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«Flatrate-Chickenwings-Angebote»

Treffen sich eine Veganerin, ein stolzer Metzger und ein liberaler Flexitarier: Im Polit-Talk zum Abschluss der Tagung diskutierten die drei Nationalratsmitglieder Meret Schneider (Grüne), Mike Egger (SVP) und Roland Fischer (GLP) kontrovers über Massentierhaltung, Fleischpreise und die Vorbildfunktion des Staates.

von mos

Moderatorin Eveline Kobler, die Nationalräte Roland Fischer, Mike Egger und Meret Schneider. (mos)
«Gewisse Tierhaltungsmethoden sind so unwürdig, dass sie verboten gehören», plädierte die Grünen-Nationalrätin Meret Schneider für ein Ja zur Massentierhaltungsinitiative, die sie mitinitiiert hat. Damit werde zwar das Angebot verknappt. «Aber der Fleischkonsum muss ohnehin sinken.» Für den Fleischfachmann und SVP-Nationalrat Mike Egger hingegen grenzt die Initiative an «Irreführung». Die Schweiz habe bei Hühnern einen gesetzlichen Höchstbestand von 27000 Tieren, in Deutschland habe es Mastanlagen mit bis zu 600000 Hühner. «Wir haben in diesem Land keine Massentierhaltung», so Egger.
Schneider kritisierte die Grossverteiler, die regelmässig Entrecotes aus Paraguay und Poulet aus Brasilien zu Dumpingpreisen bewerben würden – als Frequenztreiber. Diese «Flatrate-Chickenwings-Angebote» seien zum Kotzen. Egger, der beim Migros-Fleischverarbeiter Micarna arbeitet, betonte, mit Aktionen könne man die Vollverwertung eines Tierkörpers sicherstellen. Roland Fischer plädierte dafür, die wahren Kosten beim Fleisch zu berücksichtigen: «Selbst dann wäre Fleisch für die allermeisten Menschen in der Schweiz aber nach wie vor erschwinglich», sagte Fischer.
Mehr regionale und pflanzliche Lebensmittel in der öffentlichen Verpflegung: Das fordert Meret Schneider in einer Motion, die sie Anfang Oktober eingereicht hat. Auf dem Podium bekam sie dafür auch Zuspruch vom grünliberalen Roland Fischer: In staatlichen Kantinen sei es durchaus die Aufgabe des Staates, ein Vorbild in Sachen Ökologie zu sein. Für Lacher im Saal sorgte Schneider mit ihrer Antwort: «Dürfte ich das schriftlich für die Debatte im Rat haben?»