FMV-Direktorin Sabine Guex, Präsident Yves Nicolet, Vizepräsidentin Mireille Hirt-Sturny.
Quelle: Roland Wyss-Aerni
«Damit Cremo wieder durchstarten kann, braucht es Unterstützung und keine Skepsis», sagte Yves Nicolet, der Präsident des Freiburger Milchbauernverbandes FMV, an der Delegiertenversammlung des Verbandes vom 24. April in Neyruz. Damit bezog er sich vor allem auf eine Motion von Freiburger Grossräten, die eine Risikoabschätzung für das Unternehmen durch den Freiburger Staatsrat verlangt hatten. Die Milchproduzenten seien auch besorgt, der FMV verfolgte als Hauptaktionär die Lage aufmerksam. «Wir stehen im engen und regelmässigen Kontakt mit dem Präsidium und der Geschäftsleitung des Unternehmens.» Der FMV begleite insbesondere die Umstrukturierung des Verwaltungsrats. Dieser Prozess sei noch nicht abgeschlossen, er ziele auf eine geringere Anzahl von Verwaltungsratsmitgliedern ab, was mehr Flexibilität ermögliche. «Wir achten darauf, dass die Interessen der Milchproduzenten angemessen vertreten sind.»
Didier Castella, der Freiburger Landwirtschaftsdirektor, erklärte, der Staatsrat verfolge die Situation der Cremo sehr genau. Es sei nicht die Aufgabe des Kantons, in irgendeiner Weise in diesen hochkompetitiven Markt einzugreifen. Der Kanton habe auch nicht die Kompetenz, hier irgendeine Funktion zu übernehmen, ganz abgesehen davon, dass die wirtschaftliche Bedeutung von Cremo weit über den Kanton hinausgehe und die ganze Milchwirtschaft betreffe.
An der Delegiertenversammlung waren auch der Verwaltungsratspräsident, der neue CEO und der Supply Chain Manager von Cremo anwesend, von ihnen ergriff aber niemand das Wort.
Die Marktsituation in der Schweiz und in der EU mit Milchüberschüssen habe in den letzten Monaten unweigerlich zu Preissenkungen geführt, sagte FMV-Präsident Nicolet. In der Schweiz sei C-Milch wieder in die Milchabrechnungen aufgenommen worden, und der A-Richtpreis sei per Februar 2026 von 82 auf 78 Rappen pro Kilogramm gesunken. Dieser Preis gelte bis Dezember 2026, das habe den Vorteil, dass einer Diskussion über eine weitere Senkung der Wind aus den Segeln genommen werde.
Der starke Franken, aber auch geopolitische Unsicherheiten verursacht von den USA beeinträchtigten den Absatz von Schweizer Milchprodukten, insbesondere von Käse mit hoher Wertschöpfung, fuhr Nicolet fort.Die beiden Sortenorganisationen Gruyère und Vacherin Fribourgeois schafften es aber dank ihrem Fachwissen, trotz ungünstiger Umstände Kurs zu halten. Positiv sei, dass der Schweizer Markt sehr gut funktioniere.
Die Mitglieder des FMV lieferten im letzten Jahr insgesamt 342,7 Mio. kg Milch, 4,7 % mehr als im Vorjahr. Die Milch ging in sechs verschiedene Kanäle: Käsereien (195,3 Millionen Kilogramm), Cremo (94,7 Mio. kg), Milco (16,8 Mio kg), Nestlé (14,1 Mio. kg), Elsa Group (21,7 Mio. kg). Die Elsa Group übernahm 22,7 % mehr Milch als im Vorjahr, die anderen Kanäle zwischen 2 % und 4,4 % mehr.