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Holzenergie für Mehl und Käse

Am Tor zum Simmental steht eine Fabrik, die aus jährlich 9000 Kubik­metern Holzschnitzeln Wärme produziert. Diese Energie fliesst in die Mühle Burgholz und in die neue Käserei der Simmental Switzerland AG.

von Hans Peter Schneider

Die Geschäftsführer der beiden Firmen mit ihrem «Oil of Simmental», Ernst Arn von Simmental Switzerland AG (l.) und Diego della Cà von der Mühle Burgholz.
Die Energie die in der Wärmezentrale erzeugt wird...
...wird zum Teil in der Mühle Burgholz...
...jedoch zum grössten Teil in der neuen Käserei der Simmental Switzerland AG verbraucht.

Mit dem «Oil of Simmental» wollen zwei Lebensmittelhersteller ihre Produkte herstellen. Die Simmental Switzerland AG, die ab nächstem Herbst viel Käse in ihrer neuen Käserei herstellen will und die Mühle Burgholz, die unter anderem Mehl für die Brotlinie «100% Bern» mahlt, investierten vier Millionen Franken in eine sogenannte Energiezentrale. Dort soll aus Hackschnitzeln – dem «Oil of Simmental» jährlich Energie im Gegenwert von 670 000 Liter Heizöl produziert werden. «Wir sparen damit 1700 Tonnen CO2 ein», sagte Donat Schneider, Chef der Milchhandelsorganisation Aaremilch, welche die Käserei baut.

Wertschöpfung erwartet

Die 1800 Milchlieferanten, die zusammen 6 Mio. Franken Milchgeld in die neue Käserei investieren, erwarteten eine innovative Wertschöpfung, sagte Schneider an der Eröffnung der Wärmezentrale in der Industriezone Burgholz in Oey. Diese könne man jetzt bieten, es stamme nicht nur die Milch aus dem Simmental, sondern auch die Energie, die zur Käseherstellung benötigt werde. Diese verlängerte Wertschöpfung sei nicht nur CO2-neutral, sondern könne auch im Markt gute Argumente für die Produkte der neuen Käserei liefern. Ernst Arn, der Geschäftsführer der Simmental Switzerland AG, sagte: «Wir machen nichts anderes als das, was der Käser seit Hunderten von Jahren macht, nämlich Milch im Kessi mit Holz erhitzen.»

Wärme auch für die Mühle

Nicht nur die Milch soll künftig mit Holzenergie auf 104 erhitzt werden, die Wärmeenergie fliesst auch in die nebenstehende Mühle, denn auch für die Mühle Burgholz ist eine regionale Wertschöpfung zentral. So wird dort seit zwei Jahren Berner Weizen gemahlen und das Brot unter dem Label «100% Bern» in Berner Bäckereien gebacken und verkauft. Da sei es optimal, die Energie lokal zu beziehen, sagte Diego della Cà, Geschäftsführer der Mühle Burgholz.

In zwei Holzschnitzellager werden total 1000 m3 Schnitzel gelagert und in zwei Öfen à 1200 kWh verbrannt. Dabei brauchen die Filteranlagen mehr Platz als die Öfen. Dort wird gemäss Hansueli Jungen, dem Vizepräsidenten der Aaremilch, Wärme zurückgewonnen. Was zum Kamin herauskomme, das sei praktisch rein, sagte Jungen. Die Wärme wird in der Energiezentrale in zwei Speichern à 34 000 und 14 000 Litern gespeichert. Zusätzlich befinden sich in der Käserei, die zu fast 90 Prozent die Wärmeenergie in Form von 104-Grad-Wasser verwenden wird, zwei Speicher zu 40 000 Litern. Schon während des Baus wird Wärme geliefert. Dort dient sie der Bautrocknung, bevor mit dem Innenausbau begonnen wird.

Ebenfalls Solarenergie

Nicht nur mit Holz, sondern auch mit der Sonne wird Energie erzeugt. Nämlich mit der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Wärmezentrale. Die Panels der Anlage stammten nicht aus China, sagte Jungen, sondern seien in Polen auf einer Meyer Burger-Anlage produziert worden. Damit werde jährlich zusätzlich 70 Gigawatt Strom produziert.

Die Energiezentrale hat 4,2 Millionen Franken gekostet. Dabei steuerte der Kanton Bern 880 000 Franken in Form eines à-fond-perdu-Beitrages im Rahmen der neuen Regionalpolitik (NRP) bei. Zusätzlich konnte die Energiezentrale von einem zinslosen Darlehen in Höhe von einer Million Franken profieren. Der Rest stammt aus dem Eigenkapital und Bankkrediten.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch