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Käsehändler tritt aus Sortenorganisation aus

Lustenberger & Dürst ist aus der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland ausgetreten. Unterschiedliche Auffassungen zur Strategie, Konkurrenzdruck in der Affinage, aber auch die Vermarktung von Emmentaler ausserhalb der Sorte sind Gründe dafür.

Emmentaler von Lustenberger & Dürst.

Quelle: zVg l&d

Der Austritt der traditionsreichen Käsehandelsfirma Lustenberger & Dürst (L&D) erfolgte per 1. Mai 2026. Vom Emmentaler AOP verabschiedet sich das Unternehmen jedoch nicht. Der Emmentaler AOP sei ein bedeutendes Kulturgut der Schweiz und werde für das Unternehmen auch künftig eine wichtige Rolle spielen, erklärte Simon Gander, Verwaltungsratspräsident von L&D, gegenüber dem «Schweizer Bauer». Man werde sich weiterhin für die Vermarktung des Käses im In- und Ausland engagieren.
Als Grund für den Austritt nennt Gander unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung der Sortenorganisation. Das Unternehmen habe sich über Jahren für eine stärkere Positionierung des Emmentaler AOP eingesetzt. Dazu gehörten aus seiner Sicht eine konsequente Selektion der Produkte sowie eine stärkere Gewichtung von Affinage und Reifekompetenz als Teil der Markenstrategie. Mehrere entsprechende Ansätze hätten sich innerhalb der Sortenorganisation jedoch nicht durchsetzen lassen. In der Branche wird der Austritt auch vor dem Hintergrund struktureller Veränderungen gesehen. Zunehmend übernehmen Käsereien neben der Produktion auch die Affinage und Vermarktung ihrer Produkte selbst, was Konkurrenz gegenüber den lange etablierten Händlern, wie L&D, schaffft. Lustenberger & Dürst gehört zu den ältesten Schweizer Käsehandelshäusern. Das Unternehmen affiniert und vermarktet Käse seit 1862.
Fine-Cheese-Konstrukt ist das Problem
Nach Insider-Informationen spielt jedoch noch ein weiterer Aspekt eine Rolle. Demnach bezieht Lustenberger & Dürst auch Emmentaler aus der Käserei Bazenheid, die vor einigen Jahren aus der Sortenorganisation ausgetreten ist. Der dort ohne AOP-Marke produzierte Emmentaler wird über die Fine Cheese Company GmbH in den Kellern von L&D affiniert und hauptsächlich an Aldi verkauft. Insider sehen darin ein Geschäftsmodell ausserhalb der Strukturen von Emmentaler Switzerland und die Bestimmungen werden damit umgangen. Die Sortenorganisation hat ihre Bestimmungen im Jahr 2025 jedoch verschärft. Lustenberger & Dürst darf laut Urs Schluechter, Direktor der Sortenorganisation, weiterhin Emmentaler AOP mit der Strahlenmarke auf dem freien Markt einkaufen. Doch L&D muss diesen über einen Händler beziehen der Mitglied der Sortenorganisation ist und nicht direkt aus einer Mitglied-Käserei. «Entweder ist man Mitglied oder nicht», so Schluechter. «Es ist kein Wunschkonzert».

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