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Schweizer Käse: Positive Aussichten, aber Profil weiter schärfen

In den ersten Monaten 2018 wurde überdurchschnittlich viel Käse exportiert. Die Branche sieht die Talsohle durchschritten, bedauert aber den Stillstand beim Abschluss von Freihandelsabkommen.

von Hans Peter Schneider

Die Aktionäre bestätigten SCM-Präsident Lorenz Hirt (2. v.l.). Neu in den Verwaltungsrat gewählt wurden (v.l.): Stefan Gasser, Emmentaler Switzerland; Anton Schmutz, Mifroma SA; und Ständerat Peter Hegglin, Sbrinz Käse GmbH.

Um ganze 14 Prozent sind die wertmässigen Ausfuhren von Schweizer Käse von Januar bis Ende April 2018 gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Damit bestehe berechtigte Hoffnung, dass die Trendwende eingeläutet sei, sagte Lorenz Hirt, Präsident von Switzerland Cheese Marketing (SCM) an deren 20. Generalversammlung im luzernischen Hildisrieden. Auch David Escher, CEO von SCM sagte, dass die Talsohle erreicht zu sein scheine. 

Die drei Neuen im SCM-VR zur Frage, ob die Talsohle von Schweizer Käse erreicht sei:

Hirt verhelte nicht, dass er die im Nationalrat erfolgte Rückweisung der Gesamtschau Landwirtschaft an den Bundesrat bedauert. Habe sich diese doch mit der Strategie der Käsebranche grösstenteils gedeckt. Aber der Bundesrat sei darin offensichtlich zu nicht genehmen Resultaten gekommen und habe diese ungeschickt bis provozierend präsentiert, sagte Hirt. Die Käsebranche habe ein enormes Interesse an weiteren Freihandelsabkommen. Jedes vierte Kilogramm Schweizer Milch werde exportiert, beim Käse seien es 40 Prozent der produzierten Menge. Die Schweiz könne sich deshalb beim Freihandel keinen Stillstand leisten, sagte Hirt. Ihn erstaune die nun durch den Nationalrat erfolgte Trennung zwischen Agrarpolitik und Freihandelsabkommen. Schliesslich habe die Wirtschaftskommission des Nationalrates dem Bundesrat schon vor drei Jahren Fragen zu den Perspektiven im Milchmarkt gestellt und dabei Agrarpolitik und weitere Marktöffnungsschritte im Milchbereich vermischt. 

Hirt forderte die Branche auf, selbstbewusster zu kommunizieren. Dies sei eine zwingende Voraussetzung, um in der Vermarktung eine gute Wertschöpfung zu erzielen. Die ausländischen Konkurrenten seien nicht zu unterschätzen, würden diese doch mit Werten werben, welche eigentlich für Schweizer Käse selbstverständlich sei, jedoch nicht ausgelobt werde. Dabei denke er nicht nur an das irländische Musterbeispiel Origin Green, sondern auch an Firmeninitiativen, wie zum Beispiel beim Leerdammer, einen der stärksten Konkurrenten von Emmentaler, der momentan sein Markenprofil überarbeitet. Die Bel Group setze Nachhaltigkeit nach einem Masterplan um, bei dem zum Beispiel auch die Weidehaltung dazugehöre. Künftig soll auch der «Gummikäse in Wachshülle» der Mini-Babybel, nachhaltig produziert und entsprechend ausgelobt werden. «Wir müssen unsere Mehrwertstrategie weiter mit Hochdruck verfolgen und schärfen», sagte Hirt. 

Aber die Schweizer suchten immer das Haar in der Suppe, sagte Hirt. Während zum Beispiel deutscher Käse als GVO-frei ausgelobt werde (siehe Kasten), sei dies in der Schweiz nicht möglich. Es könnte ja sein, dass die Kuh nebst den Tonnen von GVO-freiem Futter auch einige Gramm mit GVO hergestellten Vitaminen gefressen habe, sagte Hirt ironisch. «Als ob das den Konsumenten stört». Dieser nehme schliesslich am Morgen seine Vitamin-Brausetabletten, die mit GVO in China produziert wurden. Die freiwillige Verzichtserklärung werde sehr zurückhaltend eingesetzt. Dies, weil es einzelne Käsereien gebe, die eventuell einen veganen Käse, hergestellt mit GVO-Lab, im Sortiment hätten, sagte Hirt. 

hanspeter.schneider@rubmedia.ch