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Frische Konkurrenz für Migros-AdR

Am Bodensee wirbt ein neuer Online-Shop mit dem Namen «Foodo» für Frisches. Bisher liefert er nur im Kreis Konstanz. Der Schweizer Markteintritt ist erklärtes Ziel - mit regionalen Produkten.

von Madeleine Staeheli Toualbia

Mit einem breiten Angebot an Lebensmittelm will der Onlinehändler Foodo auch schon bald in die Schweiz liefern. (Bild: zVg)
Foodo hat vorerst in Konstanz ein Lager.
Der Retail Outlook 2015 der Credit Suisse prophezeit im E-Commerce eine Verdoppelung des Online-Prozent-Anteils im Lebensmittelhandel.
Hauke Hansen (Zweiter von rechts) mit seinem Team.

Foodo ist ein Online-Shop, der eine Haustürlieferung in fünf Stunden verspricht, vorerst nur im Kreis Konstanz in Deutschland. Der bio-zertifizierte Start-up Foodo liess den Firmensitz 2015 in Kreuzlingen auf der Schweizer Seite eintragen, bietet 200 bis 300 Produkte  und wirbt mit Nachhaltigkeit, weil ein Drittel der Produkte aus der Region stammt. Und Foodo hat noch grössere Pläne. «Foodo ist der regionale Online-Supermarkt vom Bodensee für den Bodensee. Wir möchten unseren Service gerne auf Auslieferungen in der Schweiz und Österreich ausweiten», erklärt Mitgründer und Verwaltungsratspräsident Hauke Hansen. Zusätzlich zum bestehenden Lager im Konstanzer Industriegebiet sei deshalb vorgesehen, weitere Lager in der Schweiz und in Österreich einzurichten und Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen.
Vor dem Lager in Konstanz leuchten die Firmenfahrzeuge im gleichen Hellgrün wie die Liefertaschen des Online-Frischedienstes Amazon Fresh, der in Italien gestartet ist. Hier können Kunden aus der Schweiz bisher ihre Bestellungen abholen. Ein Termin für den Lieferbeginn in die Schweiz steht laut Hauke Hansen noch nicht. Foodo verankert die Wachstumsstrategie auch werbetechnisch. Das Start-up ist Mitglied von «Gutes vom See», einem Verein mit Sitz in Konstanz, dem mehrere regionale Händler angehören. Darunter ist auch einer aus der Schweiz.

Hürde am Zoll

Durch das Abholangebot in Konstanz kann die Foodo AG die Einfuhrbeschränkungen und Zolltarife umgehen, die saisonal gelten, wenn beispielsweise in der Schweiz produziertes Gemüse auf dem Schweizer Markt erhältlich ist. Für Kopfsalat gilt, ausser in den Wintermonaten, die Bewirtschaftungsperiode, während der Zölle fällig werden, das ganze Jahr. Zurzeit bietet Foodo regionale Frischeprodukte aus dem süddeutschen Raum, auch von der Gemüseinsel Reichenau. Diese wirbt mit demselben Slogan wirbt wie Migros, aber in Hellgrün: «Aus der Region, für die Region». «Obst und Gemüse kaufen wir zu 80 bis 90 Prozent, Fleisch und Wurst zu 100 Prozent bei regionalen Lieferanten», erklärt Hauke Hansen. Das regionale Frischeangebot soll auch für Schweizer Produkte gelten: «Wir wollen Produkte in der Schweiz einkaufen.» Bereits jetzt bezieht Foodo über den Grosshändler Fruchthof in Konstanz nach Angaben von Fruchthof-Geschäftsführer Jürgen Riedlinger frisches Obst und Gemüse aus dem Tägermoos, einem Gebiet auf Schweizer Territorium bei Konstanz.
«Günstige Einkaufskonditionen wollen wir an unsere Kunden weitergeben. Bei in der Schweiz bezogenen Artikeln wird das deutsche Preisniveau in der Regel für uns nicht erreichbar sein», sagt Hauke Hansen. Ein Trumpf ist Foodo für die Schweizer Kunden in Bezug auf die lieferbaren Angebote aus Deutschland.
Laut einer Erhebung des Marktforschungsinstituts GfK gaben Einkaufstouristen 2015 mit total 2,41 Milliarden Franken am meisten Geld für Lebensmittel aus, zwar im stationären Handel, doch prognostiziert der Retail Outlook 2015 der Credit Suisse zum E-Commerce eine Verdoppelung des Online-Prozent-Anteils im Lebensmittelhandel mit rund einer Milliarde Franken Umsatz von 1,6 auf 3,5 Prozent bis 2020.

Migros Ostschweiz: Keine Angst

Bei der Migros Genossenschaft Ostschweiz fürchtet man die Konkurrenz aus Konstanz nicht, auch wenn LeShop die Bestellungen, die bis 24 Uhr eingehen, frühestens am nächsten Tag ausliefert. Der Sprecher Andreas Bühler verweist  auf die Grösse ihres Programms «Aus der Region, für die Region» (AdR). «Wir bieten unseren Kundinnen und Kunden über 1500 Produkte aus regionaler Herkunft an und konnten in den letzten Jahren unser regionalen Sortimente und unsere Absätze von regionalen Produkten laufend ausbauen. Im vergangenen Jahr haben wir 220 Millionen Franken mit regionalen Produkten umgesetzt», sagt Bühler, das sei ein Wachstum von fünf Prozent. Dass auch Mitbewerber auf regionale Produkte setzten, sei angesichts der AdR-Erfolgsgeschichte naheliegend. «Wir bieten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis», gibt sich Bühler überzeugt. Coop hat mit der Marke «Miini Region» 2014 an die Erfolge von Migros angeknüpft und erzielte 2015 einen Gesamterlös von 140 Millionen Franken. Auch bei Foodo steigt der Absatz. «Der Umsatz entwickelt sich recht erfreulich», gibt Hauke Hansen an. «Seit Beginn unserer Auslieferungen hat sich die Anzahl an Bestellungen mehr als verdreifacht.»

Online mit Potenzial

Einen mit Foodo vergleichbaren Frische-Online-Shop gibt es in der Grossregion Bodensee bisher nicht, wenn man von den Online-Angeboten der Lebensmitteleinzelhändler, in der Schweiz von LeShop und dem Internet-Supermarkt Coop@home, und der «Reichenauer Gemüsekiste» absieht. Für Gemüse-Experte Peter Konrad, ehemals Leiter der Fachstelle für Gemüse- und Beerenbau am Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg in Salenstein, hat Foodo in der Schweiz Zukunft: «Das Potenzial für einen weiteren Online-Shop mit regionalen Frischeprodukten ist gegeben.»
redaktion@alimentaonline.ch