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«Teenie-Tochter» Hochdorf führt an ZMP-Versammlung zu Diskussionen

Bei der Delegiertenversammlung der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) gaben nebst der politischen Tagesordnung insbesondere die jüngsten Entwicklungen bei der Hochdorf Gruppe zu Reden.

von lid/mos

Der Präsident der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), Thomas Oehen, musste Stellung nehmen zu Hochdorf. (Bild lid)

Der Klimawandel sei in aller Munde, eine grüne politische Welle schwappe auch über die Landwirtschaft, als wäre diese allein für den Klimawandel verantwortlich. So begann Präsident Thomas Oehen die Delegiertenversammlung der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) vom Mittwoch in der Festhalle Seepark in Sempach. 234 Delegierte hörten zu, als der Präsident sagte, für ihn sei klar, dass auch die Landwirtschaft ihren Beitrag leisten müsse, um dem Klimawandel zu begegnen. Die Landwirtschaft dürfe aber nicht zum alleinigen «Sündenbock» der Klimapolitik gemacht werden. Der neue Nachhaltigkeitsstandard («gruüner Teppich»), der bei der Milch eingeführt werden soll, zeige, dass es der Schweizer Milchbranche ernst ist, die Milchwirtschaft nachhaltig zu gestalten.

Den Begriff Nachhaltigkeit klären

Der «grüne Teppich» soll die Nachhaltigkeit bei der Milch auszeichnen und mit 3 Rappen Mehrpreis pro Kilogramm Molkereimilch im A-Segment entschädigen. Zeitpunkt der Einführung sei zwar im Herbst, die Diskussionen seien aber noch lange nicht zu Ende. «Der eine Milchproduzent argumentiert, dass der ökologische Fussabdruck seiner Holsteinkuh mit 10’000 Kilogramm Milchleistung pro Jahr besser sei, als derjenige von zwei Kühen mit nur 5’000 oder 6’000 Kilogramm Jahresleistung», zeigt Oehen die unterschiedliche Auffassung des Begriffs «Nachhaltigkeit» auf. Der andere Milchbauer argumentiere, dass seine an Vollweide gewöhnte Kuh mit 6’000 Jahresleistung den besseren ökologischen Fussabdruck habe, weil sie kein importiertes Eiweiss fresse und zudem auf der Weide artgerechter gehalten werde.

Die Milchmengen der ZMP-Mitglieder konnten 2018 gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent auf 484 Millionen Kilogramm gesteigert werden. Dabei nahm vor allem der Anteil Biomilch Knospe zu, der mittlerweile 9,2 Prozent an der ganzen eingelieferten Milch ausmacht. Das Engagement der ZMP für die Heumilch wurde auch 2018 fortgesetzt, die Heumilch sei aber noch ein zartes Pflänzchen, das es zu schützen gelte.

Die Branchenorganisation Milch als Sprachrohr der Branche

Als weiteren Programmpunkt zeigte Stefan Kohler von der Branchenorganisation (BO) Milch den Nutzen der Organisation für die Milchproduzenten auf. Sie helfe, den Milchmarkt zu stabilisieren und verstehe sich als Sprachrohr der Branche. Kohler gab zu, dass er die Gestaltung der Nachfolge vom Schoggigesetz viel schwieriger erwartet hätte. Aktuell sei man auf gutem Weg, die wichtigen Massnahmen durchsetzen zu können. Zwei Fonds sollen für ein langfristiges Gleichgewicht sorgen. Einerseits sei dies der Fonds «Rohstoffverbilligung Nahrungsmittelindustrie» und der Fonds «Regulierung», die beide als Rückversicherung für die Produzenten fungieren sollen.

Mehrwertstrategie der Branchenorganisation Milch

Anschliessend stellte Stefan Kohler die Mehrwertstrategie vor, die die BO aktuell verbreiten möchte. Es gehe dabei darum, den Mehrwert der Schweizer Milch ganz nach dem Motto «Tue Gutes und sprich darüber» auch in der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Jahrzehntelang sei die Milch unter ihrem Preis verkauft worden, doch die folgenden vier Punkte zeigen den Mehrwert der Schweizer Milch auf, den es zu schützen gelte:

  • Grasland Schweiz: Die artgerechte Fütterung im Grasland Schweiz
  • Schweiz natürlich: Die aussergewöhnlich vielen Familienbetriebe in der Schweiz
  • Glückliche Schweizer Kühe: Der hohe Tierschutz in der Schweiz
  • Schweizer Qualität: Die hohe Qualität des Rohstoffs Schweizer Milch
Mehr Milchmischgetränke

Für die Emmi Gruppe, an der die ZMP den Aktien-Mehrteil besitzt, kamen der Präsident des Verwaltungsrates Konrad Graber und der CEO Urs Riedener zu Wort. Er zeigte auf, wie sich in den letzten Jahren die Konsummuster von Milchprodukten von Konsummilch zu Milchmischgetränken verschoben haben und sprach von überarbeiteten Marktauftritten. Gerade der heisse Sommer 2018 hätte viele Leute dazu bewogen, zum gekühlten Emmi Café Latte zu greifen.

Nach dem Einblick in den Milchmarkt von Pirmin Furrer ergriff Stephan Hagenbuch, Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP), das Wort. Er prophezeite eine bewegte zweite Jahreshälfte auf dem Schweizer Milchmarkt. Gleichzeitig zeigte er sich zuversichtlich, dass der Grüne Teppich am 1. September in Kraft treten könne.