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Eine neue Käserei als Touristenmagnet

In Le Noirmont wurde am 5. April die Fromagerie des Franches-Montagnes eröffnet. Die Schaukäserei soll mit einem neuen Besucherzentrum nicht nur Käseliebhabern, sondern auch Touristen etwas bieten.

von Roland Wyss

12 Millionen Franken kostete der Neubau der Käserei.
Die Käserei umfasst zwei Keller...
...mit Platz für 100 Tonnen Käse.
Betriebsleiter ist Christian Kälin.
Die Equipe im Verkaufsladen ist bereit für die ersteen Kunden.
In zwei Kessi mit je 6600 Liter Volumen wird gekäst.
Der jurassische Regierungsrat Jacques Gerber begrüsste die Käserei als wichtigen Player für Wirtschaft und Tourismus.
v.l.n.r.: Guillaume Lachat, Direktor Jura Tourisme, Nicolas Gogniat, Präsident der Milchgenossenschaft Le Noirmont, Jacques Gerber, Regierungsratspräsident Kanton Jura, Christophe Eggenschwiler, VR-Präsident der Fromagerie, Claude Kilcher, Stadtpräsident von Le Noirmont, Daniel Studer, Vizepräsident MIBA, Jacques Gygax, Präsident der Sortenorganisation Tête de Moine AOP.
Christophe Eggenschwiler ist auch Verwaltungsrats­präsident der Fromagerie des Franches-Montagnes.

Das ganze Wochenende lang wurde im jurassischen Le Noirmont die Eröffnung der neuen Käserei am Dorfrand gefeiert. Startschuss zu den Feierlichkeiten war die offizielle Einweihung der Käserei, mit rund 200 Gästen aus der Käse- und Milchbranche, aus Wirtschaft und Politik. Die neue Käserei bietet als Schaukäserei einen Besucherbereich mit interaktiven Animationen und Degustationsmöglichkeiten, einen Verkaufsladen, einen Mehrzweckraum, einen Spiel- und einen Picknickplatz.

Der jurassische Regierungspräsident Jacques Gerber betonte, die neugebaute Käserei sei als Arbeitgeberin und als touristischer Player wichtig für den Kanton Jura. Nach dem neuen Besucherzentrum «Chez Camille Bloch» und dem Maison de l’Absinthe in Moutier biete die Käserei eine weitere kulinarische Attraktion für Touristen. Christophe Eggenschwiler, Verwaltungsratspräsident der Käserei, betonte die Rolle der Genossenschaft MIBA. Sie wolle Mehrwerte für die Milchproduktion in ihrem Gebiet generieren. Jacques Gygax, Präsident der Sortenorganisation Tête de Moine AOP, bezeichnete das Engagement von MIBA als zukunftsweisend. «Mit dieser Investition zeigt die MIBA, dass sie an unser Produkt glaubt. Und mit der Schaukäserei ergänzt sie das bestehende Angebot auf sinnvolle Weise.»

Die Fromagerie produziert unter der Führung des Käsers Christian Kälin täglich Tête de Moine AOP, am Wochenende Gruyère AOP und nach Bedarf drei Spezialitäten. «Noirmont» und «Franches-Montagne» sind zwei unterschiedlich lang gereifte Halbhartkäse, die auf den Gruyère-Pressen produziert werden, der «Roc-Montès» ist von der Form her ähnlich wie ein Tête de Moine, aber weicher und rahmiger. So kommen jährlich 300 Tonnen Tête de Moine AOP, 50 t Gruyère AOP und 25 t Spezialitäten zusammen.

Die Fromagerie wurde während zwei Jahren gebaut, nachdem die MIBA-Genossenschaft 2016 von Christian Kälin die Produktionsrechte der früheren Käserei übernommen hatte. Die Produktionskapazitäten in der alten Käserei im Dorf waren zu klein geworden, die Platzverhältnisse zu eng. Mitte Januar 2019 konnte die Produktion am neuen Standort aufgenommen werden. Die neue Käserei verarbeitet jährlich 3,6 Millionen Kilogramm Milch von derzeit 18 Milchproduzenten aus der Region, das Potenzial beträgt 4 Mio. Kilogramm. Acht Personen sind in der Produktion tätig. Die Käseaffinage erfolgt mit zwei Robotern in zwei Kellern mit einer Lagerkapazität von rund 100 Tonnen.

Virtueller Besuch bei den Milchbauern

Im Besucherzenturm sehen die Besucher durch grosse Glasscheiben in die drei Bereiche Käseproduktion, Salzbad und Reifekeller hinein. Wenn gerade nicht gekäst wird, kann die Produktion auf projizierten Filmen verfolgt werden. Auf interaktiven Bildschirmen können Kinder und Erwachsene die Hintergründe der Käseproduktion erfahren. Zum Abschluss eines Besuchs – die Eintritte sind mit acht Franken für Erwachsene und zwei Franken für Kinder familientauglich tief – können die Käse aus der Käserei degustiert und im Laden gekauft werden. Im Untergeschoss befindet sich ein Kinoraum, in dem die Bauernfamilien vorgestellt werden, welche die Milch liefern. Der Raum kann auch für gesellschaftliche Anlässe genutzt werden. Der Neubau kostete 12 Millionen Franken, das Projekt wurde von Bund und Kanton Jura unterstützt. Auf dem Dach der Käserei befindet sich eine Photovoltaikanlage von 580 Quadratmetern, mit dem produzierten Strom können bis zu 30 Haushalte versorgt werden. Die Wärmeversorgung erfolgt mit Holzschnitzeln, die vom Nachbarunternehmen geliefert werden. Die Käserei spart so 380 Tonnen CO2 pro Jahr.
roland.wyss@rubmedia.ch