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Landwirtschaft zwischen Markt und Politik

Mehr Markt oder Direktzahlungen und wie sollen die ausgestaltet sein? Diese Fragen treiben seit Jahrzehnten die Schweizer Landwirtschaft um - auch am zehnten Podium des Berner Bauernverbandes.

Die Podiumsteilnehmer: Aline Plüss, Lütschental, Marc Lehmann, Oberbottigen, Adrian Brönnimann, Englisberg, Patti Basler, Moderatorin, Hansjörg Rüegsegger, Präsident BEBV, Christine Badertscher, NR Grüne, Michael Gysi, Vorsteher LANAT. (zVg)

Obwohl die Schweizer Landwirtschaft mit ihren Leistungen nicht schlecht dastehe, ist sie dennoch im Zerreissfeld zwischen Politik und Markt gefangen. Dies wurde am Podium des Berner Bauernverbandes wieder einmal deutlich.
«Wir erlebten ein Jahr mit vielen politischen Entscheiden, aber auch die Natur zeigte ihre Eigenheiten», sagte Hansjörg Rüegsegger zum 2021. Der Präsident des Berner Bauernverbandes konnte die Teilnehmer schon zum zehnten Mal begrüssen. Das Podium im Schlossgut in Münsingen solle jeweils gleich nach dem Neujahr Impulse liefern. Dieses Jahr fand es unter dem Motto: Ziele statt Massnahmen - «das würde ich tun wenn man mich liesse», statt. Dies wüsste Marc Lehmann schon. Nämlich Landwirtschaft betreiben mit weniger störenden Ämtern und Politikern. Der Milchproduzent möchte lieber den Markt spielen lassen und man solle anfangen darüber zu sprechen, ob es dieses oder jenes Amt noch brauche, sagte der Landwirt aus Oberbottigen. «Unsere Generation hat gelernt damit zu leben, dass der Milchpreis nicht mehr 80 Rappen beträgt», sagte Lehmann. Aber klar arbeite er auch lieber, wenn der Milchpreis gut ist, was im teilliberalisierten Milchmarkt, mit der geschützten weissen Linie, eher möglich sei. Doch andererseits bedeute der Zollschutz auch, dass die Futtermittelpreise hoch bleiben würden, so Lehmann. «Der Zollschutz ist wichtig», widersprach Christine Badertscher, Nationalrätin der Grünen. Diesen dürfe man unter keinen Umständen aufgeben.
Nicht von Almosen des Staates leben
Auch Adrian Brönnimann aus Englisberg möchte weniger Bürokratie und Auflagen in der Landwirtschaft. Er produziert Milch und insbesondere Kartoffeln, die er zu «Röschti» verarbeitet und an die Gastronomie liefert, wobei die Pandemie dem Geschäft einen Strich durch die Rechnung gemacht habe. «Ich möchte nicht von den Almosen des Staates, sondern vom Verkauf meiner Produkte leben», sagte Brönnimann. «Die Wertschätzung für Nahrungsmittel sollte steigen». Michael Gysi, Amtsvorsteher des LANAT meinte: Brönnimann habe ihm aus dem Herzen gesprochen. Auch ihn beschäftige die tiefe Wertschätzung gegenüber der Nahrungsmittelproduktion. «Wir bezahlen immer mehr für Versicherungsprämien, aber immer weniger für Nahrungsmittel», so Gysi. Und ja, weniger Administration wäre ein Befreiungsschlag. Dabei biete die Digitalisierung grosse Chancen. Damit könne der administrative Aufwand für die Landwirte stark gesenkt werden.
Die «grossen» Ziele angehen
«Statt gesamtschweizerisch etwas zu «chnorzen», müsste man mehr von Zielen, statt immer nur von Massnahmen sprechen», sagte Hansjörg Rüegsegger. Die grossen Herausforderungen mit dem Klimaschutz würden sowieso erst kommen. Damit müsste man zum Beispiel über Biogasanlagen um Gemüse zu produzieren sprechen, statt über Zentimeter im Tierschutz, ist Rüegsegger überzeugt und meinte: «Das ganze System muss geändert werden». Anfangen könne man zum Beispiel, wenn der Name «Direktzahlungen» aus dem Spiel genommen werde.
Sowieso habe die junge Generation Dampf, egal mit welchem Label produziert werde und egal wo ihr Betrieb liege. «Es hat zuviele Labels - einfach Schweiz reicht», sagte demgegenüber Marc Lehmann und verwies auf das Beispiel der Milch. Dort habe es momentan zuwenig und jetzt hätten die Milchverarbeiter endlich realisiert, dass wenn die Bauern aufhören würden zu melken, sie auch nie wieder beginnen würden. «Jetzt ist zuwenig Milch da», sagte Lehmann. «Die Milch wird aber unter der Marke Schweiz verkauft, das eröffnet Chancen in der Produktion». Sowieso solle die Schweizer Landwirtschaft besser produzieren, statt nur auf Ökoflächen setzen
Teil der Lösung werden
«Die Landwirtschaft muss anerkennen, dass sie ein Teil des Problems ist», sagte Christine Badertscher. Zum Beispiel bei den Nährstoffüberschüssen oder dem Verlust der Biodiversität. Dafür müsse man Lösungen finden. Man könne aber auch anerkennen, dass die Schweizer Landwirtschaft auch gute Leistungen zeige. Zum Beispiel sei sie Weltmeister bei der Milchviehfütterung - der Kraftfuttereinsatz pro Kuh ist so tief wie nirgends sonst - oder bei den Schlachtkühen, wo die Trächtigkeitsrate nur knapp über einem Prozent liege, so Christine Badertscher und: «Aber ja, das System ist nicht perfekt». Man müsste es für jeden Betrieb einzeln machen können, was leider nicht möglich sei, denn schon nur im Kanton Bern gebe es riesige Unterschiede. Ausserdem sei es einfach ein Fakt, dass die Zahlungen nicht an die Produktion gebunden werden dürften, das habe schliesslich die WTO bestimmt. Gleichzeitig dürfe es auch nicht sein, dass Sozialpolitik mit Lebensmittelpreisen vermischt werde, so Badertscher.
Auch für Michael Gysi gebe es kein anderes System als die Direktzahlungen. Die Leistungen der Landwirtschaft, zum Beispiel beim Tierwohl oder der Umwelt seien wichtig. Es bestehe heute ein Konsens, dass die Bauern auch diese Leistungen produzieren würden, so Gysi. «Die Bevölkerung erwartet Leistungen im Umweltschutz», so Gysi. «Das haben die Abstimmungen im letzten Sommer gezeigt» (Pestizid und TWI). Damit sei es wichtig, dass man dort einen Fortschritt zeigen könne. 3,5 Milliarden Franken sei ein grosser «Batzen», sagte er Gysi. Wenn Geld bezahlt werde, dann müssten Gegenleistungen kommen. Dabei müsse die Administration zeigen können, damit der Konsens in der Bevölkerung bestehen bleibt.
Zitate die am Podium gefallen sind:
«Die Klimajugend fordert und die Diskussion ist unvermeidlich», Hansjörg Rüegsegger
«Es braucht die gesamte Wertschöpfungskette in der Diskussion», Christine Badertscher.
«Die Infrastrukturkosten in der Schweizer Landwirtschaft sind viel höher als im Ausland», Michael Gysi.
«Wir befinden uns hier an einer 5-G-Veranstaltung - geimpft, genesen, getestet, gesund, oder einfach geili Sieche», Patti Basler, Moderatorin.
«Auch Hansjörg Rüegsegger ist ein geiler Siech - er hat nicht nur 3G in seinem Nachnamen, sondern sogar einen im Vornamen», Patti Basler.
«Ich rede meinem Partner in der Betriebsgemeinschaft nicht drein und habe volles Vertrauen was er spritzt» (Pflanzenschutz), Adrian Brönnimann, Landwirt.
«Wenn ich Alain Berset wäre, würde ich Adrian Brönnimann gleich einstellen, er hat volles Vertrauen was sein Partner spritzt» (Impfstoff), Patti Basler.

Milchwirtschaftliches Museum

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