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Ein Hauptdarsteller steht zurück ins Glied

von Roland Wyss

«Schweizer Fleisch. Der feine Unterschied». So lautet der neue Slogan, den die Branchenorganisation Proviande ab Oktober für die Fleischwerbung verwenden wird. Fertig also mit dem selbstbewusst-frechen Kultslogan «Alles andere ist Beilage». Der neue Slogan sei fad wie ein Kalbsschnitzel, das weder gesalzen noch gepfeffert wurde, fand die Basler Zeitung. Dieser neue Slogan, vermutete die Basler Zeitung ferner, sei eine Kapitulation vor den Vegetarier- und Veganerverbänden, welche die Fleischwerbung immer wieder scharf kritisieren. Eine Kapitulation auch vor einzelnen Politikern, die sich in letzter Zeit auf die Proviande eingeschossen haben.
Die Proviande verneint dies und sagt, es gehe vielmehr darum, die Kampagne weiterzuentwickeln und Konsumenten vermehrt auf den Unterschied zwischen importiertem Fleisch und Schweizer Fleisch aufmerksam zu machen. Tatsache ist: Der Vegetarierverband Swissveg hat seine Freude darüber, dass Proviande  nun «auf den provokanten Slogan verzichtet», bereits kundgetan.
Ich gebe es zu: Auch ich war etwas enttäuscht vom neuen Slogan. Und auch ich hatte den Verdacht, da werde nun unter dem Druck der Vegis eine erfrischende  und humorvolle Kampagne auf die politisch korrekte Schiene geschoben. Für mich war die Proviande-Werbung unter den verschiedenen Kampagnen für Schweizer Landwirtschaftsprodukte eine der stärkeren, nicht zuletzt, weil sie mit etwas Humor darstellt, was doch weitgehend Realität ist: Die meisten Schweizer konsumieren nach wie vor regelmässig Fleisch in irgendeiner Form, und wenn Fleisch auf dem Teller ist, dann ist der Rest eben Beilage.
Nun, die Verantwortlichen der Proviande werden sich bei dem Wechsel etwas gedacht haben. Und es ist zu hoffen, dass bei der konkreten Umsetzung der neuen Kampagne der Humor nicht zu kurz kommt.  Mittelmässige Werbung für Schweizer Lebensmittel gibt es nämlich genug.