Angespannter Fettmarkt im Fokus
Am Berner Käsertag in Schönbühl stand die angespannte Lage auf dem Schweizer Milchmarkt im Fokus. Besonders der Fettmarkt gerät zunehmend unter Druck, da sich die Butterlager deutlich aufgebaut haben.
Edel und goldgelb verpackt – so zeichnet die KI Schweizer Butter, wenn sie unter dem Marketingslogan «das gelbe Gold» eingegeben wird. Die goldgelbe Butter hat jedoch ein Problem. Seit Mitte letzten Jahres steigt die Lagermenge, und seither lässt sie sich nicht mehr abbauen. Wenn das Produkt im globalen Marktumfeld betrachtet werde, seien die Preisunterschiede frappant. Während der Schweizer Preis für Vorzugsbutter bei 18,11 Fr./kg und für Kochbutter bei 15,43 Fr./kg liege, werde ein Kilogramm Butter international für 4,75 Euro angeboten, sagte Alfred Rufer, Geschäftsführer der Branchenorganisation Butter, am Berner Käsertag vom 5. März im Landgasthof Schönbühl. Die Verkehrsmilchproduktion stieg im Juni 2025 an, erreichte den Peak im September und Dezember. Es sei jedoch nicht nur mehr Milch produziert worden, sondern der Fettgehalt sei zwei Hundertstel über dem Durchschnitt gelegen, sagte Rufer. Was nach nicht viel töne verursache pro Jahr ein Plus von 800 Tonnen Butter. Einen weiteren Grund für das bis zuletzt auf 6700 Tonnen angestiegene Butterlager liege in der Käseproduktion, die zwar um 4,5 % erhöht wurde, dafür aber gleichwohl nur 2,9 % mehr Milchäquivalente gebraucht wurden, weil mehr Viertel- und Halbfettkäse hergestellt wurde. «Der Rest drückt auf den Fettmarkt», so Rufer. Die Sirtenrahmbutterproduktion nahm um 16 % zu. Insgesamt ergab sich laut Rufer eine Mehrproduktion von 5,5 % Butter. Gleichzeitig sei aber auch 3,9 % mehr Butter verkauft worden, insbesondere bei Industrie- und Gewerbebutter. «Die Industrie verbrauchte 2025 mehr inländische Butter und importierte weniger», sagte Rufer. Es seien lediglich 1918 Tonnen eingeführt worden, das meiste im Rahmen des Veredelungsverkehrs. 2024 wurden hingegen 2224 Tonnen und 2023 sogar 7485 Tonnen importiert. Jetzt müssten fast 5000 Tonnen Butter exportiert werden, damit der Milchmarkt wieder ins Lot komme sagte Rufer. Für den Gastreferenten aus der Politik, SVP-Nationalrat Hansjörg Rüegsegger, war klar: «Für die Lösung des Milchmarktes wird nicht zuerst die Politik gefordert sein». Er setze auf die BO Milch, die über die entsprechenden Hebel für Massnahmen hätte.
Schutzkultur statt Baktofugieren
Heinz Tschannen von Liebefeld Kulturen gab zudem einen Einblick in die hundertjährige Geschichte der Forschungsanstalt Liebefeld (Agroscope). «Damals wurde noch mit Krawatte im Labor gearbeitet», sagte Tschannen. 1975 gelang der Forschungsanstalt der Quantensprung mit den RMK-Kulturen. Es kam zu einem Boom bei Flüssigkulturen, deren Menge auf über 20 000 Liter anstieg. Heute werden nach dem Käserei-Strukturwandel noch rund 8500 Liter in der Schweizer Käsereiwirtschaft eingesetzt, so Tschannen. Auch wenn die Menge gesunken sei, mache es ihn stolz, dass in der Schweiz pro Tag immer noch über 5 Mio. Liter Milch mit Liebefeld-Kulturen verkäst würden. Er erwähnte zudem einen Trend: In einigen grossen Käsereien werde die Milch statt zweimal nur noch einmal baktofugiert, dafür aber die Contra C1-Schutzkultur eingesetzt.