Auch die Schweizer Kirschenernte dürfte dieses Jahr kleiner ausfallen.
Quelle: Symbolbild Joanna Kosinska/Unsplash
Der Schweizerische Bauernverband (SBV) geht für 2026 von Ernteausfällen in Höhe von 522 Millionen Franken aus. «Das entspricht in etwa den Verlusten des Jahres 2003, in dem es ebenfalls eine Rekordhitzewelle gab», sagte eine Sprecherin des SBV im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.
Schlechte Ernten
Bei der Körnermaisernte ging laut SBV-Schätzungen etwa die Hälfte verloren und bei Futterpflanzen wie Heu 40 Prozent. Beim Futtermais dürften sich die Ernteverluste auf 30 Prozent belaufen, bei Kartoffeln und Zuckerrüben auf je 20 Prozent, bei Soja und Sonnenblumen auf 10 Prozent und beim Frischgemüse auf 5 Prozent.
Mit 330'000 Tonnen Kartoffeln sei die Ernte in diesem Jahr auf ein historisches Tief gefallen, lässt der Branchenverband Swisspatat auf Anfrage verlauten. In den Jahren 2020 bis 2025 wurden im Durchschnitt 411'000 Tonnen geerntet. Die diesjährige Ernte liegt rund ein Fünftel tiefer.
Im Gesamtjahr rechnet Swisspatat in der Schweiz mit einer Verknappung des Kartoffelangebots um rund 130'000 Tonnen. Dieses Defizit müsse durch Importe gedeckt werden, hiess es. Bei den Zuckerrüben geht der entsprechende Branchenverband von Ernteverlusten in Höhe von 25'000 Tonnen aus.
Auch im Früchteanbau hat die Hitze Spuren hinterlassen. Der Schweizer Obstverband geht von einer Kirschenernte aus, welche die Erwartungen um rund 15 Prozent verfehlen dürfte. «Zudem rechnen wir mit einer schlechteren Pflaumenernte, auch weil viele Pflaumen in diesem Jahr kleiner als üblich sein werden», sagt Chantale Meyer, Leiterin Marketing und Kommunikation bei Swissfruit. Das Gleiche gelte für Himbeeren.
Verluste sind auch in den kommenden Wochen zu erwarten, etwa bei Gemüsesorten, die erst im Herbst geerntet werden. «Bei diesen Ernten ist mit kleineren Stückgrössen und geringeren Mengen zu rechnen», sagt Markus Waber, Leiter Kommunikation und Marketing beim Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP).
Preisanstiege erwartet
Um überhaupt ernten zu können, mussten die Landwirte während des Hitzesommers vielerorts in ihren Kulturen zusätzliche Anstrengungen in der Bewässerung vornehmen. Das wiederum liess die Produktionskosten in die Höhe steigen. Und diese Belastung soll nicht nur über Trockenheitszuschläge, sondern auch mit der Erhöhung der Preise aufgefangen werden.
Laut dem SBV haben in der Milch- und Kartoffelbranche bereits Preisverhandlungen stattgefunden. So hat die Branchenorganisation Milch (BOM) auch bereits beschlossen, den Richtpreis für Milch um vier Rappen je Kilogramm anzuheben.
Zudem beabsichtigt die Branche, beim Bund eine zusätzliche Unterstützung in Höhe von vier Rappen zu beantragen, da sich die Milchwirtschaft in einer aussergewöhnlichen Lage befindet.
Was die Kartoffeln betrifft, führten die Verhandlungen zwischen den Produzenten und dem Grosshandel zu einer Erhöhung der Preise um zwei Rappen je Kilogramm. «Das reicht eindeutig nicht aus, um die wirtschaftlichen Folgen der Trockenheit abzufedern», sagt SBV-Direktor Martin Rufer. Gefordert hatten die Landwirte eine Erhöhung um 7 Rappen für konventionelle Kartoffeln und um 13 Rappen für Bio-Kartoffeln.