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Russland setzt Getreideexport-Abkommen aus

Russland hat das Abkommen für den Getreideexport aus der Ukraine sistiert.

von sda/wy

Russland hat am 29. Oktober seine Zustimmung zum Abkommen mit der Ukraine und der Türkei über ukrainische Getreidetransporte «auf unbestimmte Zeit» ausgesetzt. Das Abkommen war im Juli unter Mitwirkung der UNO abgeschlossen werden und ermöglichte die Ausfuhr von 9,3 Millionen Tonnen Getreide.
Russland begründete den Entscheid damit, dass die Ukraine mit Drohnen die Schwarzmeerflotte in Sewastopol auf der Krimhalbinsel angegriffen habe. Russland hatte schon länger mit einem Stopp des Getreideabkommens gedroht, weil aus der Sicht Russlands ukrainische Versprechungen nicht eingehalten würden.
Die Ukraine lehnte die Verantwortung für den Angriff ab. Auch die von Russland vorgebrachten Sicherheitsbedenken für die Getreideexporte seien «lächerlich», twitterte der ukrainische Aussenminister, der Seekorridor liege mehr als 200 Kilometer von Sewastopol entfernt. «Russland blockiert 2 Millionen Tonnen Getreide auf 176 Schiffen, die bereits in See gestochen sind – das würde ausreichen, um mehr als 7 Millionen Menschen zu ernähren.»
Das Abkommen ist bis zum 19. November befristet und sollte danach verlängert werden.
Am Montag, 31. Oktober fuhren trotzdem Schiffe mit Getreide durch den im Abkommen festgelegten humanitären Korridor durch das Schwarze Meer. Die Delegationen der Vereinten Nationen, der Türkei und der Ukraine hätten sich auf einen entsprechenden Plan geeinigt, hiess es in einer Mitteilung des Koordinierungszentrums in Istanbul in der Nacht zum Montag.
Vertreter der EU und der USA kritisierten den Entscheid Russlands. Der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell rief Russland dringend dazu auf, diesen rückgängig zu machen. Er schrieb auf Twitter, die Entscheidung gefährde die wichtigste Exportroute für dringend benötigtes Getreide und Düngemittel zur Bewältigung der weltweiten Nahrungsmittelkrise. US-Aussenminister Antony Blinken appellierte an beide Kriegsparteien, «diese essenzielle, lebensrettende Initiative funktionstüchtig» zu erhalten. Bereits am Samstag hatte US-Präsident Joe Biden das russische Vorgehen als «empörend» bezeichnet und betont, dass es zu mehr Hunger auf der Welt führen werde.