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Zbinden findet: Fremdbestimmte Kinder

An Kinder gerichtete Werbung für stark zucker-, fett- und salzhaltige Lebensmittel soll weitgehend verboten werden.

«Anders als Nikotin in Zigaretten, die Suchtmittel sind, braucht der menschliche Körper Nährstoffe wie Zucker und Fett. Es liegt damit in der Selbstverantwortung der Menschen, den richtigen Umgang mit der Ernährung zu finden. Das Ringen um das richtige Mass kann und soll ihnen der Staat nicht abnehmen. Bei Kindern stehen dafür in erster Linie die Eltern in der Pflicht». Diese Sätze standen am 28. März 2023 in der NZZ. Andererseits: «Können Sie sich vorstellen, dass wir noch bis 1975 zugelassen haben, dass Kinder im Fernsehen Werbung für Zigaretten sehen? Nein? Warum sollten wir dies dann bei Süssigkeiten und fettigen Snacks tun, wenn diese doch für genauso viele Todesfälle verantwortlich sind?», fragt Luise Molling im foodwatch-Newsletter vom 6. Juni 2023.
Die Diskussionen und die damit verbundene Lobbyarbeit rund um Beschränkungen, welche Kinder vor Junkfood-Werbung schützen soll, ist in der Schweiz und in Deutschland voll im Gang. Die liberale Ecke, die Gegnerinnen und Gegner von Werbeeinschränkungen argumentieren gerne mit «Selbstverantwortung» und der «Verantwortung der Eltern». Beide Argumente greifen aus wissenschaftlicher Sicht zu kurz. Diesbezüglich ein kurzer Exkurs. 2018 habe ich für die New Design University im österreichischen St. Pölten den akademischen Lehrgang «Food & Design» mitentwickelt und gehöre dort zu den Dozierenden. In meinen Vorlesungen erkläre ich den Studierenden, welche kulinarischen Vorlieben evolutionsmässig in uns abgespeichert sind und wie sich diese für die Entwicklung von Produkten oder Gerichten nutzen lassen. Zu diesen von unseren Vorfahren vererbten Vorlieben gehört das Verlangen nach Fettigem, Süssem, Salzigem, Umami (aka MSG) und Knusprigem. Gerade Kinder sind diesen im Hirn abgespeicherten Überlebens- und Vorliebenprogrammen schutzlos ausgeliefert. Selbst bei sogenannten selbstbestimmten Erwachsenen hat das evolutionär geprägte Hirn beim Konsum von Süssgetränken, fettigen Burgern und Co. ab und an einen lustgesteuerten Aussetzer. Diese «Lust auf mehr»-Faktoren sind seit langem wissenschaftlich erforscht und werden von Food Designern und einer gut geölten Marketing-Maschinerie gezielt und manipulativ zur Absatzsteigerung genutzt. Deshalb sind, aus Sicht der Wissenschaft, die Argumente «Selbstverantwortung» und die «Verantwortung der Eltern gegenüber Kindern» beim Thema Werbeeinschränkungen für Junk-Food keine Basis für sachliche Diskussionen.

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