Produktionsformen. Darauf müsse auch die Politik Antworten finden, wie Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter von verschiedenen Berner Bauernhöfen am Neujahrspodium des Berner Bauernverbandes erklärten.

Fabian Feissli, Marco Messerli, Christa Krähenbühl und Niklaus Walker (kniend). Jürg Iseli, Hansjörg Jäger, Andreas Wyss und Michael Gysi.

Liegt die Zukunft der Berner Landwirtschaft in der Vielfalt? Unter diesem Titel präsentierte der Berner Bauernverband (BBV) die diesjährige Ausgabe des Neujahr-Podiums im Münsinger Schlossgut. BBV-Präsident Jürg Iseli eröffnete das Podium mit einem Blick auf die aktuelle Marktsituation. Einerseits stehe der Milchmarkt unter starkem Druck, andererseits seien die Schlachtschweinepreise innert eines Tages um 50 Rappen pro Kilogramm eingebrochen. Die Branche wisse zwar, in welche Richtung sich der Markt entwickle, doch entscheidend sei, dass es gelinge, wieder Marktgleichgewicht herzustellen, damit die Preise langfristig ein Einkommen sichern könnten.
Die zentrale Frage lautete: Liegt die Stärke der Berner Landwirtschaft gerade in ihrer Vielfalt? Moderator Andreas Wyss diskutierte diese Frage mit Michael Gysi, Vorsteher des Amts für Landwirtschaft des Kantons Bern (LANAT). Der Agrarkanton Bern zeichne sich durch eine ausserordentliche geografische und topografische Vielfalt aus – vom Jura über das Mittelland und das Seeland bis ins Alpengebiet. Diese Vielfalt müsse sich auch in der landwirtschaftlichen Produktion widerspiegeln. Ein zentrales Ziel der Agrarpolitik sei die Versorgungssicherheit. Diese lasse sich nur erreichen, wenn effektiv produziert werde – und zwar nicht einseitig. Es brauche eine diverse, breit aufgestellte Landwirtschaft. Ausserdem bedinge die dezentrale Besiedlung, dass Einkommen nicht nur in den Städten generiert werden könne, sondern auch im ländlichen Raum, sagte Gysi. Dies sei die Aufgabe der Politik.
Als Beispiel für eine erfolgreiche Spezialisierung nannte Gysi den Biolandbau: Der Anteil der Biobetriebe ist von rund 11 auf 16 Prozent gestiegen, was heute fast 9000 Betrieben entspricht. Zwar flache das Wachstum ab, dennoch zeige dieses Beispiel, dass Spezialisierung dann erfolgreich sei, wenn sie von den Konsumentinnen und Konsumenten getragen werde. Der Kanton unterstütze die Landwirtschaft, unter anderem durch die enge Zusammenarbeit mit der BFH-HAFL.
Nach der politischen Einordnung kamen die Praktiker zu Wort. So Niklaus Walker aus der Lenk, der eine intensive Milchviehhaltung mit Alpkäseproduktion im Sommer betreibt. Im Winter führt er dazu die bekannte Hasler-Bar am Lenker Betelberg. 2020 investierte er stark in die Milchproduktion. «An der Lenk braucht es ein raufutterverzehrendes Tier», sagte Walker. Nicht so im Berner Seeland, wo Fabian Feissli zusammen mit seinem Bruder einen vielseitigen Betrieb mit Gemüse- und Ackerbau, sowie Munimast und einen Direktvermarktungsladen im Dorf betreibt. Im Seeland sei der Strukturwandel stark spürbar, sagte Feissli, warnte aber: «Spezialisierung ist sinnvoll, aber nur dort, wo es passt». Wenn sich zum Beispiel einzelne Betriebe auf einzelne Ackerfrüchte spezialisierten, etwa Kartoffeln, würden dann Kooperationen mit anderen Landwirten – etwa durch Fruchtfolgeflächen-Tausch – wichtig werden. Viele kleinere Betriebe würden auf einen vielfältigen Anbau setzen, so Feissli. Diese hätten dann aber im Handel oft Nachteile, da dieser oft innert kurzer Frist grosse Mengen in einheitlicher Qualität verlangen würde. Der administrative Aufwand in der Landwirtschaft nehme stetig zu, betonten Walker und Feissli. Strengere Vorschriften im Pflanzenschutz, steigende Qualitätsanforderungen und sinkende Flexibilität belasteten die Betriebe zunehmend. «Die Energie, die es braucht, um mit den Ämtern klarzukommen, ist immens», sagte Walker.
Christa Krähenbühl bewirtschaftet im Emmental auf 800 Metern über Meer, zusammen mit ihrem Mann, einen Betrieb mit 30 Milchkühen und Direktvermarktung von Getreide, Früchten und Fleisch. Direktvermarktung sei keine Goldgrube, sondern sehr arbeitsintensiv. Viele Entwicklungen hätten sich bei ihr organisch ergeben, ohne Businessplan oder grosse Investitionen. Ausserdem: «Wir hatten gar keine Zeit, um zu planen», sagte Krähenbühl. Die fünf Kinder hätten schliesslich auch Betreuung erfordert, ebenso die Arbeit in Vereinen und politischen Ämtern, wie die Gemeindepräsidentin von Oberhünigen erklärte. Wie ihr Betrieb künftig weiterbewirtschaftet werde, das könne die junge Generation entscheiden. Die Direktvermarktung müsse nicht zwingend weitergeführt werden. Doch die zunehmende Extensivierung in der Landwirtschaft bereite ihr Sorgen, so Krähenbühl: «Eigentlich möchten viele junge Landwirte ihre Betriebe weiterentwickeln und Nahrungsmittel produzieren».
Marco Messerli von Messerli’s Bioobst produziert Obst in Kirchdorf, zwischen Bern und Thun. Neben Äpfeln und Birnen baut er Zwetschgen an, betreibt etwas Ackerbau und hatte bis vor Kurzem einen Legehennenstall, der aufgrund geänderter Bio-Richtlinien jetzt leer stehe, wie Messerli sagte. Für ihn sei klar gewesen, dass er sich auf dem Betrieb spezialisieren musste. So gab er den Beeren- und Kirschenanbau auf. «Mangelndes Knowhow ist langfristig nicht konkurrenzfähig», sagte Messerli. Klar, die Spezialisierung berge selbstverständlich auch Risiken. So habe er während Frostnächten im April, wenn die Bäume in voller Blüte stehen, schon oft gedacht, es wäre gut, wenn noch 20 Kühe im Stall stehen würden, so Messerli.
Für alle war klar: «Vielfalt braucht Spielraum». Für die Politik werde es jedoch schwieriger, allgemeingültige Regeln zu erlassen, wie Hansjürg Jäger von der BFH-HAFL und Betreiber des Agrarpolitik-Podcasts, zum Abschluss sagte. Dies, wenn die Landwirtschaft insgesamt vielfältiger werde, was notwendig sei. Entscheidend seien die Motivation und die Bereitschaft der Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, Neues zu wagen. Doch der Rahmen müsse von der Politik breit genug gesetzt sein, um unterschiedliche Wege zuzulassen.

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