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Kampf gegen die Mykotoxine

Laut der UNO sind Pilzgifte weltweit eines der grössten Probleme in den Lebensmittelwertschöpfungsketten. Der Maschinenbauer Bühler kann mit seinen Sortiertechnologien helfen.

von Roland Wyss

Mit den richtigen Sortiermethoden können Mykotoxine effizient aus den Ernten entfent werden. (Bilder. zvg)
In Kenia erfüllen nur gerade ein Fünftel des Maises den Grenzwert von 5 Mikrogramm pro Kilogramm (part per Billion, ppb) für den menschlichen Konsum.

2013 wurden mit einen Routinetest in der Milch eines niedersächsischen Hofes Rückstände des Pilzgiftes Aflatoxin gefunden. Die Rückverfolgung der Lieferkette über mehrere Händler zeigte schliesslich, dass die Quelle Futtermais aus Serbien war, bei dem der Grenzwert für Aflatoxin von 0,02 Milligramm pro Kilogramm Futter um das Zehnfache überschritten worden war. Auch in Italien, Ungarn und Rumänien wurden 2012 und 2103 Aflatoxine  in Futtermitteln festgestellt. Aflatoxin ist das giftigste von rund 400 Mykotoxinen (Pilzgiften), die existieren, es kommt häufig auf Mais vor. Verbreitet sind auch Deoxynivalenol (DON), häufig auf Weizen zu finden, Zearalenon (ZEA) und Ergotalkaloide. Pilzgifte waren bisher vor allem in Afrika und Asien ein grösseres Problem. Mit dem Klimawandel und mit zunehmend wärmerem und feuchterem Klima werden sie auch in Europa immer mehr zum Problem für den Futtermittel- und Lebensmittelsektor.

Mykotoxine führen beim Menschen in den seltensten Fällen zu akuten Vergiftungen. Meist führt die konstante Einnahme zu chronischen Erkrankungen, etwa zu Leberkrebs oder bei Kindern mutmasslich zu Wachstumsstörungen. Vermutet wird, dass bis zu 155 000 Leberkrebsfälle jährlich auf Mykotoxine zurückgehen, die meisten davon in Afrika und im westpazifischen Raum.  Untersuchungen zeigten, dass etwa in Kenia nur gerade ein Fünftel des Maises den Grenzwert von 5 Mikrogramm pro Kilogramm (part per Billion, ppb) für den menschlichen Konsum erfüllen.

Ein paar Körner – grosser Schaden

Der Technologiekonzern Bühler in Uzwil  engagiert sich in der Bekämpfung von Mykotoxinen, wie die Firma an einem Medienanlass am 28. Februar darlegte. Das Problem sei gravierend, weltweit sei rund ein Viertel der Ernten von Weizen, Mais, Reis und anderen Getreiden von Mykotoxiken betroffen, erklärte Béatrice Conde-Petit, Leiterin Food Safety bei Bühler. Erschwert werde das Problem dadurch, dasss Mykotoxine nicht wie Bakterien durch Hitze zerstört werden können. Und dass ein paar befallene Körner genug Mykotoxin bilden können, um eine ganze Siloladung zu kontaminieren.
Ein Bericht des UNO-Umweltprogramms UNEP vom letzten Jahr bestätigt, dass extreme Dürren und steigende Temperaturen in den Tropen zu höherem Mykotoxin-Befall führen, und dass auch zunehmend Regionen mit gemässigtem Klima davon betroffen sind. Ebenfalls 2016 wurde das Europäische Projekt MycoKey gestartet, mit dem Ziel, Lösungen für die Verringerung von Mykotoxinen in wichgtigen Lebensmittel- und Futtermittelsektoren zu erarbeiten. Bei MycoKey arbeiten 32 Organisationen aus 14 europäischen, afrikanischen und asiatischen Ländern zusammen, darunter auch Bühler und Kunden von Bühler, mit denen Grossversuche durchgeführt wurden, um die wirksamsten Massnahmen zu finden, um kontaminiertes Getreide zu separieren.

Optische Sortierung

Die Grossversuche mit Roggen bei zwei deutschen Mühlen zeigten laut Reto Rechsteiner, Leiter Business Development bei Bühler, dass mit der Kombination von einfacher Grössentrennung durch Siebe und anschliessender optischer Sortierung der Mykotoxin-Gehalt wirksam gesenkt werden konnte. Die bedeutendste Reduktion konnte dabei mit der optischen Sortierung erreicht werden. Dies bietet Bühler mit seinen Sortex Maschinen, die in Schweizer Mühlen und vielen europäischen Mühlen Standard sind. Die Maschinen identifizieren optisch auffällige Körner im Getreidestrom mit Kameras, mit präzisem Luftstrahl werden diese dann wegblasen. In weiteren Schritten können die aussortierten Körner noch einmal sortiert und beispielsweise Körner, die lediglich zu klein oder zu gross, ansonsten aber in Ordnung sind, trotzdem verwertet werden. Denn für die Mühlen, welche das Getreide schon bezahlt haben, liegt das Interesse nicht nur darin, möglichst keine Mykotoxine im Produkt zu haben, sondern auch möglichst viel Rohstoff verarbeiten zu können.
roland.wyss@rubmedia.ch