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Vom Orangenmost bis zum eigenen Bier

Der Familienbetrieb Getränke Lussi AG in Stans ist Brauerei, Brennerei, Mosterei, Abfüller und Getränkehändler. Dank einer neuen Abfüllanlage können nebst Glas- auch PET-Flaschen und Dosen abgefüllt werden.

von Roland Wyss-Aerni

Das neue Sudhaus bei der Lussi Getränke AG. Hier werden pro Monat 6000 Liter Bier gebraut. (Bild wy)
Alexandra Lussi, Geschäftsführerin der Lussi Getränke AG. (Bild zvg)

Mit den Hitzetagen brummt beim Nidwaldner Getränkehersteller und -händler Getränke Lussi AG das Geschäft. «Der Konsum wird angekurbelt, das freut uns», sagt Alexandra Lussi, die Geschäftsführerin. Allzu lange allzu heiss dürfe es allerdings nicht werden, «sonst trinken die Leute nur noch Hahnenwasser.»

Selbstverständlich und kompetent gibt Alexandra Lussi zu allem Auskunft, was mit ihrem Betrieb, der Getränke Lussi AG in Stans, zu tun hat. Und das, obwohl sie erst vor zwei Jahren ganz unvermittelt Geschäftsführerin des Familienbetriebs wurde. Ihr Vater, Remigi Lussi, hatte Herzprobleme und konnte nicht mehr arbeiten. «Für mich war klar, dass ich einmal in der Firma arbeiten wollte», sagt sie. «Es war jetzt halt etwas früher als geplant.» Die 28-jährige Alexandra Lussi ist das älteste von vier Geschwistern, sie hat eine kaufmännische Ausbildung und hat einen Abschluss der Höheren Fachschule Wirtschaft. Der geschäftliche Teil der Firma war ihr eher vertraut, alles andere hat sie seither gelernt. Unterstützt wird sie dabei vom Produktionsleiter Bruno Christen und von Elisabeth Lussi.

Alexandra Lussi hat die Firma nicht in einer Phase des Normalbetriebs übernommen, im Gegenteil. 2017 wurde in Oberdorf bei Stans ein Neubau fertiggestellt, in dem sich jetzt die ganze Produktion, Abfüllung, Verpackung, Auslieferung, ein Lager und ein Verkaufsladen befinden. Vorher hatte man zwei Standorte, einen in Stans – die Brennerei und die Mosterei – und einen in Beckenried, wo abgefüllt wurde. Beibehalten wurde der Getränkemarkt in Stans. Zu der Mosterei und der Brennerei, welche die Getränke Lussi AG schon früher betrieben hat, kam neu eine Brauerei. Remigi hat sich schon lange ein Bier aus eigener Produktion gewünscht, um auch die Abfüllkapazitäten besser auslasten zu können.

Neu ein eigenes Bier

Das neue «Migi-Bräu»-Bier wurde im März 2018 lanciert und wurde von den Nidwaldnern gut aufgenommen. Knapp 500 Hektoliter wurden im ersten Jahr produziert, im 2019 soll der Ausstoss verdoppelt werden, «man muss sich hohe Ziele setzen», lacht Alexandra Lussi. Inzwischen gibt es von «Migi-Bräu» die vier Versionen Lager, naturtrüb, Weizen und neu als Spezialbier ein Indian Pale Ale. Der Name entstand in Anlehnung an den Namen des Grossvaters – und des Vaters, der auch Remigi heisst und heute der Inhaber ist. Ende April 2019 wurde das neueste Produkt, das «Migi-Bräu IPA» (Indian Pale Ale), mit einem Fassanstich durch Regierungsrat Othmar Filliger lanciert.

Das «Migi-Bräu» gibt es in der Flasche, in der Dose und im Fass. Um zu wachsen, setzt die Getränke Lussi AG in ihrem «Einzugsgebiet» in den Kantonen Nidwalden, Obwalden und Uri stark auf Privatkonsum und auf kleinere Feste, sie will ihr Bier aber vermehrt auch in den Gaststätten etablieren, als Zweitbier hinter einer der grossen Marken, mit denen die Gastwirte ihre Hauptverträge haben.

Ein holländischer Brauer

Um die Bierproduktion kümmert sich bei Getränke Lussi AG Marko Versteeg, ein 38-jähriger niederländischer Braumeister, der sein Diplom in Berlin gemacht hat und mit seiner Familie vor eineinhalb Jahren nach Stans gezogen ist. Versteegs Kunst ist es, trotz allfälliger leichter Unterschiede bei den Rohstoffen ein geschmacklich möglichst konstantes Bier zu brauen. Fürs Brauen verwendet er Malzkörner, die er selber schrotet, für ein Bier werden mindstens zwei Malzsorten gemischt. Die Hopfenpellets stammen aus Deutschland. Für das neue IPA wird Hopfen aus England und Deutschland verwendet. Der Sudkessel hat eine Kapazität von 20 Hektoliter, Versteeg braut pro Monat drei bis vier Mal, so entstehen monatlich 6000 bis 8000 Liter Bier.

Klassiker im Getränkesortiment sind der Migi Moscht, ein vergorener Obstsaft, und der Orangenmost, eine Mischung aus Orangensaft und Apfelsaft. Gemostet und gebrannt wird ab dem Spätsommer, wenn die regionalen Früchte geerntet werden. In der Mosterei schwankt die angenommene Menge jährlich stark, 2018 wurden 186 000 Kilogramm Äpfel und 390 000 Kilogramm Birnen verarbeitet. In der Brennerei entstehen Brände aus Zwetschgen, Kirschen, Pflümli, Birnen oder Kräuter, seit 2015 auch ein Gin, der «MiGin», dessen Rezept nur die Brennmeister kennen, wie Alexandra Lussi erklärt.

Eine flexible Abfüllanlage

Glanzstück in der Produktion ist die neue Abfüllanlage. Sie kann sowohl Glasflaschen als auch PET-Flaschen und Aludosen befüllen, 3500 Stück werden pro Stunde befüllt. Weil der Platz begrenzt war, liess Remigi Lussi bei einem slowenischen Anlagenhersteller die flexible Anlage planen. Mit den verschiedenen Gebinden unterscheiden sich nicht nur die Materialien, es braucht auch verschiedene Drücke, um die Gebinde zu verschliessen. Es habe nicht alles auf Anhieb geklappt, sagt Alexandra Lussi, das sei aber nicht weiter erstaunlich. Weil die Abfüllung eine Art Pionieranlage ist, gibt es auch immer wieder Besucher aus allen möglichen Ländern, welche die Anlage im Praxisbetrieb besichtigen wollen. Die neue Anlage hat rund 800 000 Franken gekostet, insgesamt hat Lussi in Oberdorf 20 Millionen Franken investiert.

Mit den neuen Anlagen brauche es nicht weniger Personal als früher, sagt Alexandra Lussi, aber die Mitarbeitenden hätten jetzt etwas andere Aufgaben mit der Steuerung und Überwachung und hätten sich da einarbeiten müssen. Was immer noch von Hand passiert, ist das Schliessen der Bügel bei den Glasflaschen. Dafür braucht es erfahrene und kräftige Hände, der routinierteste Mitarbeiter im Betrieb schafft zu Beginn des Produktionstages 2800 Flaschen pro Stunde.