Die deutsche Lebensmittelverarbeitung befindet sich laut einer neuen Studie in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Besonders betroffen sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie handwerklich geprägte Betriebe. Seit 2002 ist die Zahl der Unternehmen im Sektor um 44 Prozent zurückgegangen. In Teilbranchen wie Fleischzerlegung, Mühlen und Bäckereien wurden Rückgänge von bis zu 60 Prozent verzeichnet. Gleichzeitig hat sich die wirtschaftliche Bedeutung grosser Unternehmen weiter erhöht.
Die Untersuchung beschreibt eine zunehmende Markt- und Machtkonzentration. Grossunternehmen erwirtschaften demnach 83 Prozent des Branchenumsatzes, obwohl sie lediglich drei Prozent aller Unternehmen ausmachen. In mehreren Branchen kontrollieren die grössten Anbieter bereits mehr als 70 Prozent des Umsatzes. Die Zahl der Betriebe sinkt damit kontinuierlich, während der Gesamtumsatz des Sektors steigt.
Als Ursachen nennt die Studie unter anderem hohen Preisdruck, steigende Energie-, Rohstoff- und Personalkosten, Fachkräftemangel, Probleme bei der Unternehmensnachfolge sowie regulatorische Belastungen. Gleichzeitig verfügten grosse Unternehmen über Vorteile durch Skaleneffekte, Automatisierung und höhere Innovationskapazitäten. Zudem würden Förderinstrumente und regulatorische Anforderungen häufig grössere Betriebe begünstigen.
Die Folgen reichen laut den Autoren über wirtschaftliche Aspekte hinaus. Mit dem Rückzug regionaler Verarbeitungsbetriebe gingen lokale Wertschöpfung, Ausbildungsplätze und handwerkliches Wissen verloren. Besonders ländliche Regionen seien betroffen, da dort rund 62 Prozent der verarbeitenden KMU angesiedelt seien. Die Studie warnt ausserdem vor einer geringeren Resilienz des Ernährungssystems, wenn immer weniger Unternehmen einen immer grösseren Teil der Lebensmittelproduktion kontrollieren.
Weitere Risiken sehen die Autoren in der Abhängigkeit von globalen Lieferketten, im Verlust kultureller und kulinarischer Vielfalt, in einer wachsenden Marktmacht grosser Konzerne sowie in der langsamen Dekarbonisierung der Branche. Gleichzeitig verweist die Studie auf erfolgreiche Innovationsbeispiele kleiner Betriebe. Diese könnten jedoch die strukturellen Probleme allein nicht lösen. Gefordert werden deshalb koordinierte Massnahmen von Politik, Verbänden, Unternehmen, Konsumentinnen und Konsumenten sowie der Wissenschaft, um die Vielfalt und Resilienz der Lebensmittelverarbeitung langfristig zu sichern.