Eine Mehrheit der Stimmberechtigten fordert zwar eine staatliche Regulierung von Zucker - nur eine Minderheit befürwortet aber eine Zuckersteuer.
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In Deutschland soll am 1. Juli 2027 eine Steuer auf gezuckerte Getränke in Kraft treten. Und in der Schweiz? «Ich rechne nicht mit einer Zuckersteuer», sagte Marcel Kreber, Direktor des Verbandes Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten (SMS), am Mittwoch an einer Medienkonferenz. Anlass für seine Zuversicht ist der neue Monitor «Ernährung und Bewegung», den das Forschungsinstitut gfs Bern im Auftrag des Verbandes zum 13. Mal erhoben hat und am Mittwoch vorstellte. Eine Zuckersteuer sei während der ganzen Erhebung noch nie mehrheitsfähig gewesen, sagte Kreber. Aktuell befürworten nur 30 Prozent der befragten Stimmberechtigten eine Steuer auf zucker-, salz- oder fetthaltigen Lebensmittel.
Klare Befürwortung für Werbeverbot
Allerdings sehen die Stimmberechtigten Zucker zunehmend kritisch. 71 Prozent finden, Zucker sei gesundheitsschädlich und müsse deshalb vom Staat eingeschränkt werden. Und 82 Prozent befürworten ein Werbeverbot für zucker-, salz- und fetthaltige Nahrungsmittel, die sich an Kinder richten. Der Bund will ein solches Verbot einführen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV hat zusammen mit Schweizer Herstellern diesen Sommer eine Vereinbarung zur freiwilligen Selbstregulierung erarbeitet (
foodaktuell berichtete).
Deutlich mehr Zustimmung als eine Zuckersteuer erhält eine Lenkungsabgabe auf Zucker, die zur Aufklärung der Bevölkerung in Ernährungsfragen dienen soll. Fast jeder zweite (45 %) der rund 1000 befragten Stimmberechtigten kann sich eine solche staatliche Massnahme vorstellen.
Interessiert, aber überfordert
Ein auffälliges Resultat der Befragung: Zwar interessieren sich 89 Prozent der Befragten für Ernährung und Bewegung - ein Rekordwert. Gleichzeitig ist die gefühlte Informiertheit zu diesen Themen so niedrig wie noch nie - nur 68 Prozent fühlen sich gut informiert. Das deutet laut den Studienautoren darauf hin, dass die zunehmende Informationsvielfalt und die Vielzahl teils widersprüchlicher Empfehlungen die Orientierung erschweren. «Über die Hälfte der Befragten findet es schwierig, falsche Informationen von wissenschaftlichen Fakten zu unterscheiden», brachte es Projektleiterin Sophie Schäfer vom gfs auf den Punkt.
Akzeptanz von Abnehmmedikamenten
28 Prozent der Stimmberechtigten möchten laut der Studie Gewicht abnehmen. Der Einsatz von Abnehmmedikamenten ist umstritten. 41 Prozent sehen diese kritisch, 36 Prozent positiv. Eine grosse Mehrheit befürwortet den Einsatz von Abnehmmedikamenten aus gesundheitlichen Gründen (90 Prozent) oder wenn andere Methoden nicht funktionieren (78 Prozent). Skepsis besteht hingegen beim Einsatz von Abnehmmedikamenten aus rein ästhetischen Gründen, was nur 22 Prozent befürworten. 90 Prozent der Stimmberechtigten sind zudem der Meinung, dass Abnehmen in erster Linie durch Ernährung und Bewegung gelingen sollte und nicht durch Medikamente.
Eine weitere Erkenntnis der Studie: Im Spannungsfeld zwischen Eigenverantwortung und staatlicher Intervention setzt die Bevölkerung weiterhin mehrheitlich auf Eigenverantwortung. Gleichzeitig nehme die Offenheit für staatliches Engagement tendenziell zu, wobei Prävention und Aufklärung stärker unterstützt würden als Steuern oder Verbote, sagte gfs-Co-Leiter Lukas Golder. Dabei tut sich auch ein Röschtigraben auf: Die Deutschschweiz setzt stärker auf Eigenverantwortung und ist kritischer gegenüber Verboten oder Steuern. Die Romandie und die italienischsprachige Schweiz hingegen sind offener für staatliche Lenkung.