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«Wir müssen Magermilch abbauen»

Wo Thomas Eisenring künftig akquirieren will, warum das baltische Milchwerk nicht läuft und wo der Hochdorf-CEO künftig aktiver werden will, sagt er im Interview. alimenta: Hochdorf verarbeitete letztes Jahr viel weniger Milch. Bedeutet dies einen Strategiewechsel weg vom Überschussverwerter?

von Hans Peter Schneider

«Wir müssen unser Portfolio bereinigen. Verlust­bringer müssen weg», sagt Hochdorf-CEO Thomas Eisenring.

alimenta: Hochdorf verarbeitete letztes Jahr viel weniger Milch. Bedeutet dies einen Strategiewechsel weg vom Überschussverwerter?

Thomas Eisenring: Soviel weniger Milch war das nicht. Aber alleine durch unser Wachstum im Bereich Babynahrung werden wir sehr viel mehr Milch brauchen. Dafür werden wir die Mengen im klassischen BtoB-Bereich weiter zurückfahren.

Was sagen Ihre Milchlieferanten dazu?

Für diese ist es eine erfreuliche Entwicklung. Je höherwertig ein Produkt ist, desto mehr Milchgeld können wir auch bezahlen.

Warum ist das klassische BtoB-Geschäft mit Dairy Ingrediens unrentabel?

Momentan haben wir ein Problem mit der hohen Fettbewertung und der tiefen Proteinbewertung. Da Hochdorf jedoch keine Fettverwertung hat, kämpfen wir mit den hohen Anteilen von Magermilchkomponenten in unserem Portfolio. Diese müssen wir signifikant abbauen und das Portfolio bereinigen. Verlustbringer müssen weg, aber gleichzeitig müssen wir gewinnbringende neue Produkte einführen.

Gibt es in der Schweiz noch Akquisitionsmöglichkeiten?

Grundsätzlich können wir in der Schweiz nur im Babyfood-Bereich investieren. Alles andere, zum Beispiel im Bereich Cereals, müssen wir in der EU produzieren und von dort exportieren. Das heisst, wir werden künftig im Ausland akquirieren.

Auch das baltische Milchwerk steht im Ausland, wo Hochdorf 2017 einen Verlust machte. Wann wollen Sie dieses verkaufen?

Wir prüfen im Baltikum diverse Optionen, die schon sehr weit fortgeschritten sind. In den nächsten Wochen wird dort ein Entscheid fallen.

Wo liegt das Problem in Litauen?

Das Hauptproblem ist, dass wir dort ein reines Proteinwerk haben. Der Proteinpreis ist aber komplett am Boden. Das zweite Problem sind die hohen Milchpreise, die in Litauen politisch durchgesetzt werden.

Gibt es auch ein Problem mit dem Lieferembargo nach Russland?

Es wurde etwas nach Russland exportiert, was natürlich weggefallen ist. Aber das waren kleinere Mengen.

Alle staunen, dass Hochdorf in afrikanischenLändern wie Senegal, Nigeria oder Mauretanien investiert.

Man stellt uns immer wieder die gleichen Fragen nach den Risiken in diesen Ländern. Doch man muss auch die Chancen sehen. Es gibt auch in Afrika zahlungskräftige Schichten und zudem steht das Kleinkind in Afrika an erster Stelle. Auch haben wir in diesen hochinteressanten Märkten mit viel weniger Wettbewerbern zu kämpfen.

Hochdorf will auch vermehrt auf eigene Marken setzen. Kann sich diese teure und aufwändige Strategie lohnen?

Wir haben jetzt nur eine eigene Marke geplant, die wir im Bereich «Instant Milk» einsetzen wollen. Sonst versuchen wir uns Markenrechte zuzukaufen, wie wir es zum Beispiel bei «Snapz» gemacht haben. Aber es ist in der Tat teuer.

Bei der Übernahme der Uckermärker Milch GmbH planten Sie, mit dort hergestellten Produkten aus deutscher Milch Lateinamerika zu beliefern. Der Markt in Südamerika läuft aber nicht. Was ist passiert?

Wir wurden überrascht von der extrem dynamischen Entwicklung unserer Kunden, die Schweizer Milch wollen. Darum entschlossen wir uns, diese Investition dennoch in der Schweiz zu machen. 

Was würde für Hochdorf ein Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten bedeuten?

Mercosur bedeutet für uns einfach Mexiko und Brasilien, und diese Märkte sind schwierig. Wir wollen uns eher auf Afrika und den mittleren Osten fokussieren. Wir machen in Lateinamerika aber auch gute Erfahrungen, in Peru haben wir ein interessantes Projekt, und in Kolumbien sind wir mit einem Kunden, mit welchem wir erst vor zwei Jahren gestartet sind, heute schon auf 1800 Tonnen Kindernährmittel.

Wird die erste Umsatzmilliarde von Hochdorf noch in Ihrer Amtszeit erreicht?

Umsatz ist für uns nicht so wichtig, doch ich bin schon der Meinung, dass wir das in meiner Amtszeit noch schaffen werden. 

Interview: Hans Peter Schneider