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«Die Anforderungen werden massiv steigen»

Valentin Wepfer, verantwortlich für die Entwicklung von Prozessmodellen und Beratung bei GS1 Schweiz und stellvertretender CEO, über die zunehmende Bedeutung des Category Managements und einer konsequenten Neuausrichtung des Lehrangebots.

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«Der Lehrgang Category Management wurde an die aktuelle Marktsituation angepasst.» Valentin Wepfer von GS 1. (Bild: zvg)

GS1: Herr Wepfer, mal unter uns: Sind Sie Impulskäufer oder kommt bei Ihnen nur das in den Korb, was auch auf dem Einkaufszettel steht?
Valentin Wepfer: Hmm, gute Frage (lacht). Ich denke sowohl als auch. Wenn wir samstags den Wocheneinkauf machen, starten wir auf dem Markt und lassen uns dort vom aktuellen Angebot inspirieren. Da kommt in den Korb, worauf wir spontan Lust haben. Was wir dort nicht finden, holen wir dann beim Grossverteiler. Spontankäufe zu stimulieren und Kundenbedürfnisse vorauszuahnen gehört ja zu den Kernaufgaben des Category Managements. Eine kluge Zusammenstellung von Warengruppen soll dem Kunden den Einkauf erleichtern.

Inwieweit ist Category Management ein Thema für GS1 Schweiz?
Man könnte sagen, das ist Teil unserer DNA. Neben der Umsetzung und Anwendung von GS1 Standards befassen wir uns intensiv mit Logistik und Efficient Consumer Response-Konzepten (ECR). Nachfrageprozesse wie das Category Management sind ein wichtiger Bestandteil dieser Konzepte.

Was sind die zentralen Elemente des Category Managements?
Es geht vor allem darum, das Handeln des Kunden zu verstehen. Wie informiert er sich, wie kommuniziert er und was kauft er schlussendlich wo ein? Category Management ist ein kollaborativer Ansatz, bei dem Hersteller und Händler ihr Wissen mit einbringen. Das Ziel ist es, den Kunden zu verstehen, um seine Bedürfnisse besser bedienen zu können.

Das Kaufverhalten hat sich mit dem Internet grundlegend verändert. Kunden gehen immer häufiger nur «virtuell» in einen Shop und bestellen das gewünschte Produkt dann online. Hat das auch Auswirkungen auf die Arbeit des Category Managers?
Ja, auf jeden Fall. Kunden stehen heutzutage über verschiedene physische und digitale Kanäle mit einem Unternehmen in Kontakt und wechseln diese, wie es ihnen beliebt. Ergebnisse einer unserer Arbeitsgruppen mit Fokus auf Omni-Channel Retailing haben gezeigt, dass der Category Management Ansatz auch online nach wie vor seine Berechtigung hat, aber um neue Elemente erweitert werden muss. Ein wichtiger Punkt ist die sogenannte Shopper Journey, also die «Stationen», die ein Kunde durchläuft, bevor er sich für den Kauf eines Produktes entscheidet. Diese gilt es zu erkennen und zu antizipieren. Die Erkenntnisse der Arbeitsgruppe haben auch dazu geführt, dass wir unseren Category Manager Lehrgang neu ausgerichtet und erweitert haben.

Wird Omni-Channel Retailing im neuen Lehrgang berücksichtigt?
Absolut! Der Lehrgang wurde an die aktuelle Marktsituation angepasst. Der Aufbau orientiert sich immer noch am klassischen 8-Schritte-Prozess des Category Managements, aber sowohl Schulungsmaterial, Übungen sowie auch Lehrmethode wurden um Omni-Channel Aspekte ergänzt. Ab April starten wir mit dem neuen Programm.

Bisher hat das Schweizerische Institut für Unternehmensschulung den Lehrgang durchgeführt.
Dem ist jetzt nicht mehr so. Wir haben unsere Kompetenzen gezielt verstärkt, um den Lehrgang zu uns zurückzuholen und so unser Angebot zu erweitern. Unsere Expertise in diesem Bereich macht uns zum richtigen Ansprechpartner.

Der Category Management Prozess stammt ursprünglich aus dem Konsumgüterbereich. Zielt der Lehrgang auf bestimmte Branchen ab?
Sein Ursprung liegt in der Lebensmittelbranche. Aber auf die effektiven Instrumente des Category Managements verzichtet heute kaum ein Händler mehr. Unsere Lehrgangsteilnehmer kommen aus der klassischen Industrie, dem Werkzeughandel, der Bauwirtschaft und dem Gesundheitswesen.

Wie geht GS1 Schweiz auf die dynamischen Veränderungen und Entwicklungen im Bereich Category Management ein?
Indem wir am Ball bleiben, uns mit externen Partnern austauschen und das Thema in Zusammenarbeit mit Industrie und Handel stetig weiterentwickeln.

Was sind die nächsten Schritte bei GS1 Schweiz in Bezug auf das Category Management?
Uns ist wichtig, die Bedeutung des Category Managements hervorzuheben. Der Lehrgang soll universitär auf CAS-Stufe (Certificate of Advanced Studies) anerkannt werden. Durch die Zunahme des Onlinehandels werden auch die Anforderungen an Category Manager massiv steigen. Hier lohnt es sich für Unternehmen in die Aus- und Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter zu investieren um Potenziale optimal auszuschöpfen.

Mehr Informationen zum Category Management-Lehrgang finden Sie unter www.gs1.ch/cm.