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Siegeszug für Raps- und Palmöl

Der steigende Öl- und Fettverbrauch in der Schweiz wird hauptsächlich über drei Rohstoffe gedeckt. Dazu gehört das umstrittene Palmöl, das durch den Freihandel mit Indonesien wohl vermehrt importiert wird.

von Hans Peter Schneider

Freihandel für Palmöl aus Malaysia würde den Schweizer Rapsanbau und dessen Verarbeitung stark unter Druck bringen.
Christian Florin.
Die Podiumsteilnehmer Marc Müller CEO Groupes Minoteries, Fritz Glauser, Präsident Swiss Granum, Martin Rufer, Schweizerischer Bauernverband, Adrian Aebi BLW und Christian Florin von der Florin AG.

194,53 Millionen Tonnen Pflanzenöl wurden letztes Jahr weltweit produziert. Der grösste Teil davon – 68,24 Mio. Tonnen – entfiel auf Palmöl, dicht gefolgt vom Sojaöl mit 54 Mio. Tonnen und Rapsöl mit 25 Mio. Tonnen. Weltweit nimmt der Verbrauch von Speiseölen- und fetten zu. Auch in der Schweiz ist der Pro-Kopf-Konsum von 13 Kilogramm im Jahr 1980 auf 19 Kilogramm im 2017 angestiegen; 148 000 Tonnen wurden verbraucht. 75 Prozent davon werden durch drei Ölsorten, Sonnenblumen-, Raps- und Palmöl, abgedeckt. Beim Sonnenblumenöl ist der Marktanteil seit dem Jahr 2004 von 40 Prozent auf rund ein Drittel im 2017 gesunken. Rapsöl erlebt wegen den neuen HOLL-Sorten einen Boom und hat den Anteil von 16 Prozent im 2001 auf 26 Prozent im 2017 gesteigert, Tendenz weiter steigend. Chipsproduzent Zweifel will importiertes Sonnenblumenöl durch inländisches HOLL-Rapsöl ersetzen.

Nicht nur die Anteile von inländisch angebauten Ölsaaten steigen, auch der importierte Anteil, wie derjenige an Palmöl, der von 10 Prozent im 2001 auf rund 16 Prozent im letzten Jahr anstieg. Dieser Anteil wird wohl noch steigen, denn der Bundesrat hat im Oktober die Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen mit Indonesien abgeschlossen, bei dem Indonesien Teilkontingente für Palmöl mit Zollrabatten von 20 bis 40 Prozenten zugestanden werden sollen. Im Gegenzug muss Indonesien gewisse Verpflichtungen erfüllen, multilaterale Umweltabkommen einhalten sowie die Grundrechte der Arbeiter garantieren. Am 23. November unterzeichneten die EFTA-Minister am Herbstministertreffen in Genf das Abkommen.
Das Abkommen mit Indonesien biete gute Chancen für den Käseexport, sagte Adrian Aebi, Vizedirektor des Bundesamtes für Landwirtschaft, an der Qualitätstagung von Swiss Granum. Es handle sich schliesslich um das bevölkerungsmässig viertgrösste Land der Erde. Das Abkommen habe auch keine direkten Auswirkungen auf die Schweizer Ölsaatenproduktion, war Aebi überzeugt. Auch Malaysia werde akzeptieren müssen, dass dies die Konzessionen seien, die für die Branche möglich seien. «Wenn Malaysia das nicht einsieht, wird es kein Abkommen geben», sagte Aebi wörtlich.

Knackpunkt Nachhaltigkeit

Die Getreide- und Ölsaatenbranche ist dem Abkommen gegenüber vorsichtig positiv eingestellt. Die Anliegen der Branche hätten einigermassen berücksichtigt werden können, sagte Stephan Scheuner, Direktor von Swiss Granum. Nicht überzeugt ist Marc Müller. Der Chef der Mühlengruppe Minoteries SA sagte: «Mit dem Abkommen werden 10 000 Tonnen zusätzliches Palmöl eingeführt.» Es sei bedenklich, dass Länder, welche sich konträr zum Klimaschutz verhalten würden, mit einem Freihandelsabkommen reingewaschen würden. Und Fritz Glauser, Präsident von Swiss Granum, doppelte nach: Wenn Palmöl nach Schweizer Nachhaltigkeitsstandards produziert werden müsste, gäbe es gar keine Palmölproduktion mehr.

«Es dürfte relativ schwierig werden, nachhaltiges Palmöl zu beschaffen»

sagt Peter Bachmann, VR-Präsident von Pro Fair Trade AG, Rotkreuz. Denn die indonesischen Plantagen seien zu 60 bis 70 Prozent auf Moorböden an­gelegt. Noch wisse man nicht genau, was die Ausführungsbestimmungen zum Freihandelsabkommen beinhalten würden. Auch die Detailanforderungen des RSPO next Label’s werden laut Bachmann zur Zeit nochmals positiv verschärft. Noch im Dezember werden die Akteure aus Handel, Verarbeitung und Detailhandel zusammen mit den NGO über die genauen Anforderungen für den Schweizer Markt befinden. Für Bachmann ist klar, dass der Freihandel kein Freibrief für weniger nachhaltiges Palmöl werden darf. Schon jetzt habe die Schweiz weltweit das nachhaltigste Palmöl, das durch den Standard RSPO+ geregelt sei.

Auch der WWF ist gespannt, wie die Richtlinien konkret aussehen werden. Was «die Sicherung der Nachhaltigkeit» konkret bedeutet, habe die Aussenpolitische Kommission des Nationalrates (APK-N) leider nicht definiert, meint Corina Gyssler vom WWF. Die APK-N hat Anfang November zwei Standesinitiativen abgelehnt, die Palmöl aus den Freihandels­abkommen ausschliessen wollten. Bis heute seien keine konkreten Angaben bekannt, was mit «strengen und durchsetzbare internationalen Standards»gemeint sei. Der Bund hülle sich da in Schweigen. Gemäss APK-N-Sprecherin wird das Parlament erst in der Frühjahrssession darüber befinden.

Erste Verabeitungsstufe berücksichtigen

Christian Florin, Chef der gleichnamigen Ölmühle, hält einen nachhaltigen Anbau von Palmöl in Indonesien für möglich. Wichtig sei aber, dass trotz Abkommen die inländischen Mengen an Ölen gehalten werden könnten. Und das Wichtigste dabei sei, dass die Versorgungssicherheit nicht nur einseitig über die Stützung der Landwirtschaft den Anbau von Ölsaaten gefördert werde. Die Politik müsse auch endlich Stellung dazu nehmen, wie sie zur ersten Verarbeitungsstufe stehe.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch