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Recycling: Vorzeigeland Schweiz

Die Schweiz ist Weltmeister bei der Sammelquote für PET, Alu oder Glas. Dabei werden zum Beispiel beim PET hohe Anforderungen ans Rezyklat gestellt, die mit neuester Technologie auch möglich sind.

von Hans Peter Schneider

Die modernste Recyclinganlage von Europa wurde Anfang April mit dem Durchschneiden des roten Bandes feierlich eröffnet. Von links nach rechts: Willy de Buck, Botschafter des Königreichs Belgien in der Schweiz; Gerda Thomsen und Alex De Cuyper, VRP der Resilux Group; Casper van den Dungen, General Manager Poly Recycling AG (im Hintergrund); Marianne Lienhard, Landesstatthalterin Kanton Glarus; Peter De Cuyper, CFO Resilux Group; Pieter De Crem, Minister des Innern und der Sicherheit des Königreichs Belgien, Dirk De Cuyper, CEO Resilux Group. (Bild: zVg)
Lukas Schumacher, PET-Recycling Schweiz.
Markus Tavernier, Igora.
Max Zulliger, Vetro Suisse.

«Wir müssen uns wieder mehr vergegenwärtigen, welche wertvollen Recycling-Systeme wir haben.» Dies sagte Matthias Tobler, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Getränkehersteller (ASG), am Verbandskongress in Interlaken. Ja, die Schweiz sei führend im Recycling, bestätigten die drei Vertreter der Organisationen, welche für das Recycling der wichtigsten Verpackungsmaterialien, PET, Alu und Glas für Getränke verantwortlich sind. Dabei ist der Getränkekarton nicht enthalten, weil dessen Sammlung kürzlich von Aldi nach einer Versuchsphase wieder eingestellt wurde.

Nicht nur die hohen Sammelquoten würden die Effizienz des Recyclings beweisen, sondern auch die neuesten Technologien, mit denen Schweizer Unternehmen aufwarten könnten, sagte Lukas Schumacher von PET-Recycling Schweiz. So wurde zum Beispiel vor zwei Monaten im glarnerischen Bilten die weltweit modernste Verwertungsanlage für PET eröffnet (siehe Kasten). Dort können kleinste Verunreinigungen entfernt werden, wie Schumacher sagte. Nicht ohne Grund, denn die Schweiz hat beim PET-Recycling die höchsten Anforderungen. In der Europäischen Union können beispielsweise fünf Prozent Non-Food-Pet eingearbeitet werden, in der Schweiz hingegen sind gerade mal 0,04 Prozent erlaubt, wie Schumacher sagte.
Dennoch kann dank der hochtechnologisierten PET-Aufbereitung in der Schweiz günstiger PET-Rezyklat produziert werden. In der neuen Anlage in Bilten können ferner nicht nur transparente Flaschen, sondern auch grüne und braune recycelt werden. Die Sammelquote für Pet ist mit 82 Prozent schon hoch. Schumacher ist aber sicher, den Wert in absehbarer Zeit auf 90 Prozent zu bringen. «Jede Flasche zählt», sagte er.

Alu – permanent im Einsatz

Auch jede Aludose zählt, findet Markus Tavernier, Geschäftsführer der Igora, der Organisation für das Schweizer Alu-Sammelsystem. Dieses hochwertige Material sei der perfekte Recylingstoff. 80 Prozent des weltweit je einmal eingesetzten Aluminiums und Stahls seien immer noch im Einsatz. Dabei sei die Schweiz mit einer Alu-Recyclingquote von 92 Prozent weltweit führend. Global gesehen werden lediglich 69 Prozent gesammelt. Tavernier sagte, die vorgezogene Recyclinggebühr sei mit anfänglich 5 Rappen hoch gewesen, mit heute nur noch einem Rappen aber auf relativ tiefem Niveau.

Recycling werde aber auch kritisch hinterfragt, sagte Tavernier. Für ihn ist jedoch klar, dass nur mit Recycling Ressourcen geschützt werden könnten. «Man muss sich fragen, ob wir ein hochwertiges Material nutzen oder verbrauchen», sagte Tavernier. Somit sei es offensichtlich, dass die Kreislaufwirtschaft nur mit Recycling erreicht werden könne, sagte Tavernier. Dieses Konzept der permanenten Materialien sei optimal anwendbar auf Aluminium, das seine Eigenschaften trotz Recycling und Aufbereitung nicht verliere.

50 000 Tonnen Altglas

Auch Glas sei ein solcher Stoff, sagte Max Zulliger von dem Unternehmen Vetro Suisse. In der Schweiz landen 95 Prozent des gebrauchten Glases in der Sammlung, jährlich sind das über 50 000 Tonnen. Damit werde so viel CO2 eingespart, wie eine 780 Millionen Kilometer lange Autofahrt verursache oder der Wohnenergie­bedarf für 40 000 Schweizer Haushalte, sagte Zulliger weiter. Das Glas soll noch umweltfreundlicher werden. Geforscht wird laut Max Zulliger einerseits an leichteren Glasflaschen, andererseits auch an der «unzerbrechlichen» Glasflasche, die länger im Kreislauf verblei­ben kann.

Dass eine Flasche lange im Kreislauf verbleiben kann, hat auch mit anderen Faktoren zu tun. So werde es sicher noch lange gehen, bis eine Bordeaux-Weinflasche mit einem geringeren Gewicht hergestellt werde, ist Zulliger überzeugt. Denn je dicker die Flasche ist, desto höhere Beständigkeit und ein edleres Image strahle sie aus. So stehen sich Überlegungen des Marketings und der Ressourcen­effizienz im Weg.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch