Hygienische Fördertechnik für die Lebensmittelindustrie: Welches Bandsystem für welche Anwendung?
Vom Schokoladenpulver bis zum Müesli-Riegel – die Wahl des richtigen Förderbands entscheidet über Hygiene, Effizienz und Produktqualität. Eine Übersicht über die wichtigsten Bandsysteme und ihre typischen Einsatzgebiete.
Die Schweizer Lebensmittelindustrie steht unter wachsendem Druck: strengere Hygieneanforderungen, knappere Margen und immer komplexere Produktionslinien. Die Fördertechnik ist in diesem Umfeld weit mehr als der blosse Transport von A nach B – sie ist ein qualitätsentscheidender Bestandteil der Produktion. Doch nicht jedes Förderband eignet sich für jede Anwendung. Die richtige Wahl hängt von Produktbeschaffenheit, Hygienezone und den Schnittstellen zur bestehenden Anlage ab.
Muldenförderbänder für Schüttgüter
Pulver, Granulate und stückiges Schüttgut wie Schokoladenpulver, Reibkäse oder Müesli-Flocken haben eine gemeinsame Herausforderung: Sie neigen in der Bewegung dazu, seitlich vom Fördergurt zu rollen. Muldenförderbänder lösen das Problem, indem der Fördergurt gemuldet ist bzw. eine U-förmige Kontur hat und so die seitlichen Produktverluste vermeidet. Kombiniert mit einem positiven Knick, können Höhenunterschiede überwunden werden und anschliessend kann horizontal weitergefördert werden, ohne dass ein zusätzlicher Übergang entsteht. Typische Einsatzgebiete finden sich in der Schokoladenproduktion, zwischen Mischer und Vorwalzwerk, sowie zwischen Vorwalzwerk und Feinwalzwerk oder vom Feinwalzwerk zur Conche. Ein Klassiker entsteht beim Abtransport von Reibkäse zur Abfüllanlage oder bei anderen Käsemischungen.
Stahlbänder für extreme Temperaturen
Wo durch Öfen oder Froster gefördert wird, kommen klassische Polyurethan-Gurte an ihre Grenzen. Stahlbänder halten extreme Temperaturen aus und ermöglichen zusätzlich das seitliche Abschieben von Produkten über Abweiser – etwa beim Befördern von Schokoladenmasse direkt in ein darunter stehendes Feinwalzwerk oder eine Conche. Auch Linien mit Backen, Tempern oder Schockfrosten profitieren vom robusten Stahlgurt. In der Schweizer Schokoladenindustrie ist diese Bauart seit Jahren ein etablierter Quasi-Standard.
Drahtgitter- und Stabgeflechtsbänder bei Frittier- und Trocknungsprozessen
Vor und nach Fritteusen, Trocknern oder Wasserbädern sind durchlässige Bänder gefragt. Drahtgitter- und Stabgeflechtsförderer lassen heisses Öl, Wasser oder Krümel kontrolliert in die Auffangwanne ablaufen – wodurch das Produkt sauberer bleibt und sich der Reinigungsaufwand reduziert. Eingesetzt werden diese Bandtypen vor allem bei Snacks, panierten Produkten und überall dort, wo Tauch- oder Waschstationen integriert sind.
Kleinförderbänder für präzise Übergaben
In Verpackungslinien, an Kontrollwaagen oder vor Metalldetektoren sind kompakte Förderlösungen ab 25 mm Breite gefragt. Kleinförderbänder aus V2A-Edelstahl mit innenliegendem Motor erfüllen die hohen Anforderungen der Lebensmittel- und Pharmaindustrie sehr gut.
Hygiene beginnt im Engineering
Unabhängig vom Bandtyp gilt: Die Hygiene wird heute bereits in der Konstruktionsphase geplant, nicht erst nachträglich. Schnellspannvorrichtungen für die werkzeuglose Demontage, geschlossene Polyurethan-Gurtoberflächen, 45-Grad-Abkantungen am Chassis (damit der Schmutz nicht liegen bleibt) und Metallabstreifer sind keine Zusatzausstattung mehr, sondern ein eminent wichtiger Standard. Hinzu kommen zunehmend intelligente Erweiterungen, wie integrierte Metalldetektoren, Drehzahlwächter zur Erkennung von Gurtrissen und smarte Funktionen, die Stillstandszeiten in der Produktion reduzieren.
«Hygiene und Effizienz schliessen sich nicht aus – im Gegenteil. Wenn wir gemeinsam mit dem Kunden bereits in der Konstruktionsphase planen, lassen sich spätere Nachrüstungen vermeiden und die Linie läuft über Jahre stabil. Das ist unser Ansatz seit über 50 Jahren.» – Andreas Stutz, Geschäftsführer der IBAG Fördertechnik AG
Fazit: Es gibt nicht das eine «richtige» Förderband für die Lebensmittelindustrie – die Auswahl folgt der Anwendung. Idealerweise wird der Hersteller schon in der Vorprojektphase einbezogen, denn die Schnittstellen zu bestehenden Anlagen entscheiden oft über den wichtigen Gesamterfolg. Schweizer Spezialisten wie die IBAG Fördertechnik AG entwickeln seit über 50 Jahren Förderbänder und Systeme für die Lebensmittelindustrie in enger Zusammenarbeit mit Lebensmittelherstellern und Pharmabetrieben – und können auf Basis einer Vielzahl von Erfahrungen bereits in der Planungsphase die passende Band- und Lösungskombination anbieten.
Über die IBAG Fördertechnik AG
Seit 1972 entwickelt, konstruiert und fertigt die IBAG Fördertechnik AG in Höri (ZH) hochwertige Förderanlagen für Stück- und Schüttgüter – von offenen Lebensmitteln bis zur verpackten Ware. Konstruktion, Fertigung und Montage finden zum überwiegenden Teil im eigenen Werk statt. Diese Wertschöpfungstiefe erlaubt kurze Lieferzeiten, eine konstant hohe Qualität und einen persönlichen Service über die gesamte Lebensdauer einer Anlage.
Referenzen aus der Schweizer und internationalen Lebensmittel- und Pharmaindustrie
In über fünf Jahrzehnten hat IBAG Förderlösungen für eine Vielzahl führender Schweizer und internationaler Lebensmittel- und Pharmaproduzenten realisiert. Zu den Kunden zählen unter anderem Nestlé, Lindt & Sprüngli, Migros, Coop, Emmi, Barry Callebaut, Greiner Bio-One, Feldschlösschen, Chocolat Frey, A. Vogel, Max Zeller, Bischofberger und Bschüssig Teigwaren – vom global tätigen Konzern bis zum spezialisierten Schweizer Familienunternehmen.
Wie technologisch anspruchsvoll Industrieprojekte sind, zeigen ein paar Highlights aus der jüngeren Anlagenhistorie: 2024 fertigte IBAG das erste Stahlband mit 600 mm Bandbreite für eine börsenkotierte Schokoladengruppe. Eine Komplettanlage mit dem 33 Meter langen Muldenförderband samt integrierten Bandwaagen zur kontinuierlichen Förderleistungsmessung wurde erfolgreich umgesetzt, wie auch 2021, als eine neue Schokoladenproduktionshalle in Kreuzlingen Muldenleichtförderbänder zusammen mit dem IBAG-Team aufbaute.
International ist die IBAG laufend im Herzen der Produktionen mittendrin – mit Anlagen für die Fleischersatz-Industrie in China und Malaysia, Förderlösungen in der Bouillon-Würfel-Produktion in der Slowakei und einem 300 Meter langen Kettenförderer für einen Lebensmittel-Grosskonzern in Nigeria. Möglich macht das die Bündelung von Engineering, Konstruktion und Fertigung unter einem Dach in Höri (ZH) – mit kurzen Entscheidungswegen und einer spezialisierten Anlagenhistorie über Jahrzehnte.