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Er will echte Gmüesler-Geschichten erzählen

Gemüsegärtner Pascal Gutknecht nutzt Social Media, um seine Kundschaft im Hofladen für frische, regionale Produkte zu begeistern. Beiträge auf Facebook postet er deshalb vor allem während der Anbausaison.

von David Eppenberger/lid

Pascal Gutknecht ist in der Betriebsgemeinschaft fürs Marketing zuständig. (Bild ep)

Es ist die Zeit, wenn es im Bauch des Gemüsegärtners zu kribbeln beginnt. Dann im Februar, wenn nach der Winterruhe die ersten halbwegs warmen Sonnenstrahlen das Seeland erreichen. Die Sämaschine für die Karotten wird aus dem Hangar geholt und für den Einsatz im Freiland vorbereitet. Das Gemüsejahr kann starten. Es sind solche besonderen Momente, die Gemüsegärtner Pascal Gutknecht zu kleinen Beiträgen für die sozialen Medien verarbeitet. Dabei hat er vor allem eine Zielgruppe im Auge: Die Kundschaft des Hofladens. «Diese kann es genauso wie wir kaum erwarten, bis nach dem langen Winter das erste frische Gemüse aus der Region in den Gestellen aufliegt», sagt Pascal Gutknecht. Der Hofladen ist Teil der Betriebsgemeinschaft, die er gemeinsam mit Bruno Gutknecht und Thomas Etter in Ried bei Kerzers betreibt.

Kommunikationsprofi korrigiert Text

Pascal Gutknecht ist auf dem Gemüsebaubetrieb für das Marketing zuständig. Dazu gehört auch die Betreuung der Kanäle auf den sozialen Medien, in diesem Fall Instagram und vor allem Facebook. Obwohl er das Ganze eigentlich mehr als persönliches Hobby bezeichnet, betreibt er dieses mit der nötigen Ernsthaftigkeit. «Wenn ich einen Film von der Aussaat der Karotten drehe, braucht das mit dem Schnitt schnell einmal eine Stunde Bearbeitungszeit», sagt er.

Bis der Post zur Publikation bereit ist, durchläuft er noch einen abschliessenden Korrekturschritt bei einer befreundeten Kommunikationsspezialistin. Diese Perspektive von aussen sei sehr hilfreich, da letztlich ja die Leserinnen und Leser die Botschaft verstehen müssten. Er achtet strikt auf Authentizität, er will echte Geschichten aus dem «Gemüsler»-Alltag erzählen.

Funkstille im Winter

Dazu passt, dass er in der Winterzeit kaum Posts veröffentlicht. «Auf den Feldern läuft dann wenig, deshalb bringt es nichts, künstlich etwas zu pushen, das die Leute gar nicht interessiert.» Dafür sei aber der Start im Frühling umso wichtiger. Die Kundschaft warte nur auf ein Zeichen, dass es im Hofladen mit «neuen» Produkten losgehe. Beispielsweise mit frischem Rhabarber, der in Töpfen im Gewächshaus wächst und deshalb jeweils sehr früh – in diesem Jahr voraussichtlich Mitte März – ein erstes Highlight im Sortiment bildet, das die Kundschaft nach dem Winter wieder in den Hofladen bringen soll.

Jetzt im Frühling publiziert Pascal Gutknecht deshalb fast wöchentlich neue Beiträge auf Facebook. «Die Leute sollen sehen und spüren, dass es in unserem Hofladen während der Saison immer ein besonders attraktives, vielfältiges Angebot mit frischem Gemüse aus der Region hat.» Besonders gut kommen dabei die 27 verschiedenen Tomatensorten an, die in erster Linie für die Direktvermarktung angebaut werden.

Bis zu 250 Leute strömen dann täglich in den Laden, der über eine Fensterfront direkten Einblick ins Gewächshaus bietet, dort wo die Tomaten wachsen. Dabei sei messbar, dass die Frequenz nach Facebook-Posts ansteige.

Facebook besser als Zeitungs-Inserate

Facebook habe sich als Kanal für die Altersklasse besonders gut bewährt, die im Hofladen einkaufe, erklärt Pascal Gutknecht. Das könne er auch im Analysetool von Facebook ablesen, das viele Informationen über die mehr als 1200 Follower sowie die anderen Besucher auflistet, wie beispielsweise Alter, Geschlecht und Herkunft.

Instagram funktioniere anders und richte sich an ein jüngeres Publikum. «Bilder sind hier wichtiger als Worte.» Er entscheide je nach Situation, welcher Kanal sich für ein Bild oder einen Kurz-Film besser eignet. Facebook ist für den Hofladen aber wichtiger. Die Wirkung der Facebook-Posts erstaunt Pascal Gutknecht immer wieder. Beispielsweise wenn der erste Spargel aus der Region aufgelegt wird: «Dann dauert es nach der Veröffentlichung auf Facebook keine halbe Stunde und die ersten Spargelfans stehen im Laden.»

Im Vergleich zu teuren Inseraten in der Regionalzeitung sei der Effekt von solchen Posts deutlich grösser, findet er. Trotzdem verzichtet er bewusst auf im Verhältnis günstige Bezahldienste auf Facebook, auch wenn diese ihm vielleicht ein paar Follower mehr bringen würden. Er glaube, dass die Leute sich an solchen mit Geld beworbenen Beiträgen eher stören würden. Für ihn ist der Fall klar: «Die Geschichten müssen einfach so gut sein, dass sie auch sonst gelesen werden.»