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Gautschi: Saucenproduktion blitzblank

Mehr Platz und mehr Licht. Diese beiden Faktoren sind zentral für eine hygienische Lebensmittelproduktion. Während des zweijährigen Neubaus wurde die Produktion bei der Gautschi AG an keinem Tag gestoppt.

von Hans Peter Schneider

Optimals Arbeiten an den neuen Maschinen.
Interessierte Besucher.
Verschiedene Vepackungsarten werden im Werk abgefüllt.
Auch in Kessel wird für die Gastronomie vepackt.
Das neue Werk von aussen.
Café de Paris.

Er erinnere sich gut, sagt Ueli Schwaller, der Firmenchef des Suppen- und Saucenherstellers Gautschi. Eng und dunkel sei es gewesen in den alten Produktionsräumlichkeiten der Firma. Wie Licht und Platz geschaffen werden könne, sei ja schon lange klar gewesen – nur mit einem Neubau. Die erste Planungssitzung, wie dieser aussehen könnte, habe vor genau sechs Jahren stattgefunden, sagte Schwaller an der offiziellen Eröffnung des Neubaus im Industriequartier im bernischen Utzenstorf. Trotz aller Planung; jetzt seien dennoch nur ungefähr 50 Prozent der ursprünglichen Pläne verwirklicht worden. «Das andere haben wir über Bord geworfen», so Schwaller. Nicht etwa, weil grundsätzlich falsch geplant worden wäre, sondern weil die Firma stark gewachsen sei. So habe der Umsatzzuwachs in den letzten Jahren ungefähr 70 Prozent betragen, so der Firmenchef. Somit mussten die Bauten den neuen wirtschaftlichen Gegebenheiten angepasst werden.

Drohende überbordende Kosten

Es war ein beschwerlicher Weg zum perfekten Bau. «Die Gefühle bewegten sich zwischen himmelhochjauchzend und den unweigerlich darauffolgenden Dämpfern», sagte Schwaller. Nach einem Jahr Planung sei die Firma zum Schluss gekommen, dass ein externer Architekt beigezogen werden müsse. Dieser wurde mit René Bigler von ZSB auch gefunden. Später musste die Bauleitung erkennen, dass die Kosten aus dem Ruder zu laufen drohten, man lag mit einer Million über dem Budget, so Schwaller. Es gab einen Projektstopp, das Unterfangen wurde neu verhandelt, bis die Kostenschätzungen wieder auf Kurs lagen. Im Januar 2015 grub sich dann die erste Baggerschaufel in den Boden und am 26. Juni 15 konnte schon das Rohbaufest organisiert werden. Danach sei es nicht etwa langweilig geworden, wie Schwaller sagte. Es drängten weitere Fragen: «Wo kommt die Kantine, wie gross wird sie, wo werden diese Leitungen verlegt, wo kommt dieses und das andere «Brünnli zu stehen, undsoweiter.» Trotz aller Schwierigkeiten und Hektik wurde entschieden, während der Bauphase im Frühling 2016 die Produktion, die nie stillstand, auf IFS zertifizieren zu lassen. «Die Inspektoren staunten», so Schwaller. Und: «Wir kamen durch.» Den Gruppenchef erstaunte dies nicht. Schliesslich sei nicht zuletzt die Hygiene auch ein Verkaufsargument von Gautschi, sagte Emmanuel Marti, CEO der Haco-Gruppe.
Auch beim letzten Besuch der Auditoren von Ende April 2017, kurz nach Abschluss der Bauarbeiten, schloss die Firma das IFS-Audit mit einer Höchstnote von 95 Punkten ab. «Hygiene wird tagtäglich gelebt», sagte der Verkaufsleiter André Gutmann. Einen «sauberen» Eindruck erhält auch der Besucher beim Durchschreiten der hellen, lichtdurchfluteten Räume. Alles ist blitzblank, glänzt und ist ohne Firlefanz ausgestattet. So sei das Arbeiten komplett anders, richtig angenehm, sagte Gutmann. Emmanuel Marti ergänzte: «An den offenen Räumen sieht man die Handschrift von Gautschi». Man sei zielorientiert und mit einer hohen Professionalität an die Umsetzung der Vorschriften und Auflagen der Lebensmittelindustrie herangegangen, so Marti.

Verdoppelte Betriebsfläche

Das alte Gautschi-Gebäude wurde komplett ausgehöhlt, saniert und in ein Verpackungsmateriallager sowie einen neuen Sozialtrakt für das Personal umgebaut. Auch die bestehende Abfüllerei wurde komplett saniert, angepasst und vor allem vergrössert. In der Konfektion wurden zwei bestehende Kühlräume stillgelegt und durch einen an das bestehende Gebäude angebauten neuen Kühlraum mit rund 360 Palettenplätzen ersetzt. Das eigentliche Herzstück bildet aber die neue Produktionshalle. Dort wurde eine hängende begehbare Decke eingebaut, in welcher sämtliche Versorgungsleitungen geführt werden können. So können Staubansammlungen in diesem hygienisch heiklen Bereich verhindert werden und Wartungen während der Produktion durchgeführt werden. Durch diese Leitungen werden die Rohstoffe, wie Raps- oder Sonnenblumenöl von den grossen Tanks in die Produktionsmaschinen gegeben. Die gesamte Betriebsfläche des 10 Mio. Franken teuren Baus, wurde auf fast 6500 Quadratmeter verdoppelt.

Komplexe Geschäfte

Zwei Dinge seien nicht etwa selbstverständlich, sagte Marti. Erstens die permanente Produktion während der ganzen Bauphase und zweitens die Komplexität des Gautschi-Geschäftes. Denn Gautschi verarbeitet über 400 verschiedenen Rohstoffe nach rund 350 verschiedenen Rezepturen, insgesamt werden 450 Verkaufsartikel hergestellt. Jährlich stellt die Utzenstorfer Firma mit rund 70 Mitarbeitern ungefähr 4000 Tonnen Nahrungsmittel her. Die Spezialität von Gautschi sei, dass ganz unterschiedliche Produkte von Basisprodukten, Warmsaucen, Kaltemulsionen über butterhaltige Produkte bis sogar zu Getränken auf sieben Maschinen hergestellt werden können. Diese werden von vier Abfüllmaschinen in jährlich ungefähr 22 Millionen Verpackungseinheiten aus Materialien wie Glas, Aluminium, Pet, HDPE, oder PVC abgefüllt. Die Lebensmittel werden in Gebinde jeder Grösse abgefüllt. In Kleinbeutel oder Schlauchbeutel von 20 Gramm bis zu 2 Kilogramm Gewicht, in Tuben von 90 bis 265 Gramm, in Gläser 90 bis 800 Gramm, in Flaschen 60 ml bis 2 Liter oder in Eimer von 2 bis 10 Kilo. Und schnell läuft die Abfüllung. So können zum Beispiel 3000 Schlauchbeutel pro Stunde abgefüllt werden.

Kleine Chargengrössen möglich

Sechs Maschinen wurden vom alten Betrieb gezügelt: Drei Flaschenabfüller, Tuben- und Beutelmaschinen. Dabei kann die kleinste Chargengrösse 180 Kilogramm bei jeder Produktekategorie betragen. Bei Suppe liegt sie bei 440 Kilogramm. «Es ist unser USP im Branchenvergleich, schon kleine Mengen spezifisch produzieren zu können», sagt Gutmann.
Eine Kernkompetenz von Gautschi sei auch, dass alles aus einer Hand angeboten werden könne – von der Entwicklung über die Herstellung eines Produktes bis zu den verschiedenen Verpackungseigenschaften mit der dazugehörenden Kühllogistik. Produkteentwicklungen würden zum Beispiel für Betty Bossy gemacht. Ferner ist das Unternehmen in seiner 50-jährigen Geschichte zum eigentlichen Biospezialisten geworden. Rund 25 Prozent des Umsatzes fällt auf Bioprodukte.

Detailhandel, Gastronomie und Export

Die Kunden stammen zur Hälfte aus dem Detailhandel, die grössten sind Coop und Migros. Besonders Coop gehört mit gegen 40 Prozent des Umsatzes zu den ganz wichtigen und bezieht laut Gutmann fast 120 verschiedene Artikel. Bei Migros ist es vornehmlich die Genossenschaft Aare mit AdR-Produkten. 20 Prozent des Umsatzes gehen auf Industrie und Gewerbekunden und 15 Prozent sind Abholkunden, 10 Prozent gehen in die Gastronomie und 5 Prozent machen die Exportmärkte Italien, Deutschland, Frankreich und Luxemburg aus. Auch in den mittleren Osten liefert Gautschi, unter anderem an Carrefour. Zur Steigerung der Energieeffizienz wurden Wärmerückgewinnungsanlagen eingebaut, die Neubauten mit LED Lampen ausgerüstet und Solarpanels installiert, die jährlich 220 000 kW/h Strom erzeugen sollen. Ungefähr 85 Prozent werden direkt im Betrieb verbraucht werden. Dies entspricht einer Eigenproduktion von rund 20 Prozent des gesamten Stromverbrauchs. So will auch hier das Unternehmen sauber produzieren.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch