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SVP lanciert Bauern-Initiative für höhere Selbstversorgung

Mit einer neuen Volksinitiative wollen die SVP-Nationalräte Esther Friedli und Marcel Dettling den Selbstversorgungsgrad bei Lebensmitteln auf 60 Prozent erhöhen.

von pd/wy

Die beiden SVP-Nationalräte Esther Friedli (45) und Marcel Dettling (41) wollen eine neue Volksinitiative lancieren, um den Netto-Selbstversorgungsgrad der Schweiz mit Lebensmitteln auf mindestens 60 Prozent zu steigern. Mit Netto-Selbstversorgungsgrad ist die Inlandproduktion ohne importierte Futtermittel gemeint, dieser lag 2019 bei 50 Prozent. Gegenüber dem Blick erklärte Friedli, die Agrarpolitik des Bundesrates sei verfehlt. Mit den vorgeschlagenen Reduktionen bei Nährstoffen und zusätzlichen Biodiversitätsförderflächen sinke die Agrarproduktion in der Schweiz und der Selbstversorgungsgrad weiter. «Der Bundesrat übertreibt völlig und steigert damit die Auslandsabhängigkeit bei Lebensmitteln noch mehr», wird Friedli zitiert.
Eine Steigerung des Selbstversorgungsgrads wäre möglich, wenn die politischen Anreize fürs Produzieren höher wären als «fürs Nichstun», sagt Dettling. Es könne nicht sein, dass ein Bauer mehr verdiene beim Schmetterlinge zählen als beim Produzieren von Nahrungsmitteln.
Ins Visier nehmen die beiden Initianten aber nicht etwa Agrarminister Guy Parmelin, sondern die Umweltministerin Simonetta Sommaruga. Diese habe im Bundesrat ihre Umweltanliegen durchgedrückt.
Der Anteil der Biodiversitätsflächen betrage schon heute 19% statt der 7%, die vorgeschrieben sind, argumentieren die beiden. Nun solle noch weiteres Ackerland umgewandelt werden. Wenn man auf den 10’000 Hektaren, um die es gehe, Brotgetreide anbauen würde, könnte damit eine Million Menschen mit Brot versorgt werden, sagt Friedli.
Die Viehhaltung solle aber nicht auf Kosten des Getreideanbaus reduziert werden: Der Initiativtext sieht vor, dass die Viehwirtschaft gestärkt werden soll.
Schliesslich soll mit der Initiative auch die Bürokratie im Landwirtschaftsbereich reduziert werden. Die aktuelle Agrarpolitik mache die Bauernfamilien zunehmend abhängig vom Staat mit Anforderungen und Vorgaben. Hier wolle man für einen Befreiungsschlag sorgen.