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Etwas Uräniges tun, das bleibt

Frühmorgens treffen wir uns im Rixheimer Zimmer im zweiten Stock des Rathauses. Rund zehn Personen sitzen um den grossen Tisch. Wir starten mit dem Auszählen der brieflich eingegangenen Stimmcouverts.

Frühmorgens treffen wir uns im Rixheimer Zimmer im zweiten Stock des Rathauses. Rund zehn Personen sitzen um den grossen Tisch. Wir starten mit dem Auszählen der brieflich eingegangenen Stimmcouverts. Als wir die plombierten Urnen öffnen, spüre ich Ehrfurcht. Hier liegen Tausende von Stimmen. Jede Einzelne steht für einen Menschen, der sich Zeit genommen hat, Verantwortung zu übernehmen und seine Stimme abzugeben. Auch das ist in der Schweiz – zumindest für die Männer – eine «uränige» Tätigkeit seit der Gründung des Bundesstaates 1848.
Kaum öffnen wir die ersten Couverts, fliegen die Hände über den Tisch. Stimmrechtsausweise hierhin, Stimmzettel dorthin, sauber getrennt nach den Vorlagen. Langsam finde ich den Rhythmus. Viel gesprochen wird nicht. Jeder kennt seine Aufgabe. Zwischendurch fällt ein kurzer Satz, ein trockener Witz oder ein Hinweis. Dann kehrt wieder konzentrierte Ruhe ein.
Um neun Uhr öffnen wir im Erdgeschoss des Rathauses die Urnen ein letztes Mal für eine Stunde. Noch immer kommen Menschen vorbei und werfen ihren Stimmzettel ein. Die Atmosphäre erinnert mich an eine Kirche – nicht wegen der Religion, sondern wegen der Würde des Augenblicks. Hier wird die «uränige» Demokratie nicht diskutiert. Hier wird sie gelebt.
Oben im Wahlbüro sortieren fleissige Hände die Stimmzettel nach Ja und Nein und zählen die Bündel mehrfach mit der Maschine aus. Es muss bis auf die letzte Stimme korrekt sein. Wie wichtig das ist, erkennen wir beim Resultat einer Abstimmung, die wegen einer Stimme entschieden wird. Mit Bedauern denke ich an den ungültigen Wahlzettel, der mir beim Auszählen aufgefallen ist.
Als ich das Wahlbüro verlasse, nehme ich mehr mit als die Müdigkeit nach getaner Arbeit. Ich nehme grossen Respekt mit. Vor unserer direkten Demokratie, die von tausenden Bürgerinnen und Bürgern lebt. Vor den Menschen im Hintergrund, die mit grösster Sorgfalt dafür sorgen, dass jede Stimme gezählt wird. Und vor dem «Uränigen», das wir über Jahrhunderte weitergeben.

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