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Öl aus Wuhan: Schlüsselprodukt im Zentrum des Babynahrungs-Skandals

Das chinesische Unternehmen Cabio Biotech ist ins Zentrum internationaler Ermittlungen zu verunreinigter Säuglingsnahrung geraten. Behörden prüfen, ob über einen Rohstoff der Firma aus Wuhan das Gift Cereulid in Milchpulver mehrerer Marken gelangt ist.

Das Gift Cereulid gelangte über einen Rohstoff in Milchpulver mehrerer Marken.

Quelle: Symbolbild Lucy Wolski/Unsplash

Worum geht es?
Nahrungsmittelriesen wie Nestlé und Danone aber auch kleinere Babymilchanbieter wie Hochdorf befinden sie sich in einem Strudel aus Produkterückrufen in über 60 Ländern rund um den Globus. Zudem ermitteln Behörden, ob allenfalls giftige Babynahrung von Nestlé zwei Todesfälle Ende Dezember und Anfang Januar in Frankreich verursacht und ein Kind in Belgien krankgemacht haben könnte. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Konsum der Säuglingsmilch und den Todes- respektive Krankheitsfällen sei jedoch nicht belegt, betonten die Behörden bislang.
Warum richtet sich der Fokus auf Cabio Biotech?
Die Rückrufe gehen auf ein Risiko einer Kontamination mit Cereulid zurück - einem von bestimmten Bakterien produzierten Giftstoff. Dieser kann innert weniger als einer Stunde zu Brechdurchfall führen. Die Cereulid-Belastung dürfte auf die Verwendung eines Öls zurückgehen, das reich an Arachidonsäure (ARA) ist - einer Omega-6-Quelle, die die Entwicklung des Gehirns fördert - und Zutat der betroffenen Produkte war. Behörden und mit dem Fall vertraute Quellen identifizierten Cabio Biotech als Lieferanten für eine Reihe der betroffenen Hersteller. Cabio Biotech gehört laut der Konsumentenschutzorganisation Foodwatch zu den wenigen Lieferanten weltweit von Arachidonsäure. Der Aktienkurs von Cabio Biotech hatte in China Anfang Januar nach den von Nestlé veranlassten Rückrufen deutlich nachgegeben.
Wer ist Cabio Biotech?
Cabio Biotech wurde 2004 gegründet und gilt als einer der führenden Hersteller von Produkten mit Arachidonsäure, wie aus Unternehmensunterlagen hervorgeht. ARA ist eine Omega-6-Fettsäure, die für die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem bei Säuglingen als wichtig gilt und in zahlreichen Babynahrungen, Milchprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt wird. Cabio bietet das durch Pilzfermentation produzierte ARA sowohl als Öl wie auch als mikroverkapseltes Pulver an. Konkurrenten gibt es nur eine Handvoll, darunter der schweizerisch-niederländische Chemiekonzern DSM-Firmenich sowie Guangdong Runke Bioengineering aus China. Cabio Biotech hat seinen Sitz in der zentralchinesischen Millionenstadt Wuhan. Diese war während der Coronavirus-Pandemie international in den Fokus geraten. Dort waren 2019 die ersten bekannten Infektionen mit dem neuartigen Virus registriert worden, das 2020 zur weltweiten Pandemie geführt hat.
Was sagt Cabio Biotech?
Cabio Biotech äusserte sich bislang öffentlich nicht zu einer möglichen Kontamination des betroffenen Öls. In China werden dabei Erinnerungen wach an einen aufsehenerregenden Skandal im Jahr 2008, bei dem Säuglingsmilchpulver kontaminiert gewesen war. Sechs Babys starben, 300'000 erkrankten - teils mit schweren Nierenkomplikationen. Der Fall prägte die Konsumenten nachhaltig. Diese wandten sich vermehrt ausländischen Produkten zu.
Gibt es keine Kontrollen?
Nach Angaben des Laborkonzerns Eurofins unterliegen Säuglingsnahrungen eigentlich besonders strengen Kontrollen. Zwar werde routinemässig nach Bakterien gesucht, Cereulid - ein Gift, das von bestimmten Stämmen des Bakteriums Bacillus cereus gebildet wird - gehöre jedoch normalerweise nicht zu den Standardtests. Der Schweizer Prüfkonzern SGS stuft Cereulid als wachsendes Risiko ein. Es könne selbst nach üblichen Verarbeitungsprozessen im Endprodukt verbleiben, hiess es. Aufgrund seiner hohen Giftigkeit selbst in kleinsten Mengen steht Cereulid besonders bei Säuglings- und Babynahrung, Reis- und Fertiggerichten, Milchpulver, fettreichen Zutaten wie Spezialölen sowie allgemein bei pulverförmigen und stark verarbeiteten Lebensmitteln im Fokus der Behörden und der Industrie.
Wie reagierte Nestlé?
Nestlé erkannte das Problem bei den eigenen Qualitäts- und Sicherheitsprotokollen. Der Konzern identifizierte die Quelle der Verunreinigung und informierte die zuständigen Handelsverbände und Behörden, damit auch andere Hersteller davon in Kenntnis gesetzt werden konnten. Der Konzern rief mehrere Chargen von Babynahrungsprodukten in gegen 60 Ländern zurück. Nestlé stoppte zudem die Belieferung durch den betroffenen ARA-Öl-Lieferanten. Zudem kündigte der Konzern systematische Tests aller ARA-Öl-Chargen von anderen Lieferanten auf Cereulid an sowie Kontrollen während und nach der Produktion.

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