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Mehr Goodwill für Innovationen

Nicht fehlendes Geld, sondern starre Behörden und Vorschriften sind für viele innovative Agrar-Unternehmer das Problem. Das zeigte das 2. Agrarpolitik-Forum in Zollikofen.

von Roland Wyss

Die «Jät-Ferraris» des Lohnjäters Stefan Brunner.

Wie kann die Politik Innovationen in der Landwirtschaft fördern oder zumindest nicht verhindern? Um diese Frage drehte sich das 2. Agrarpolitik Forum, das am 22. August an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaft HAFL in Zollikofen stattfand.
Manfred Bötsch, ehemaliger Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, hob den Unterschied zwischen Innovation im unternehmerischen Bereich und in der Politik hervor. Als Unternehmer könne man jederzeit Innovationen lancieren, in der Politik brauche es dafür immer Mehrheiten und viel Geduld. Wichtige Innovationen wie die künstliche Besamung oder die Hors-Sol-Produktion hätten auch legislative und kulturelle Innovationen nach sich gezogen, sie seien anfangs verteufelt worden und heute nicht mehr wegzudenken. Dazu zählt Bötsch auch die Geneditierung Crispr-CAS, die in der Medizin und in anderen Bereichen bereits verwendet werde. «Was omnipräsent ist, soll man steuern und nicht verbieten», sagte Bötsch.

Auch Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL in Frick, fand, Crispr-CAS müsse man nutzen. Es brauche ökologische, aber auch soziale und technologische Innovationen, um die heutigen Ziele der Agrarforschung zu erreichen, nämlich eine produktivere und gleichzeitig ökologischere Landwirtschaft. Es sei falsch, aus weltanschaulichen Gründen die Technologie auszuschliessen. Manche Innovationen wie die Suche nach neuen Pflanzenextrakten, um Fungizide zu ersetzen, seien nur möglich, wenn aktuelle Hi-Tech genutzt werde. Mit der Methode Precision Farming könne man vieles machen: technokratische Landwirtschaft mit riesigen Parzellen betreiben, oder aber ökologische und ästhetische «Paradiese» mit Streifenanbau, wo mit schmalen Ackerstreifen entlang den Hängen die Bodenerosion verhindert wird.
In Zollikofen stellten Agrarpolitiker verschiedene innovative Projekte aus der Landwirtschaft vor, die sie überzeugt hatten. Der Freiburger Landwirt und SVP-Nationalrat Pierre-André Page beispielsweise warb für den Jätroboter-Hersteller Ecorobotix, die Waadtländer Bäuerin und SVP-Politikerin Alice Glauser für die Bio-Hartweizen- und Teigwarenproduktion ihrer beiden Söhne. Der Basler SP-Nationalrat Beat Jans stellte den Schul-Hof Untere Tüfleten in der Nähe von Dornach vor, wo jährlich rund 2000 Schulkinder aus der Umgebung die Landwirtschaft kennen lernen. Die Freiburger Grossrätin Sylvie Bonvin warb stellvertretend für die Grünen-Politikerin Maya Graf für den «Jät-Ferrari» des Aarberger Gemüseproduzenten und «Lohnjäters» Stefan Brunner, der Berner Landwirt und SVP-Nationalrat Werner Salzmann warb für seinen Parteikollegen und Gemüseproduzenten Beat Bösiger, der in Niederbipp einen der grössten Gemüsebetriebe der Schweiz aufgebaut hat.

So verschieden die Projekte waren, so ähnlich waren teilweise die Aussagen: Hindernisse finden sich häufig beim Raumplanungsrecht oder bei sonstigen administrativen Regeln. Entsprechend wünschen sich viele Innovatoren nicht in erster Linie finanzielle Unterstützung – diese sei teilweise sogar gefährlich -, sondern mehr Goodwill und Kreativität von den Behörden oder Lockerungen beim Raumplanungsrecht, um beispielsweise Mitarbeiter behergen zu können oder um erweiterte Wertschöpfungen auf den Bauernbetrieben zu ermöglichen.
roland.wyss@rubmedia.ch