Datum: Branche:

Kein Ferrari, aber ein guter Mittelklassewagen

Ueli Berger, Geschäftsführer der Milch-Land im bernischen Rüegsau, erklärt, was die Kleinheit einer Molkerei ausmacht und warum gerade mit diesem Geschäftsmodell kostengünstig gearbeitet werden kann.

von Hans Peter Schneider

Künftig wollen wir mehr mit den «Grossen» zusammenspannen». Ueli Berger mit seiner neuen Milchverpackung.

alimenta: Viele sagen, Milchabfüllung sei nicht rentabel, ohne dass man einen Grossverteiler mit im Boot hat.
Ueli Berger: Wir beliefern den privaten Detailhandel, Spitäler und Heime. Doch auch wir kommen ohne die «Grossen» nicht durch. Wir stellen für einen Saucenproduzenten Grundlagen wie Jogurt, Pastmilch, Quark oder Rahm her, sind aber nicht Direktlieferant. Künftig wollen wir jedoch vermehrt im Milchbereich mit den Grossverteilern zusammenspannen.

Was haben Sie weiter geplant? Wollen Sie die Molkerei ausbauen?
Wir wollen im Bereich Milchmischgetränke und Jogurts neue Produkte bringen. Auch mit der Verpackungsvielfalt haben wir jetzt grösseren Spielraum, zudem sind neue Märkte auch ausserhalb der Kantonsgrenze zu prüfen. Produkte wie Heumilch sehen wir jedoch eher kritisch. Sicher ist, dass wir keinen Käse produzieren wollen.

Was sind die Stärken der Milchland AG?
Es ist heute der Trend, die Region zu vermarkten. Und diese Region, in der wir die Milch von 29 Bauern in einem Umkreis von fünf Kilometern beziehen, verkörpern unsere Produkte optimal.

Dennoch – Pastmilchabfüllen ist ein Halb-Rappengeschäft. Rentiert es?
Die Margen sind überall tief. Und es gibt heute keine Produkte mehr, wo man sagen kann, hier verdient man sündhaft.

Es kommt immer irgendjemand, der das Produkt in einem grösseren Rahmen und zu einem noch tieferen Preis anbietet.

Was macht es dann aus?
Es ist unsere «Schlankheit», die bei uns die Wertschöpfung ausmacht. Die Milch kommt auf kurzen Wegen direkt zu uns, wird hier kostengünstig verarbeitet und geht gleich wieder weg zu unseren Kunden. Wir haben kein Lager und keinen Zwischenhandel.

Dann spüren Sie den Preiskampf der Grossverteiler und besonders der Discounter beim Frequenzbringer «Trinkmilch» nicht?
Doch. Aber wir haben gerade in unserem Laden eine sehr treue Kundschaft. Wir stehen zur Regionalität zu unseren Produkten und dies wird von unserer Kundschaft sehr geschätzt.

Die neue Anlage war mit einer Viertelmillion Franken nicht unbedingt billig für einen kleineren Betrieb wie den Ihren.
Kosten und Nutzen gilt es immer gut abzuwägen. Dazu eine gute Prise Optimismus für die Zukunft.

Wir konnten uns nicht einen Ferrari leisten.

Es ist aber eine zukunftsgerichtete Investition, so dass wir konkurrenzfähig bleiben und neue Märkte erschliessen können. Ich denke als Vergleich haben wir uns eher einen «Mittelklassewagen» beschafft.

Die neue Milchpackung soll die Region widerspiegeln. Was bedeutet das Design?
Das Design soll die Region mit der Topographie versinnbildlichen. Unten mit der Emmentaler Hügellandschaft, den Bächen und der Emme, im Mittelbereich die zusammengestellten Sujet aus der Region mit Scherenschnitt-Technik. Der Deckel und das gelbe Band sollen die Werte vereinen. Unter dem Motto «Das Gold der Region» verpacken wir die Milch und tragen sie in die weite Welt hinaus.