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Bauernverband fordert zu Chlorothalonil-Verzicht auf

Der Schweizer Bauernverband (SBV) fordert die Bauern dazu auf, vorläufig auf das Fungizid Chlorothalonil zu verzichten, bis die Behörden ihren Entscheid über die Zulassung gefällt haben.

von lid/mos

Der Chlorothalonil-Grenzwert für Trinkwasser liegt neu bei 0.0000001 g/l. (Bild lid)

Hintergrund davon ist, dass das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), diesen Sommer Abbauprodukte von Chlorothalonil von «nicht-relevant» zu «relevant» umgeteilt hat. Negative gesundheitliche Auswirkungen der Abbauprodukte könnten nicht sicher ausgeschlossen werden, so das BLV. Über Nacht sei damit ein bis vor kurzem als bedenkenlos geltendes und rechtmässig eingesetztes Produkt zum Problemfall geworden, schreibt der SBV in einer Medienmitteilung vom Freitag. Neu gelte nämlich der extrem tiefe Anforderungswert von 0.0000001g/l.

Die Zulassungsbehörden überprüfen nun den Wirkstoff. Für den SBV gelte unverändert, dass solche Entscheide aufgrund von wissenschaftlichen Grundlagen gefällt werden müssten, heisst es weiter. Weil die momentan unklare Situation aber Wasserversorger und Gesellschaft stark verunsichere, wolle der SBV so rasch als möglich Klarheit schaffen. Deshalb fordert er die Landwirtschaftsbetriebe dazu auf, Produkte mit Chlorothalonil als Wirkstoff nicht mehr einzusetzen. Es stünden ausreichend andere Wirkstoffe zur Verfügung.

Am Mittwoch hatte ein Zusammenschluss von rund 60 Wasserversorgungsunternehmen im Einzugsgebiet der Aare und des Oberrheins ein sofortiges Chlorothalonil-Vebot verlangt.

Seit 50 Jahren im Einsatz

Chlorothalonil ist ein Fungizid, das laut SBV in der Schweizer Landwirtschaft seit rund 50 Jahren vor allem in Getreide, Gemüse und Reben gegen Pilzbefall zum Einsatz kommt. Der Wirkstoff schütze zum Beispiel Weintrauben vor dem gefürchteten falschen Mehltau, der unbehandelt zum totalen Verlust der Ernte führen könne, heisst es in der Mitteilung des Bauernverbandes. Chlorothalonil komme aber auch bei Sportrasen, Blumen, Sträuchern oder Zierpflanzen zur Anwendung.