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Nestlé schliesst Werk in Ludwigsburg

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé wird sein Caro-Kaffee-Werk in Ludwigsburg bei Stuttgart Ende des Jahres schliessen.

von pd/sda/dpa

Grund für die Schliessung des Werks ist laut Nestlé die rückläufige Nachfrage nach Caro-Kaffee, einem aus Getreide hergestellten Ersatzkaffee. Das Werk sei bei weitem nicht ausgelastet. Nach Informationen der «Stuttgarter Zeitung» soll der Caro-Kaffee künftig in einem Werk in Portugal produziert werden. Nestlé wollte den Standort laut Blick am Mittwoch nicht bestätigen. Caro-Kaffee werde es aber weiter zu kaufen geben. Bisher wurde das Getränk ausschliesslich in Ludwigsburg produziert.

Die rund 100 Mitarbeiter des Werks seien am Dienstag über die Pläne informiert worden. Für sie will der Konzern mit dem Betriebsrat nun einen Sozialplan erarbeiten und möglichst viele Mitarbeiter an anderen Standorten unterbringen. Auch Kündigungen konnte der Sprecher gemäss deutschen Medienberichten nicht ausschliessen.

Das Werk geht zurück auf eine Kaffee-Manufaktur aus dem Jahr 1828 in der Nähe von Ludwigsburg. Der Kolonialwarenhändler Johann Heinrich Franck stellte darin als erster im grossen Stil den sogenannten Landkaffee her. Franck mischte Gerste, Malz und Roggen mit der Zichorie-Pflanze, die unter anderem mit Chicorée verwandt ist.

1868 verlegte die Firma die Produktion dann schliesslich nach Ludwigsburg. 1954 wurde für das lösliche Landkaffee-Pulver der Name Caro eingeführt. Nestlé übernahm das Werk und die Marke 1971 und vertreibt das Getränkepulver nach eigenen Angaben weltweit, teilweise jedoch unter anderem Namen.

Überdies sieht Nestlé für die Nahrungsmittelbranche weiterhin nur geringe Wachstumsraten in Nordamerika. Angesichts der verhaltenen Nachfrage der Konsumenten seien Preiserhöhungen schwierig umzusetzen, sagte der für die Region zuständige Nestlé-Manager Laurent Freixe am Mittwoch auf einer Konferenz der Deutschen Bank in Paris.

Daher versuche Nestlé, mit Hilfe seiner starken Marken und Neuerungen bei Produkten höhere Preise durchzusetzen, was auch gelinge. In Südamerika laufe das Geschäft besser – bis auf den wichtigen brasilianischen Markt, wo die Situation weiterhin schwierig sein.