Die Sauerkirsche Hallauer Aemli ist eine der wenigen Schweizer Sorten, welche fast schweizweit verbreitet sind.
Quelle: Jana Daepp, Fructus
Die Vereinigung zur Förderung der Obstsortenvielfalt Fructus hat das Hallauer Aemli zur Schweizer Obstsorte des Jahres 2026 ernannt. Die Sauerkirsche, deren Anbaugebiet ursprünglich im Klettgau und in der Region Schaffhausen lag, ist seit mindestens 1937 dokumentiert und gilt als die am weitesten verbreitete Sorte der sogenannten «Aemli»-Typen, wie Fructus in einer Mitteilung schreibt.
Wie viele Sauerkirschen ist auch das Hallauer Aemli in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Fokus geraten. Sauerkirschen wurden in der Schweiz kaum im grossflächigen Erwerbsanbau kultiviert, sondern vor allem in Hausgärten oder als Einzelbäume auf bäuerlichen Betrieben genutzt und häufig verarbeitet. Mit der zunehmenden Spezialisierung im Obstbau und dem Rückgang der Selbstversorgung nahm ihre Bedeutung ab. Zusätzlichen Druck bringt die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii), die reifende Früchte befällt und zu Ernteausfällen führt.
Für den Hausgarten biete das Hallauer Aemli dennoch Vorteile, schreibt Fructus. Der Baum bleibt vergleichsweise klein und lässt sich gut einnützen, was als wirksame Schutzmassnahme gegen die Kirschessigfliege gilt. Zudem gilt die Sorte als robust, wenig anspruchsvoll an den Standort und selbstfruchtbar.
Auch ernährungsphysiologisch rücken Sauerkirschen zunehmend in den Fokus. Sie enthalten phenolische Verbindungen und Anthocyane mit antioxidativer Wirkung sowie Melatonin. Geschmacklich zeichnet sich das Hallauer Aemli durch eine ausgeprägte Säure mit süssem Anteil aus und eignet sich besonders für die Verarbeitung, etwa zu Konfitüre, Saft, Dörrobst oder Edelbrand.