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Kraft Heinz will Unilever übernehmen

Kraft Heinz bietet 143 Milliarden für Unilever. Dieser lehnt ab: - Zu tief.

von pd/hps

Der Ketchup-Hersteller Kraft Heinz ist gemäss Reuters-Meldung an einem Zusammenschluss mit dem Lebensmittel- und Konsumgüterkonzern Unilever interessiert. Der niederländisch-britische Konkurrent habe einen «umfassenden Vorschlag» aber abgelehnt, teilte Kraft Heinz am Freitag mit. Der US-Konzern will sich dennoch darum bemühen, dass es noch zu einem Geschäft mit Unilever kommt. Ob aber ein weiterer Vorschlag oder ein formelles Übernahmeangebot gemacht werde, sei ungewiss. Der britisch-niederländische Konsumgüterhersteller Unilever hat die Übernahmeofferte des US-Konzerns Kraft Heinz, gemäss einer dpa-Meldung, auf 143 Mrd. Dollar beziffert und als zu niedrig zurückgewiesen. Die Unilever-Aktie schoss an der Londoner Börse um mehr als 14% nach oben auf ein Rekordhoch von 3824 Pence. Ziel des Zusammenschlusses sei es, einen führenden Konsumgüterkonzern zu schaffen, der langfristig wachsen könne, teilte Kraft Heinz weiter mit.

«Wir freuen uns darauf, eine Einigung über die Bedingungen einer Transaktion zu erreichen»

Mit diesen Worten gab sich Kraft Heinz optimistisch. Der Konzern war 2015 aus einer Fusion der Nahrungsmittel-Giganten Kraft und H.J. Heinz entstanden. Einer seiner grossen Investoren ist der Milliardär Warren Buffett und dessen Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. In Amerika haben in den vergangenen Jahren Investoren die Branche aggressiv umgepflügt. Nun könnten auch verstärkt europäische Konzerne ins Visier geraten. Der Investor Nelson Peltz etwa war massgeblich an der Abspaltung der «Milka»-Firma Mondelez von Kraft Foods beteiligt. Auch bei Pepsi hatte sich Peltz eingekauft – scheiterte aber mit dem Versuch, den Getränke- und Snackriesen aufzuspalten.

Der Finanzinvestor 3G Capital übernahm zunächst den Ketchup-Hersteller Heinz und brachte dann die Fusion mit Kraft unter Dach und Fach. Es war nicht der erste Coup: 3G hatte zuvor bei der Fusion von Burger King und Tim Hortons und beim Bier-Zusammenschluss Anheuser-Busch Inbev seine Finger im Spiel.

Die Übernahmeofferte sorgte für ein Börsenfieber der ganzen Branche: Die Papiere der Konkurrenten Nestlé, Beiersdorf, Danone, Henkel und Nestlé stiegen um bis zu 3,6%. Bei Nestlé legten die Aktien um 1,7% zu, nachdem der grösste Nahrungsmittelhersteller der Welt am Vortag mit seinen Jahreszahlen enttäuscht hatte. Auch wenn ein Deal zwischen Kraft Heinz und Unilever nicht zustande komme, sorge eine derartige Nachricht für Fantasie im Sektor, hiess es in Marktkreisen dazu. Grundsätzlich könnten amerikanische Finanzinvestoren oder auch industrielle Investoren in Europa gross zukaufen. Dabei komme vor allem den Nahrungsmittelherstellern die hohe Aktienbewertung zugute. Beim «Milka»- und «Oreo»-Hersteller Mondelez ging es dagegen vorbörslich um knapp 6% nach unten. Investoren hatten zuletzt darauf spekuliert, dass Kraft Heinz eine Übernahme von Mondelez plant.