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«Wir haben alle im Boot»

Adrian Gygax ist Präsident des Vereins Berner Zungenwurst. Für ihn ist wichtig, dass alle am gleichen Strick ziehen. Das Pflichtenheft könnte für den Emmentaler Metzger aber durchaus strikter sein.

von Hans Peter Schneider

Nur Berner Fleisch für die Zungenwurst? Für die grossen Produzenten wäre das ein Problem, sagt Adrian Gygax.

alimenta: Warum engagierten Sie sich für den Schutz der Berner Zungenwurst?

Adrian Gygax: Während meiner Zeit als selbstständiger Metzger suchte ich stets nach neuen Produkten, nach Nischen und neuen Märkten, um mich abheben zu können. Regionalität war für unser Unternehmen die grosse Chance. Somit sah ich im Schutz der Berner Zungenwurst eine Chance und habe angefangen, mich dafür zu engagieren. Zum Beispiel im Vorstand des Fleischfachverbandes des Kantons Bern.

Das Projekt ging reibungslos durch, was nicht üblich ist, wenn Lebensmittelspezialitäten geschützt werden sollen. Warum gab es keine Einsprecher gegen GGA-Zungenwurst?

Erstens hatten wir die drei Grossbetriebe im Kanton Bern schon im Boot, und zweitens hatte die Zungenwurst bis jetzt für viele Unternehmen gar keine grosse Bedeutung – da müssen wir ganz ehrlich sein.

Das Fleisch für die Wurst muss nach Pflichtenheft aus der Schweiz stammen. Warum nicht gleich ausschliesslich aus dem Kanton Bern? Damit hätte die Wurst sogar einen AOP-Schutz erhalten.

Ich mit meinem Kleinbetrieb wäre dazu natürlich sofort bereit gewesen. Doch für einen grösseren Betrieb ist der Kanton Bern ein zu kleines Gebiet, um das ganze Rohmaterial beschaffen zu können. Besonders, wenn man eventuell auch exportieren möchte. Weil wir alle Mitglieder in unserem Verein berücksichtigen müssen und die grossen Hersteller sich auch für den Schutz eingesetzt haben, waren wir bereit, hier Hand zu bieten.

Sie selber werden Ihre Region, das Emmental, bei der Zungenwurst ausloben?

Sicher. Übrigens hatten wir dadurch, dass wir die Zungenwurst schon den Grossverteilern liefern konnten, auch schon immer eine schöne Publicity.

Wäre denn der Export von Berner Zungenwurst realistisch?

Das müssen sicher in erster Linie die drei Grossen für sich entscheiden. Das Rohmaterial und die Kosten sind hier natürlich höher als im umliegenden Europa. Aber wichtig ist jetzt einfach mal, dass wir einen Schutz haben. Es wäre fatal, wenn plötzlich einer der beiden deutschen Discounter in der Schweiz Berner Zungenwurst aus polnischem Rohmaterial führen würde.

Warum ist denn keiner der beiden Grossen (Micarna und Bell) Mitglied im Verein der Berner Zungenwurst?

Vielleicht ist es ganz gut, dass keiner dieser dabei ist. Wenn sie Zungenwurst verkaufen wollen, dann müssen sie diese auch bei einem Unternehmen von uns kaufen.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch