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Mittleres Erdbeben im Biohandel

Die Detailhandelskette Müller und Egli Reform AG will sich stärker gegenüber den Grossverteilern positionieren und suchte dazu einen neuen Lieferpartner. Der bisherige Lieferant muss Stellen abbauen.

von Hans Peter Schneider

Die Detailhandelskette Müller-Egli setzt auf RegioFair.

Erst vor einigen Wochen krachte es im Biogebälk. Zumindest was die Logistik anbelangt. Bio Partner als bisheriger Primus in der Belieferung des privaten Biohandels hat den wichtigsten Kunden, Egli-Müller-Reformhäuser verloren. Nutzniesser ist die erst vor sieben Jahren gegründete RegioFair. «Der Detailhändler ist selber auf uns zugekommen», sagt Regio Fair-Chef Andi Lieberherr. Ziel des Händlers sei es, eigene Marken zu haben und sich mit diesen auch klar gegenüber den Grossverteilern abzugrenzen. Denn Egli-Müller will frischen Wind ins Massengeschäft bringen, wie es schon auf der Website der Fachgeschäftekette geschrieben steht. Bisher seien die Marken im Biohandel austauschbar gewesen, sagt Lieberherr. Das heisst, dass der im Biogeschäft eigentlich kompetentere Fachhandel die gleichen Marken führt wie die Grossverteiler. Das werde sich nun ändern. RegioFair, eine hundertprozentige Tochter von Agrovision Burgrain AG, setzt gemäss Lieberherr konsequent auf die eigene, gleichnamige Marke. Und da sei die Marke auch Programm. Denn die Produkte unter dieser Marke seien auch wirklich aus der Region und nicht «nur» biologisch. Zum Beispiel stamme der Urdinkel für die Teigwaren aus der Zentralschweiz und die Teigwaren würden in Kerns hergestellt. «Die Bioartikel werden nicht einfach nur hin- und hergekarrt, sondern der Gedanke von Bio und der Regionalität werden gleichwertig behandelt», sagt Lieberherr.

«Mit Regio Fair haben wir einen Partner gefunden, der perfekt zu unserer Philosophie passt.»

Mit diesen Worten rühmt Müller-Egli-Geschäftsführer, Stefan Rot den neuen Partner. Mit dieser Zusammenarbeit könne das Angebot an Schweizer Bioprodukten ausgebaut werden. Handwerklich und regional hergestellt und insbesondere fair gehandelt. Die Müller-Egli-Kunden könnten sich zudem auf dem Hof der Agrovision auch gleich ein Bild von der Produktion machen. «Vom Gras bis auf den Teller», sagt Rot. Der Entscheid von Egli-Müller wird nun das Sortiment von RegioFair heraufschnellen lassen. Bisher sind gemäss Lieberherr zwischen fünf- und sechshundert Artikel distribuiert worden. Nun werden es 1600 Artikel sein, die neu ins Sortiment von RegioFair kommen mit der Belieferung der 41 Müller-Egli-Reformhäuser. Wobei es natürlich Verschiebungen je nach Saison, vor allem durch das Früchte- und Gemüseangebot geben werde.

Für Bio Partner hingegen ist es ein harter Schlag. «Wir müssen unsere Ressourcen darauf ausrichten und in kleinerem Rahmen Stellen abbauen», sagt Andreas Jiménez. Der Bio Partner-Chef hält aber fest:

«Wir bleiben weiterhin der kompetente Lieferant des Biofachhandels in der Schweiz und sind darüber hinaus mit Vertriebskanälen wie der Gastronomie und dem Rohstoffhandel breit aufgestellt.»

In dem 10000 Artikel starkem Bio-Sortiment gebe es fachhandelsexklusive und offene Marken, die den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht würden.

hanspeter.schneider@rubmedia.ch