CEO Philipp Navratil treibt den strategischen Wandel bei Nestlé voran.
Der neue Nestlé-Chef Philipp Navratil will wieder mehr internes Realwachstum. Dazu will der Lebensmittelriese künftig auf vier Geschäftsbereiche mit den stärksten Marken fokussieren: Kaffee, Tierfutter und Spezialnahrungsmittel (Nutrition), die zusammen 70 Prozent des Umsatzes ausmachen, sowie Food und Snacks, wo neben globalen Marken wie Maggi oder KitKat lokale Marken wie Thomy wichtig sind.
Ernährung (Nutrition) und Gesundheit (Health Science) werden dabei künftig zu einer Einheit zusammengefasst. Damit will Nestlé-CEO Philipp Navratil das Geschäft vereinfachen und Synergien freisetzen. Im Zuge dieser Reorganisation verlässt die bisherige Nestlé-Health-Science-Chefin Anna Mohl den Konzern Ende Februar, wie Nestlé am Donnerstag mitteilte.
Bei Food und Snacks will Nestlé das Portfolio weiter straffen und auf umsatzstarke Marken fokussieren. Geplant ist unter anderem, das verbleibende Glacegeschäft in sechs Märkten mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Franken ebenfalls in das Joint Venture Froneri auszulagern. An diesem ist Nestlé zur Hälfte beteiligt, die andere Hälfte gehört der französischen Beteiligungsgesellschaft PAI Partners. Den grössten Teil des Eiscremegeschäfts hat Nestlé schon vor Jahren an Froneri verkauft. Die Verhandlungen sind laut Nestlé schon fortgeschritten. An der Eigentümerstruktur von Froneri soll sich nichts ändern, wie Nestlé-CEO Philipp Navratil an der Medienkonferenz sagte.
Für das Wassergeschäft (mit 3,1 Milliarden Franken Umsatz) mit Marken wie Perrier, San Pellegrino oder Vittel hat Nestlé im ersten Quartal 2026 potenzielle Partner kontaktiert. Bis 2027 soll das komplette Wassergeschäft abgestossen werden. Auch das Geschäft mit Massenmarkt-Vitaminen steht zur Disposition.
Mehr Geld für Marketing
Navratil will künftig mehr Geld in Marketing und Innovationen stecken. Das Geld soll aus dem laufenden Sparprogramm kommen. Mit dem Sparprogramm erzielte Nestlé letztes Jahr Einsparungen von 1,1 Milliarden Franken, über 350 Millionen Franken mehr als geplant. Navratil hatte kurz nach seinem Einstand als CEO im Oktober 2025 einen grossen Stellenabbau angekündigt. In den nächsten zwei Jahren ist ein globaler Personalabbau von etwa 16'000 Stellen geplant, was knapp 6 Prozent der knapp 280'000 Nestlé-Stellen entspricht.
Am Vorabend hatte Nestlé bereits Änderungen an den Verwaltungsratsprozessen bekannt gegeben (
foodaktuell berichtete). Zusätzliche Sitzungen etwa sollen das Engagement des Verwaltungsrats erhöhen und mit Anpassungen der Ausschussstrukturen und -verantwortlichkeiten wolle man die Kompetenzen der Mitglieder noch besser nutzen. Das Aufsichtsgremium wird zudem erweitert und erhält mit dem früheren Nationalbank-Präsidenten Thomas Jordan einen prominenten Zugang. Daneben steht auch die P&G-Managerin Fama Francisco zur Wahl.
Nestlé hatte zuletzt einige Turbulenzen durchgemacht, darunter mehrere Wechsel an der Konzernspitze: So hatte Navratil im September 2025 die Leitung von Laurent Freixe übernommen. Dieser war nach nur einem Jahr im Amt über eine firmeninterne Affäre gestolpert. Er selbst hatte Mark Schneider abgelöst, in dessen letzten Amtsjahren der Nestlé-Aktienkurs auf Talfahrt gegangen war. Neben der finanziellen Performance sorgten auch immer wieder Skandale etwa im Wassergeschäft oder zuletzt bei der Babynahrung für Unruhe.