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Proteine als Innovationsquelle

Am 13. Oktober 2016 findet an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL die Tagung «Proteine als Innovationsquelle» statt. HAFL-Dozent Daniel Heine erklärt, was der Anlass bringt.

von alimenta

alimenta: Herr Heine, was ist das Ziel der Tagung «Proteine als Innovationsquelle?»
Daniel Heine: Das Ziel ist, einen Überblick über alternative Proteinquellen und deren Möglichkeiten in der Entwicklung von Lebensmitteln in der Schweiz zu geben. Wir wollen auch vernetzen zwischen Unternehmen, die an alternativen Proteinquellen interessiert sein könnten, und möglichen Entwicklungspartnern.
Wer ist das anvisierte Zielpublikum?
Vertreter der Lebensmittelindustrie, der Forschungsinstitutionen und der Bundesinstitutionen, die sich für das Thema interessieren.
Was kann die HAFL selber zu diesem Thema bieten?
Dadurch, dass wir eine landwirtschaftliche Ausrichtung haben, widmen wir uns unter anderem dem Thema, welche Pflanzen sich in der Schweizer künftig gut anbauen lassen. Es geht auch um die Frage, ob es realistisch ist, einen gewissen Anteil alternative Proteine in der Schweiz zu entwickeln und anzubauen. Dabei geht es über die unmittelbare Produktinnovation hinaus auch um Nachhaltigkeit, um die Frage, ob es überhaupt Sinn macht.
Und wie stehen die Chancen?
Hans Ramseier, unser Dozent für Pflanzenschutz und ökologischen Ausgleich, wird dazu mehr sagen. Er hat auch einige Erfahrungen mit Erbsen für die Tierernährung, aber auch mit Soja für Lebensmittel. Er hat sich um die feldbaulichen Aspekte gekümmert, also um die Frage, wie Soja in der Schweiz in Bioqualität und mit genügend Ertrag angebaut werden kann. Soja braucht im Anbau relativ viel Wärme, deshalb wird in manchen Projekten auch geprüft, welche andere pflanzlichen Proteinquellen in Frage kommen – vielleicht alte Hülsenfrüchte, die in der Schweiz in Vergessenheit geraten sind.

Was kann die HAFL im Bereich der Verarbeitung solcher Proteine bieten?
Das Thema der Diversifizierung der Proteinversorgung ist ja weltweit relevant und es wird auch in der Schweiz von mehreren Forschungsstätten bearbeitet. Die Verarbeitung alternativer Proteinquellen muss von mehreren Blickwinkeln aus betrachtet werden. Es gilt zu klären, wie man aus verschiedenen pflanzlichen Rohstoffen Proteine möglichst effizient gewinnen kann, aber auch, wie diese dann den Ansprüchen verschiedener Lebensmittelanwendungen gerecht werden können. An der HAFL widmen wir uns unter anderem der Frage, welche technologischen Eigenschaften alternative Proteine haben und wie diese mittels neuer Verfahren gezielt verändert werden können.

Was sehen Sie als Hauptherausforderung?
Es benötigt das Zusammenspiel aller Akteure der Wertschöpfungskette, um die Fragestellungen umfassend aufgreifen zu können. Wir sind beispielsweise auch im Gespräch mit Industriepartnern, die an pflanzlichen Proteinalternativen als schweizerischem Rohstoff mit gewissen Eigenschaften und Qualitäten interessiert sind, allerdings nicht die Kompetenzen zur Eigenherstellung haben. Hier gilt es, Chancen für die Schweizer Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie zu prüfen und proaktiv einen Teil der Proteinversorgung von morgen mitzugestalten.
Interview: alimenta