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Hug baut in Malters aus

Biskuithersteller Hug AG investiert 50 Millionen Franken in Malters, um die Produktion aus dem Wernli-Standort Trimbach zu integrieren. 2017 ist Hug umsatzmässig um 2,7 Prozent gewachsen.

Das (Familien)- Management der Traditionsfirma.

Dass der Standort Trimbach mit der Biskuitproduktion von Wernli nach Malters verlagert werden soll, gab Hug schon im Sommer 2017 bekannt. Nun präsentierte Hug den Medien die konkreten Pläne für das Bauprojekt, das unter dem Namen «Backhaus» bis 2020 realisiert werden soll. «Die Investition von 50 Millionen Franken ist ein halber Jahresumsatz», sagte Geschäftsführer Andreas Hug am 24. Januar 2018 in Malters vor den Medien, «das ist für uns ein Meilenstein.» Die Erweiterung werde dem Unternehmen wichtige Synergien bei Logistik, Energiebedarf und Unterhalt ermöglichen. Von den 128 in Trimbach Angestellten wolle man möglichst viele auch am neuen Produktionsstandort beschäftigen, sagte Hug. 15 Stellen aus den produktionsnahen Bereichen würden wegfallen, Kündigungen seien aber heute nicht geplant, einiges werde sich in den nächsten drei bis vier Jahren durch normale Abgänge regeln.

Standort Willisau vorerst unangetastet

Die beiden Standorte Malters und Trimbach sind etwa gleich gross, mit dem Umzug wird deshalb die Produktionskapazität in Maltes praktisch verdoppelt. Andreas Hug sagte, man habe nach der Übernahme von Wernli im Jahr 2008 schon bald gemerkt, dass man mit den drei Standorten «etwas grosse Kleider anhatte» und sich Überlegungen gemacht, wie man in die Zukunft gehen wolle. Zuerst habe es Pläne gegeben, die Biskuitproduktion auf Trimbach und die Cracker- und Tartelettesproduktion auf Malters zu konzentrieren. Aber letztlich habe man gesehen, dass eine Zusammenlegung am meisten Synergien bringe. Zur Frage, ob der Standort Willisau, wo die Willisauer Ringli hergestellt werden, auch zur Diskussion stehe, sagte Hug:

«Willisau bleibt, mindestens bis das Backhaus realisiert ist, unangetastet.»

Anna Hug, die Tochter von Verwaltungsratspräsident Werner Hug und Verantwortliche für die Produktentwicklung, stellte das Projekt vor. In Trimbach werden heute sämtliche Produkte hergestellt, die Schokolade enthalten. Die entsprechenden Produktionslinien sind länger als diejenigen in Malters, weil die Schokolade längere Auskühlzeiten benötigt. Entsprechend gross ist in Malters der Platzbedarf für die fünf Linien aus Trimbach, die Fläche wird fast verdoppelt von 12 000 auf 23 000 Quadratmeter. Neu wird auch ein automatisiertes Lager mit 1000 Palettenplätzen gebaut.
In Malters wird auch ein innovatives und nachhaltiges Energiekonzept umgesetzt, mit Abwärmegewinnung aus der Produktion, aus Druckluftproduktion und Kühlung, mit Strom aus Wasserkraft, einem erhöhten LED-Anteil und neuer Gebäudedämmung. Pro Jahr könne man so 90 000 Liter Öl sparen, sagte Andreas Hug. Durch wegfallende Lastwagenfahrten zwischen Trimbach und Malters sollen über 90 000 Fahrzeugkilometer wegfallen. Hug rechnet damit, dass die Baubewilligung im Sommer erteilt ist und dass im Herbst mit dem Bau begonnen werden kann. Zwei Jahre später soll mit der Produktion begonnen werden können.

Umsatzsteigerung dank Dar-Vida und Tartelettes

Mit dem Geschäftjahr 2017 zeigte sich Hug zufrieden. Der Umsatz stieg um 2,7 Prozent auf 116,6 Millionen Franken, die verkaufte Menge von 11 084 auf 11 466 Tonnen. Dabei sind auch Produkte von anderen Herstellern miteingerechnet. Die Produktion von Hug selber konnte um 5 Prozent auf 9242 Tonnen gesteigert werden.
Ein wichtiger Teil des Erfolgs sind die Vollkorn-Cracker Dar-Vida. Der gesamte Vollkorn-Cracker-Markt in der Schweiz mit dem Migros-Produkt Blévita und anderen Produkten ist rund 76 Millionen Franken stark, Hug hat davon einen Marktanteil von einem Drittel und konnte den Umsatz um 8 Prozent steigern.

Schwierig ist der Schweizer Biskuitmarkt, der im im Jahr 2016 immerhin noch um knapp 2 Prozent wuchs, 2017 aber um 1,1 Prozent auf 298,4 Millionen Franken schrumpfte. Migros verlor 1,1 Prozent, Coop 2,1 Prozent, Denner gewann dank Promotionen 10,7 Prozent an Umsatz. Der Export von Biskuit in EU-Länder ist für Hug keine strategische Position mehr, interessant sind aber Länder im Nahen und im Fernen Osten.
Positiv entwickeln sich für Hug die Exporte mit den «Filigrano»-Tartelettes für den Bereich Food Service, sowohl in Europa wie auch in asiatischen Ländern. In Hong Kong, Japan und Frankreich seien die Verkäufe stark steigend, sagte Hug. Das Besondere an den Tartelettes: Sie haben dünne, senkrechte Seitenwände und sind mit Butter, aber ohne Palmfett produziert. Verkaufsargumente, die den im Vergleich zur ostasiatischen Konkurrenz höheren Preis rechtfertigen.

Für 2018 hat Hug eine Reihe von Neulancierungen geplant: Bei Dar-Vida soll eine weitere Bio-Variante für Coop folgen. Neu sind auch eine Wiener Waffel mit exotischer Füllung, verschiedene Schokoladen-Biskuits und ein Willisauer Ringli mit Caramel.
roland.wyss@rubmedia.ch