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Die Migros und die Milch

Am 1. September soll in der Milchbranche der neue Branchenstandard «grüner Teppich» eingeführt werden. Für Milch, welche die Anforderungen des Standards erfüllt, soll ein Zuschlag von 3 Rp./kg ausbezahlt werden. «Und zwar für alle Milch», finden die Milchproduzenten. «Nein, nur dort, wo 3 Rappen auch von den Kunden bezahlt werden», sagen die Verarbeiter.

Unter den Verarbeitern ist die Migros-Tochter Elsa ein Spezialfall. Sie ist, wie die Mutter Migros, seit zwei Jahren nicht mehr Mitglied der Branchenorganisation Milch. Elsa hat ein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm aufgebaut, bei dem die Bauern zwar auch Zuschläge erhalten können, aber zu höheren Anforderungen als beim «grünen Teppich». Die Elsa sagt sinngemäss: Wenn der Milchpreis im Herbst steigt, dann werden wir nachziehen. Die anderen Verarbeiter sagen sinngemäss: Wenn Elsa bei einer Preiserhöhung im Herbst nicht mithilft, dann erhöhen wir die Preise auch nicht. Keiner will sich mit höheren Preisen aus dem Markt manövrieren.

Elsa senkt den Milchpreis um 3 Rappen zu einem Zeitpunkt, wo Konkurrent Emmi lediglich um 0,4 Rappen senkt. Und das, obwohl von den fehlenden Rohstoffpreisausgleichsgeldern, die als Begründung ge-liefert werden, nur Emmi betroffen ist, nicht aber die Elsa. Auch aus dem Käsebereich hört man, die Migros sehe keinen Anlass, ab Herbst höhere Preise zu bezahlen.

Wenn man sieht, wie Projekte für nachhaltige Milch überall in Europa aus dem Boden spriessen, ist es dringend nötig, dass die Schweiz hier aufrüstet. Und es wäre den Milchbauern zu gönnen, dass sie angesichts des Mehraufwandes auch etwas davon haben. Die Migros wird eine zentrale Rolle dabei spielen, ob und wie das zustandekommt. Allerdings hat sie unter dem neuen Chef Fabrice Zumbrunnen zu alter Härte zurückgefunden, gegen innen, wie man den Sparprogrammen ansieht, aber auch gegenüber den Lieferanten.