Gaydoul kritisiert Denner-Strategie
Der Discounter Denner kämpft mit schwachem Wachstum und sinkendem Betriebsgewinn. Ex-Inhaber Philippe Gaydoul kritisiert fehlende Investitionen und die Sortimentspolitik. Er zweifelt inzwischen am Verkauf an die Migros.
Die Zukunft von Denner sorgt in der Schweizer Detailhandelsbranche für Diskussionen. Auslöser sind die zuletzt schwächere Geschäftsentwicklung des Discounters sowie strategische Fragen innerhalb der Migros-Gruppe. Philippe Gaydoul, der frühere Inhaber und CEO von Denner, äussert nun erstmals öffentlich Zweifel daran, ob der Verkauf des Unternehmens an die Migros im Jahr 2007 richtig war. «Jahrelang zweifelte ich nicht daran, dass der Verkauf richtig war, da ich Denner allein gegen Aldi und Lidl für chancenlos hielt», sagt Gaydoul in der «NZZ am Sonntag». «Mittlerweile sehe ich das anders.»
Gaydoul kritisiert insbesondere den Zustand vieler Filialen sowie die Entwicklung des Sortiments. Nach seiner Einschätzung wurde über Jahre zu wenig in Läden und Technologien investiert. Zudem sei die Zahl der Artikel stark gewachsen. Während zu seiner Zeit eine Obergrenze von 1800 Produkten gegolten habe, sprach Denner Anfang 2026 von rund 3700 Artikeln. Für einen Discounter sei ein schlankes Sortiment jedoch zentral, da zusätzliche Produkte die Logistik- und Personalkosten erhöhten.
Unterstützung erhält Gaydoul von Detailhandelsexperte Marcel Stoffel, der das Erscheinungsbild von Denner als unzeitgemäss bezeichnet. Auch Jörg Staudacher vom Schweizerischen Institut für Vertrieb und Handel stellt die strategische Rolle von Denner innerhalb der Migros infrage. «Seit die Migros auf eine Tiefpreisstrategie setzt, ist für Denner eigentlich kein Platz mehr, zumal Aldi und Lidl weitaus besser aufgestellt sind.»
Migros und Denner weisen die Kritik zurück. Laut Unternehmenssprecher Thomas Kaderli wurde das Filialnetz seit 2011 in mehreren Wellen modernisiert. In den vergangenen acht Jahren seien mehr als 400 Millionen Franken in Ladenumbauten, IT und Verteilzentren investiert worden. Zudem sei Denner weiterhin klar als Nahversorger zu Discountpreisen positioniert.