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Kampf gegen die Nachfragemacht

Der Markenartikelverband Promarca geht in den Angriff. Gegen den Zahlungsdienstleister Markant Syntrade und gegen die Migros hat der Verband bei der Wettbewerbskommission Klagen eingereicht.

von Roland Wyss-Aerni

Markant Syntrade, ein Rechnungs- und Datendienstleister für den Schweizer Detailhandel, ist in der Branche bekannt als Partner für kleinere Akteure wie Volg, Landi, Spar, Valora, Lekkerland oder Manor. Auch Grosshändler wie Pistor oder die Migros-Tochter Saviva wickeln über Markant Syntrade Geschäfte mit Lieferanten ab. Hersteller, die in diese Absatzkanäle liefern wollen, müssen sich bei Markant anschliessen und dafür Gebühren bezahlen. Die Rede ist von zwei bis sechs Prozent des Umsatzanteils. ­Markant übernimmt die Rechnungsabwicklung, das Stammdaten- und Informations-Management für Artikel und bietet Bürgschaften für die Absicherung von Zahlungen.

Nun will auch Coop seine Rechnungs­abwicklungen von Markant machen lassen, wie im Mai bekannt wurde. Neu werden also Coop-Lieferanten bei Markant die entsprechenden Gebühren bezahlen müssen. Weil viele Her­steller mit Coop einen erklecklichen Umsatzanteil erzielen, fallen die Gebühren entsprechend hoch aus. Ursprünglich hätte der Wechsel bereits auf 1. Juni umgesetzt werden sollen, nun soll er offenbar wegen der Corona-Krise auf Anfang 2021 verschoben werden. Auf der Webseite von Markant Syntrade ist Coop mit seinen verschiedenen Töchtern bereits als Händler aufgeführt.

Klage bei der Weko

Der Markenartikelverband Promarca hat deshalb gegen Markant Syntrade bei der Wettbewerbskommission Klage eingereicht. «Markant stand bisher für die dritte Kraft neben Coop und Migros», sagt Promarca-Geschäftsführerin Anastasia Li-Treyer. «Wenn nun Coop als wichtigster Kanal für Markenartikelhersteller sich dieser dritten Kraft anschliesst, führt das faktisch zu einem Duopol. Hersteller, die nicht die Migros beliefern, hängen somit ganz von der Allianz von Coop und Markant ab.»

Die von Markant verlangten Gebühren würden von den Herstellern schon lange als Zumutung empfunden, sagt Li-Treyer, diese hätten aber oft schlicht keine Alternative. Wenn nun der Absatzkanal Coop auch noch Bestandteil dieses Gebührensystems werde, könne dies vor allem kleinere Unternehmen in existenzielle Nöte bringen. Abgesehen von den Promarca-Mitgliedern gebe es hunderte von weiteren betroffenen KMU, manche davon hätten Promarca aufgrund der Anzeige kontaktiert, sagt Li-Treyer.

Naturgemäss wollen sich Hersteller bei diesem Thema nicht exponieren. Einer der wenigen, der in der «Sonntagszeitung» offen Kritik äusserte, ist Karl Locher, Mitinhaber der Brauerei Locher in Appenzell. Die Abrechnung der Coop-Aufträge via Markant verursache bei Locher zusätzliche Kosten, sagte er. Deshalb könne es sein, dass man die Produktepreise erhöhen müsse.

Andere Hersteller sagten gegenüber der Sonntagszeitung, sie hätten ohnehin schon kleine Margen, mit den neuen Gebühren mache man mit Coop fast keinen Gewinn mehr. Sie ärgern sich darüber, dass Coop mit Markant nicht nur administrative Kosten spare, sondern sogar einen Teil der Gebühren ausbezahlt erhält.

Massiv höhere Gebühren

Ein Lieferant, der anonym bleiben will, sagt, wenn seine Geschäfte mit Coop neu über ­Markant liefen, betreffe das einen Umsatz von 11,5 Mio. Franken, mehr als ein Fünftel seines Gesamtumsatzes. Dafür müsse er neu Gebühren von 350 000 Franken bezahlen. «Das kann ich mir einfach nicht leisten, da muss ich Leute entlassen», sagt er.

Von den 3 Prozent Gebühren gingen 2 Prozent an Markant, sagt der Lieferant. Manche Dienstleistungen seien praktisch, etwa die Transparenz über Aktionen in allen Kanäle. Aber beim Datenaustausch beispielsweise sei sein Aufwand wegen Markant nicht kleiner. Es sei auch undurchsichtig, was wie viel koste, Transparent ausgewiesen werde nur die Bürgschaftssicherheit von 0,4 Prozent. 1 Prozent der Gebühren geht als Kickback an die angeschlossenen Händler. «Es ist klar, dass Coop da interessiert ist», sagt der Lieferant. Umso stossender sei, dass weder Coop noch Markant derzeit bereit seien, über neue Bedinungen zu verhandeln. «Ich werde vorsorglich per Ende Juni bei Markant kündigen, um einen neuen Vertrag auszuhandeln», sagt er. Und er erhoffe sich, dass die Marktbeobachtung der Weko etwas Bewegung in die Sache bringe. «Dass Coop und Markant sich in der Krise auf Kosten der Lieferanten die Margen erhöhen, ist ein Hohn.»

Nicht die erste Klage

Es ist nicht das erste Mal, dass Promarca gegen Markant aktiv wird. Der Verband hat bereits 2009, als Markant den Zahlungsdienstleister Syntrade übernommen und die Gebühren erhöht hatte, bei der Weko interveniert. Das Weko-Sekretariat sei dann aber zum Schluss gekommen, dass Markant vor allem mit kleineren Händlern geschäfte, sagt Li-Treyer, und dass die Abhängigkeit der Hersteller mit durchschnittlich 10 bis 15 Prozent Umsatzanteil nicht so gross sei. Allerdings habe man sich damals mit dem System Markant noch nicht vertieft auseinandergesetzt. «Jetzt mit Coop ist es in jedem Fall eine andere Ausgangslage», sagt Li-Treyer. Bei manchen Herstellern, insbesondere bei Markenherstellern, könnten sich die Umsatzanteile mit Markant auf 70 bis 90 Prozent summieren. «Das führt zu drastischen Abhängigkeiten.»

Zu den Vorwürfen wollten gegenüber alimenta weder Coop noch Markant Stellung nehmen.