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Bio und kein Ende

Der Markt für Bioprodukte boomt weiter. Doch der Handel konzentriert sich auf die zwei Grossen. Der private Detailhandel hat die Karte Swissness verspielt.

von Hans Peter Schneider

«Der Biomilchmarkt tickt anders», sagt Urs Brändli. Nach einem Zusammenrücken habe sich die Branche gefunden und die Erlöse seien auf einem akzeptablen Niveau angekommen. Dies sei nur möglich, wenn man als Branche und nicht als Einzelkämpfer denke, so könnten langjährige Partnerschaften entstehen. Bio Suisse verstehe sich als konstruktiver Vermittler zwischen Bauernverband und politischen Parteien, sagte Brändli. «Bio bringt auch die Politik ins Gleichgewicht», so Brändli.

Grund für das Eigenlob hatte der Bio Suisse-Präsident genug. Es ist kein Ende des Biobooms abzusehen. Der Markt ist im letzten Jahr wiederum gewachsen, nämlich um 7,8 Prozent, während er im Jahr zuvor um 5,2 Prozent wuchs. So wurden in der Schweiz rund 2,5 Milliarden Franken für Bioprodukte ausgegeben. Der Anteil am Lebensmittelmarkt machte einen Sprung auf 8,4 Prozent, der Konsument gab im letzten Jahr fast 300 Franken aus (2015: 280 Franken). Dies ist gemäss Bio Suisse weltweite Spitze. Dies bedeute, dass bei jedem Einkauf mindestens ein Bioprodukt im Korb liege. 87 Prozent der Bevölkerung kennen die Knospe, wobei die Knospe die zweitwichtigste Marke nach der Migros-Bio sei.

Konsument übernimmt Verantwortung

«Die Konsumenten übernehmen immer mehr Verantwortung», sagte Bio Suisse-Marketingchef Jürg Schenkel. Denn sie hätten begriffen, dass alles irgendwie zusammenhänge. «Wenn ich Spaghetti kaufe, passierte irgendwas irgendwo auf einem Bauernhof», so Schenkel. Die Zeichen stünden auf Bio, auch in der Westschweiz, wo der Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt einen von 7 auf 8 Prozent anstieg. Die neue Verantwortung des Konsumenten könne gemäss Schenkel auch bedeuten, dass dadurch eine bessere Kostenwahrheit entstehe, wenn durch die höheren Preise die Schäden an Umwelt und Natur zu einem Teil bezahlt würden. Bio könnte gemäss den Verantwortlichen aber noch besser laufen. Bio Suisse hat sich mit der Vision «Avanti» zum Ziel gesetzt, dass die Knospe bis im Jahr 2025 die nachhaltigste Marke sein wird. Der Staat könnte hier auch regulatorisch eingreifen, nämlich wenn biologisch produzierte Nahrungsmittel gefördert würden. Wie zum Beispiel in Dänemark, wo Soldaten mit Bionahrung bekocht würden oder in Frankreich, wo in einem Departement Schüler nur noch Bioprodukte erhalten, wie Bio Suisse-Geschäftsführer Daniel Bärtschi sagte. Damit schlage man zwei Fliegen auf einen Streich, sagte Bärtschi: Die Bevölkerung sei ausgewogen ernährt und die Landwirtschaft werde nachhaltiger.

Bauern setzen auf Bio

Im letzten Jahr stellten 381 neue Betriebe auf Bio um. So produzieren gemäss Bio Suisse 6144 Landwirtschaftsbetriebe nach Bio-Richtlinien und die biologische Nutzfläche stieg auf 140 000 Hektaren an.
Einen Wermutstropfen stellt im ganzen Absatzerfolg die Fokussierung auf zwei Händler dar, wobei Coop mit 44,6 Prozent Marktanteil immer noch unangefochtener Leader ist und mit einem Wachstum von 7 Prozent 1,118 Milliarden erwirtschaftete. Migros erwirtschaftete zwar mit 18,7 Prozent ein Rekordwachstum (vor allem durch Alnatura) auf 808 Millionen Franken, kommt aber mit 32,3 Prozent Marktanteil nicht an Coop heran. Die unabhängigen Fachhändler mussten jedoch einen 2,6-prozentigen Umsatzrückgang auf 272 Milllionen Franken hinnehmen. Diese sogenannte dritte Kraft ist gemäss Schenkel jedoch in einer Umstrukturierungsphase. Bio Suisse habe mit Biohändler Bio Partner eine gute Zusammenarbeit und mache zahlreiche Aktionen und Infokampagnen am POS. Auch mit Regio fair, der einen grossen Teil der früher von Bio Partner belieferten Geschäfte übernommen hat (alimenta Nr. 23 vom 6. Dezember 2016), laufe die Zusammenarbeit gut. Der private Handel habe jedoch die Trumpfkarte Swissness und Regionalität verspielt.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch