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Mehr Herzblut für Schweizer Käse

Am bernischen Käsertag in Schönbühl rief der Ostschweizer Käsehändler Josef Hardegger die Branche zu mehr Herzblut für den einheimischen Qualitätskäse auf.

von Sandra Flückiger

Präsident Markus Leuenberger führte durch den bernischen Käsertag.
Referent Josef Hardegger: «Wir müssen die Einzig­artigkeit unseres Käses wieder konsequent mit Leidenschaft ausloben.»

«Unser Schweizer Käse ist qualitativ punkto Herstellung, Geschmack und Vielfalt unschlagbar! Wir müssen lernen, ihn wieder so zu verkaufen», legte Josef Hardegger, Ostschweizer Käseproduzent, Händler und Chef der Hardegger Käse AG, den Anwesenden ans Herz. Aus der einst kleinen Jonschwiler Dorfkäserei ist in den letzten Jahren ein Familienunternehmen mit 150 Angestellten geworden. Die Firma produziert, affiniert, konfektioniert und vermarktet Schweizer Käse im In- und Ausland. Beim Export liegt der Fokus auf der EU, Osteuropa, Nordamerika und auf Asien.  Josef Hardegger bewegt sich täglich im hart umkämpften Markt. Eine der grössten Herausforderungen bei der Vermarktung von Schweizer Käse sieht er in der Eroberung der Regalplätze. Der Umsatz im Offenverkauf, dort wo der Schweizer Käse traditionell stark ist, sei rückläufig, sagte Hardegger. Dies schon seit Jahren. «Wir müssen daher unseren Fokus künftig mehr auf die Selbstbedienung setzen.» Die Belieferung von Discountern mit Sortenkäse sei für ihn grundsätzlich kein Problem, solange die Vorgabe der Sortenorganisationen eingehalten würden. Ein grösseres und zunehmendes Potenzial bestehe zudem im Convenience-Bereich.

Motivation behalten

Hardegger sieht also durchaus Chancen im Käseabsatz, gleichzeitig richtete er aber einen Appell an die ganze Branche: «Wir müssen das Herz wieder vermehrt bei unseren Produkten haben, und zwar der Milchbauer, der Käser und der Händler. Es gilt die Einzigartigkeit unseres Käses konsequent mit Kompetenz und Leidenschaft auszuloben.» Mit Jammern komme man nicht weiter. Er nahm denn auch zur Situation des Emmentalers kein Blatt vor den Mund: «Man hat in den vergangenen Jahren verpasst, eine klare Strategie und Markenpolitik für den Emmentaler AOP festzulegen und umzusetzen. Dies muss umgehend nachgeholt werden. Es darf nicht jedes Mitglied machen, was es will. Wir haben mit dem Emmentaler AOP eine starke Marke. Dessen müssen wir uns wieder bewusst werden» sagte Hardegger.

Erfolg dank Nische

Zu den Anstrengungen, welche zur Vermarktung von Schweizer Alpkäse unternommen werden, referierte Martin Rüegsegger, Geschäftsführer der IG Alpkäse. Die Strategie, die man seit zehn Jahren fahre, zahle sich aus, so der Referent. Heute könne sich der im Sömmerungsgebiet produzierte Käse als Nischenprodukt im Hochpreissegment erfolgreich behaupten. Anhand konkreter Beispiele verdeutlichte er, auf welche Marketingmassnahmen gesetzt wird und wie etwa über den Blog auf alpgeschichten.ch die Herstellung von Alpkäse erlebbar gemacht wird. Mit dem Projekt «Adopt an alp» findet Alpkäse zudem neue Liebhaber in den USA.

Dass Internet-Kriminalität zu einer neuen und permanenten Bedrohung geworden ist und schnell ins Geld gehen kann, darauf machte Kurt Weyermann, Versicherungsexperte der Allianz Suisse, aufmerksam. Es könne kleine KMU genauso treffen wie grosse Unternehmen. Moderne Versicherungsangebote im Bereich Cyber Risk mit Schutz bei Hackerangriffen, die Eigenschäden, Krisenmanagement, Haftpflicht und Rechtsschutz umfassen würden, böten Hilfe. Der von Markus Leuenberger, Präsident des Bernischen Käservereins, geleitete Käsertag wurde musikalisch umrahmt vom Seeländischen Käser Chor.