Über 40 Millionen Hühner will die Micarna im geplanten Schlachthof pro Jahr schlachten und verarbeiten.
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Der geplante Agrico-Campus umfasst ein Industriegebiet und Landwirtschaftsland. Nach der Schliessung des Standorts des US-amerikanischen Tiermedizinherstellers Elanco kaufte der Kanton Freiburg das Gelände. Nun soll dort eine Zentrum für Landwirtschaft und Lebensmitteltechnologie entstehen.
Auf dem Gelände soll auch der Schlachthof der Migros-Fleischverarbeiterin Micarna zu stehen kommen. Über 40 Millionen Hühner will die Micarna im geplanten Schlachthof pro Jahr schlachten. Rund 400 Millionen Franken will die Migros-Tochter in den Schlachthof investieren. Das Vorhaben bewegt die Gemüter in der Region. Insgesamt gingen 1800 Einsprachen ein gegen den Geflügelschlachthof und sechs weitere Infrastrukturprojekte auf dem Gelände, darunter eine regionale und industrielle Abwasserreinigungsanlage, wie die «Freiburger Nachrichten» berichten. Das Oberamt des Broyebezirks hat am 31. März allen Projekten die Baubewilligung erteilt und alle Einsprachen abgewiesen.
Für die Gegner ist der geplante Schlachthof überdimensioniert. Der Agrico-Campus sei ursprünglich für innovative Projekte vorgesehen gewesen, schreibt etwa die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Das Vorhaben laufe allen Empfehlungen zur Bekämpfung der Klima- und Biodiversitätskrise entgegen. Die Umweltorganisation will nun prüfen, ob sie Beschwerde einreicht. Es läuft eine 30-tägige Rekursfrist.
Zusammen mit Micarna belaufen sich die öffentlichen und privaten Investitionen in den Campus gemäss den Verantwortlichen auf rund 500 Millionen Franken. Die Zahl der Arbeitsplätze soll sich von derzeit 150 auf über 700 im Jahr 2029 erhöhen. Langfristiges Ziel sind 1600 Arbeitsplätze.
Micarna freut sich
Die Freiburger Kantonsregierung begrüsste am Mittwoch die erteilte Baubewilligung. «Der Campus Agrico ist ein Projekt von aussergewöhnlichem Umfang, das in der Schweiz seinesgleichen sucht», erklärte Staatsrat Olivier Curty, Direktor für Wirtschaft, Arbeit und Berufsbildung.
Die Projekte auf dem Campus stärken die Attraktivität der Region und des Kantons. Angesichts der Komplexität des Projekts wurde eine Koordination mit den Gemeinden, den kantonalen Dienststellen und den verschiedenen Partnern eingerichtet. Das Unternehmen Micarna ist im Rahmen der Ansiedlung seiner Produktionsstätte ebenfalls beteiligt.
Micarna-CEO Thomas Gerke sagte gegenüber den «Freiburger Nachrichten»: «Die Erteilung der Baubewilligung stellt einen wichtigen Schritt für die Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Entwicklung in der Region dar.»