v.l.n.r.: Stefan Kohler, Geschäftsführer BO Milch, Ernst Arn, Matthias Wunderlin, Micaël Müller, Alexander Fontannaz, Peter Strähl und Peter Hegglin.
Quelle: Jil Schuler
Im anspruchsvollen Umfeld mit hohen Milchübermengen in der Schweiz und auch international habe sich die Milchbranche insgesamt gut behauptet, sagte Peter Hegglin, Präsident der Branchenorganisation (BO) Milch an der Delegiertenversammlung vom 29. April in Bern. Die BO Milch habe sich frühzeitig mit den verschärften Marktbedingungen auseinandergesetzt, ab Herbst 2025 regelmässige Kapazitätsmeetings durchgeführt und Massnahmen zur Markstabilisierung beschlossen: Eine Senkung des A-Richtpreises zur Sicherung von Marktanteilen, eine Freigabe von C-Milch und eine Stützung von Milchfetteexporten, Empfehlungen zur Mengenreduktion und Empfehlungen an den Handel, Schweizer Milchprodukte bevorzugt zu vermarkten. Die Überproduktion gehe nun zurück, das Preissignal wirke.
Um ähnliche Situationen in Zukunft zu vermeiden, werde man die Wirksamkeit der Reglemente und Beschlüsse überprüfen, sagte Hegglin weiter. «Wir haben bereits eine Arbeitsgruppe eingesetzt.» Der Vorstand werde an einer Klausur im Herbst eine Analyse machen und allfällige Anpassungen erarbeiten. Entsprechende Beschlüsse sollen an einer ausserordentlichen Delegiiertenversammlung im Herbst gefällt werden.
«Staatliche Eingriffe wie Mengenregulierungen, Mindestpreise oder Importverbote erachte ich nicht als nachhaltige Lösungen», betonte Hegglin. Die Politik könne die Branche aber unterstützen mit einer Erhöhung der Verkäsungszulage oder mit Direktzahlungen, welche die Milchproduktion nachhaltiger machten.
Geschäftsführer Stefan Kohler erläuterte, die Milchfettbox im Fonds Regulierung sei 2025 zum ersten Mal aktiviert worden. Im Jahr 2025 gab die BO Milch gut 5 Millionen Franken aus für die Milchfettstützung, für das Jahr 2026 sind weitere Mengen mit geplanten Kosten von rund 23 Millionen Franken freigegeben. Dies wird teilweise aus dem Fonds Rohstoffverbilligung finanziert.
Der Klimarechner, der von der BO Milch erarbeitet wurde, ist ab Mitte Jahr einsatzbereit, wie Kohler erklärte. Die Frage der finanziellen Entschädigung für die Milchproduzenten sei aber ebenso ungeklärt wie das weitere Vorgehen in der Klimaallianz mit Detailhandel, Verarbeitern und NGO. Diese hat das Ziel, klimagerechte Produktion für den ganzen Lebensmittelsektor zu messen und zu entschädigen.
In der BO Milch wurden der Walliser Milchverband und die Migros als neue Mitglieder aufgenommen. Neu in den Vorstand gewählt wurden Ernst Arn, Supply Chain Manager bei Cremo, Micaël Müller, Co-Geschäftsführer SMP, Peter Strähl, Geschäftsführer Strähl Käse AG, Matthias Wunderlin, Leiter der Migros-Industrie, Alexander Fontannaz, Milchproduzent in Bettens (VD), und René Pernet, Käsermeister in Peney-le-Jorat (VD). Verabschiedet wurden Hanspeter Egli, Andreas Hinterberger, André Wegmüller und Marc Benoit.